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Das Horizontalspülbohrverfahren (HDD) mit steuerbaren Bohrgeräten eignet sich für lange Strecken mit kurvigen Trassen und damit besonders für den Netzausbau (Foto: Tracto-Technik)

Grabenlose Tiefbaulösungen für den Breitbandausbau

07.05.2020 - Das Rückgrat der Digitalisierung ist ein leistungsstarkes Glasfasernetz. Doch der Ausbau dieser "leitungsgebundenen Hochgeschwindigkeitsnetze" verläuft vielerorts nicht so schnell wie nötig. Das liegt zum einen an Kosten für die Leitungsverlegung, aber auch am Aufwand und der Dauer der Tiefbauarbeiten in klassischer offener Bauweise. Hier bieten grabenlose Verfahren für die unterirdische Verlegung von Schutzrohren und Kabeln einen innovativen und wirtschaftlichen Lösungsansatz.

Die verschiedenen grabenlosen Verfahren, die unter dem Fachbegriff "NODIG-Techniken" zusammengefasst werden, eignen sich optimal, um das Glasfasernetz zügig, schonend und kosteneffizient bis zum Anschluss beim Endkunden auszubauen. Die ökologischen und ökonomischen Vorteile dieser Verfahren gegenüber der offenen Bauweise liegen auf der Hand. Wertvolle Oberflächen und Ressourcen werden geschont, weil aufwendige Aushub- und Wiederherstellungsarbeiten entfallen, der Verkehrsfluss wird kaum behindert, Emissionen und der Verbrauch von Naturkapital sind stark reduziert, die Bauzeiten werden erheblich kürzer, so dass die direkten wie indirekten Kosten deutlich niedriger sind.

Grabenlose Lösungen für Backbone und letzte Meile

Innovative grabenlose Verfahren sind für ländliche Gebiete genauso geeignet wie für den urbanen Raum. Dabei garantieren ausreichende Verlegetiefen eine nachhaltige Versorgungssicherheit sowohl beim Netzausbau (Backbone) als auch bei der Herstellung der Hausanschlüsse beim Endverbraucher. Die verschiedenen NODIG-Techniken ermöglichen:
• die schnelle unterirdische Rohr- und Kabelverlegung entlang von Straßen (FTTC) und unter Verkehrswegen mit Kurz- oder Langrohren aus allen gängigen Materialien
• die Verlegung von Glasfaserkabeln durch bestehende Abwasserkanäle
• die Herstellung von einzelnen oder seriellen Glasfaser-Hausanschlüssen vom Verteiler zum Gebäude (FTTH) und direkt in den Keller (FTTB) oder jeweils in umgekehrter Richtung

Vielseitige Verfahren für Netzausbau und Hausanschlüsse

Für die unterirdische Verlegung der Kabelschutzrohre zum Netzausbau und zur Herstellung der Hausanschlüsse werden je nach Rahmenbedingungen verschiedene grabenlose Verfahren eingesetzt. Dabei wird zwischen ungesteuerten und gesteuerten Vortriebssystemen unterschieden. Ungesteuerte Bohrgeräte wie eine im Bodenverdrängungsverfahren arbeitende Erdrakete kommen zum Einsatz, wenn die Bohrtrasse gradlinig verläuft.

Gesteuerte Bohrgeräte, bei denen sich die Bohrverläufe mittels moderner Ortungssysteme wäh-rend des Vortriebs genau verfolgen und ggf. sogar nachjustieren lassen, werden sowohl für gradlinige als auch kurvige Bohrtrassen von mehreren hundert Metern Länge im Horizontalspülbohrverfahren eingesetzt. Beiden Verfahren gemeinsam ist, dass sie in fast allen Bodenklassen bis hin zu 'Fels' eingesetzt werden können.

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Beispiel: FTTC ohne Straßenaufbruch im Dresdner Wohngebiet

Der Dresdner Stadtteil Löbtau ist ein beliebtes Wohngebiet. Der seit Ende des 19. Jahrhunderts natürlich gewachsene Stadtteil wurde nach dem Fall der Mauer schrittweise rekonstruiert, indem die zahlreichen Wohnhäuser aus der Gründerzeit saniert und einige Baulücken mit Neubauten geschlossen wurden. Heute verfügt Löbtau über eine Vielzahl von Einkaufsmöglichkeiten, Parks, Freizeiteinrichtungen und eine sehr gute Verkehrsanbindung in die Dresdner Innenstadt. Auch die unterirdische Infrastruktur wurde nach und nach den heutigen Bedürfnissen angepasst. So sollte die Lübecker Straße im Oktober 2015 an das Breitbandkabelnetz angeschlossen werden. Zur Aufnahme der Glasfaserkabel mussten drei PEHD-Rohre DA 50 verlegt werden, von denen aus die Wohnhäuser mittels FTTC an das Hochgeschwindigkeits-Internet (VSDL) angeschlossen werden.

Beim FTTC wird das Glasfaserkabel von der Vermittlungsstelle bis zum Kabelverzweiger geführt und das Signal durch einen optisch-elektrischen Wandler umgesetzt. Dadurch kann der restliche Weg zum Nutzer mit vorhandenen Kupferkabeln zurückgelegt werden. Es müssen keine neuen Hausanschlüsse erstellt werden, um die schnelle Internetverbindung verfügbar zu machen. Deshalb wird diese Anschlussart zum großen Teil für den Ausbau der VDSL-Infrastruktur in Deutschland verwendet. Um wertvolle neue Straßenbeläge nicht wieder aufbrechen zu müssen, sollte die Verlegung der PE-Schutzrohre über jeweils 54, 112, 100 und 99 m Länge im Auftrag der HTP Hoch- u. Tiefbau Pfeffer GmbH grabenlos erfolgen. Den Auftrag zur Ausführung erhielt die Spezialtiefbaufirma M & M Gesteuerte Bohrungen und Kabelbau aus Löbau, die viel Erfahrung im unterirdischen Rohrvor-trieb, insbesondere dem HDD-Verfahren, hat.

Zu seinem ersten Einsatz für M & M kam ein Horizontalspülbohrgerät GRUNDODRILL11XP (siehe Foto), der sich aufgrund seiner kompakten Bauweise besonders für Bohrungen im innerstädtischen Bereich eignet. Neben den hier herrschenden engen Platzverhältnissen war der hohe Fremdleitungsbestand eine besondere Herausforderung.

So erschwerten Fehlsignale durch Straßenbahnoberleitungen und Stromzuführungen für die Signaltechnik die Ortung, und ein Eiprofil-Abwasserrohr DN 600 war zu unterqueren. Die erfahrene Bohrcrew setzte modernste Ortungstechnik ein und konnte die Bohrtrasse wie geplant an den zahlreichen Hindernissen vorbeiführen.

Die eigentliche Rohrverlegung verlief zügig und ohne Probleme. Die Ø 80 mm-Pilotbohrung durch den relativ harten Untergrund wurde mit dem speziell für sehr kompakte Böden entwickelten HDH-Bohrkopf (HDH Typ 1) in 1,5 Stunden erstellt. Dank der guten Freischnitteigenschaften des Bohrkopfs und der perfekt abgestimmten Bohrspülung war ein separater Aufweitvorgang nicht nötig, und die PE-Rohre wurden mit einem Standardräumer in einer Stunde direkt in die Pilotbohrung eingezogen. Die insgesamt 365 m Rohr wurden in 30 Stunden verlegt, wobei die durchschnittliche Verlegegeschwindigkeit 12,16 m pro Stunde betrug.

Fazit

Durch den Einsatz grabenloser Technik kann der Bau bzw. Ausbau der Glasfaserinfrastruktur sowie die Anbindung beim Endkunden erheblich beschleunigt und die Kosten für eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Versorgung gegenüber der offenen Bauweise deutlich gesenkt werden - und das bei maximaler Versorgungssicherheit ohne Wertminderung von wertvollen Flächen oder hohe Folgekosten. Die Erfassung aller unterirdischen Verlegeverfahren in den neuesten technischen Regelwerken garantiert zudem maximale Sicherheit bei der Planung und Bauausführung. Weitere Informationen und Hilfestellung erhalten interessierte Versorger und Planer bei Fachverbänden wie BREKO oder FRK, bei auf NODIG spezialisierten Herstellern und Tiefbauunternehmen.

Autorin: Anne Knour, Tracto-Technik GmbH
www.tracto-technik.de
info@tracto-technik.de

Den vollständigen Artikel können Sie in der aktuellen Ausgabe 2/2020 von Cable!vision Europe lesen. Fordern Sie unter abo@newbusiness.de ein kostenloses Probeexemplar an.

 

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