
2020 soll die Zahl der Gigabitanschlüsse in Breitbandkabelnetzen mit DOCSIS-3.1-Technik von rund 14 Millionen im Vorjahr auf fast 24 Millionen Anschlüsse steigen (Quelle: DIALOG CONSULT/VATM)
Bald Gigabit-Zugang für 62 Prozent aller Haushalte
07.10.2020 - Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie fragen Kunden vermehrt nach Gigabit-Anschlüssen und die Netzbetreiber forcieren die Aufrüstung ihrer Netze, was sich in den höchsten Investitionen seit 19 Jahren niederschlägt. Die Deutsche Telekom holt bei den Glasfaseranschlüssen zwar auf, vermarktet diese aber nicht annähernd so erfolgreich wie ihre Wettbewerber. Dies sind einige Ergebnisse der Studie, die VATM und DIALOG CONSULT gestern zum Deutschen Telekommunikationsmarkt 2020 vorgestellt haben.
Höchste Investitionen seit 19 Jahren
In diesem Jahr werden die Unternehmen der Telekommunikationsbranche mit 9,7 Milliarden Euro in Deutschland so viel wie seit 2001 nicht mehr investieren. Mit 28,8 Millionen verfügbaren Gigabit-Anschlüssen (+56 Prozent) stehen Ende des Jahres rund 62 Prozent der deutschen Haushalte gigabitfähige Netze zur Verfügung. Beim Neubau von Glasfaseranschlüssen bis ins Haus oder die Wohnung (FFTB/H) wird mit rund einer Million ein neuer Höchststand innerhalb eines Jahres erreicht. Sie wächst um fast ein Viertel auf 5,1 Millionen. Mehr als ein Drittel der FTTB/H-Anschlüsse wird von Kundinnen und Kunden genutzt. Die Zahl der gebuchten FTTB/H-Anschlüsse steigt seit Ende 2019 um 31 Prozent.
Größter Ausbauschub durch Kabelnetz
Neun von zehn dieser Anschlüsse stammen von den alternativen Anbietern. Die Zahl der gigabitfähigen Anschlüsse in Kabel-HFC-Netzen (DOCSIS 3.1) steigt von Ende 2019 bis Ende 2020 um 65 Prozent von 14,35 auf 23,7 Millionen.
Telekom vermarktet Glasfaser nicht so erfolgreich wie Wettbewerber
„Während die Wettbewerbsunternehmen hier eine Take-up-Rate von knapp 50 Prozent erreichen, liegt diese bei der Telekom Deutschland nur bei unter 20 Prozent. Die Telekom holt bei den Glasfaseranschlüssen zwar auf, vermarktet diese aber noch nicht annährend so erfolgreich wie die Wettbewerber“, sagte Studienautor Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, wissenschaftlicher Beirat der Unternehmensberatung DIALOG CONSULT und Inhaber des Lehrstuhls für TK-Wirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.
Geschäftskundenmarkt von Telekom dominiert
Besonders wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist der Geschäftskundenmarkt. Dieser ist weiterhin hart umkämpft. Hier sind die Wettbewerber bei der Umsetzung von Geschäftskunden-Anschlüssen immer noch sehr stark auf die Telekom angewiesen. Nach einer aktuellen Mitgliederbefragung sind die allermeisten Geschäftskundenanbieter noch immer in 80 bis 90 Prozent aller regionalen oder bundesweiten Ausschreibungen der deutschen Wirtschaft auf die Leitungen der Telekom angewiesen, um ein wettbewerbsfähiges Angebot abgeben zu können.
„Vor allem infolge der zweiten Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur müssen viele Wettbewerber verstärkt auf diese noch teureren Vorleistungen zurückgreifen, die noch teurer sind als die TAL. Die Abhängigkeit der alternativen Festnetzanbieter von Vorleistungen der Telekom Deutschland ist in den vergangenen Jahren also nicht geringer geworden“, erläuterte Prof. Gerpott. „Rund 70 Prozent aller genutzten Anschlüsse werden weiter physikalisch auf dem Netz des Ex-Monopolisten bereitgestellt.“Datenvolumen nimmt weiter rasant zu
Die Kunden in Deutschland wollen bei ihren Anschlüssen immer mehr Geschwindigkeit. „Dazu hat auch die Corona-Pandemie mit Homeoffice, Homeschooling und Freizeitnutzungen zu Hause beigetragen“, sagt Prof. Gerpott. Die Zahl der Haushalte, die mehr als 250 Mbit/s buchen, verdoppelt sich von 1,3 auf 2,9 Millionen. Der Anteil der nachgefragten Festnetzanschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s Downstream-Bandbreite wird 2020 auf fast 47 Prozent wachsen (Abb. 15). Der Datenhunger in Deutschland nimmt weiter rasant zu: Im Festnetz werden in diesem Jahr insgesamt 72 Milliarden Gigabyte (GB) verschickt oder heruntergeladen– das bedeutet eine Steigerung um 28,6 Prozent im Vergleich zu 2019. Das durchschnittliche Datenvolumen pro Anschluss und Monat beträgt 168,1 Gigabyte (+25 Prozent).
5G-Aufbau schreitet zügig voran
Mehr als zwei Drittel der Ende 2020 aktiven persönlichen Mobilfunk-SIM-Karten ermöglichen es den Kunden, Mobilfunknetze der vierten oder fünften Generation zu nutzen. „Die Anzahl der 5G-fähigen SIM-Karten liegt Ende 2020 bei 4,2 Millionen. Der Aufbau der 5G-Mobilfunknetze schreitet in 2020 zügig voran“, erläuterte TK-Experte Prof. Gerpott.Die Studie ist auf der Website des VATM verfügbar.
Claudia Boss-Teichmann 07.10.2020

