
Glasfaserausbau durch die Swisscom (Foto: Swisscom)
Schließt Glasfaserausbau der Swisscom Konkurrenz aus?
18.12.2020 - Die Schweizerische Wettbewerbskommission (WEKO) eröffnet eine Untersuchung gegen die Swisscom. Es bestehe die Gefahr, dass Swisscom beim Bau des Glasfasernetzes Konkurrenten vom Markt ausschliesse. Die Swisscom ändere beim geplanten Glasfaserausbau für1,5 Millionen zusätzliche Haushalte und Geschäfte in Gebieten, welche sie alleine ausbaut, die Bauweise des Netzes so, dass Wettbewerber keinen direkten Zugang mehr zur Netzwerkinfrastruktur erhielten. Der WEKO erscheint es aufgrund der derzeit verfügbaren Informationen daher als glaubhaft, dass Swisscom mit diesem Verhalten eine marktbeherrschende Stellung missbrauche. Daher verbietet die WEKO Swisscom ab sofort mit vorsorglichen Massnahmen, Wettbewerbern beim Ausbau des Glasfasernetzes den Zugang zu durchgehenden Leitungen zu verweigern.
Point-to-Point oder Point-to-Multipoint
Die Swisscom habe spätestens Anfang 2020 begonnen, in Gebieten, wo sie alleine baut, vom bisherigen Standard des Vierfasermodells (das entspricht einer Point-to-Point-Netzarchitektur mit vier separaten Fasern von der Anschlusszentrale bis zu den einzelnen Haushalten) abzurücken und nur noch eine durchgängige Glasfaser von der Anschlusszentrale zu den einzelnen Haushalten zu bauen, erläutert die WEKO die Ausbaustrategie der Swisscom. Zudem sei die Swisscom dazu übergegangen, ihre Glasfaser-Netzwerkinfrastrukturen nicht mehr in Sternstruktur (AON), sondern in Baumstruktur (PON) zu bauen, auch als Point-to-Multipoint-Netzarchitektur bezeichnet. In der PON-Struktur sei es nicht möglich, für einzelne Anschlüsse eine andere Übertragungstechnologie zu nutzen oder einzelne Leitungen anderen Fernmeldedienstanbietern zu überlassen.
Swisscom: Wir ermöglichen weiterhin den Wettbewerb mit breiten Angeboten
Die Swisscom wehrt sich gegen die Vorwürfe und wird gegen die vorsorglichen Maßnahmen Beschwerde einreichen. Zur Ausbauarchitektur erklärt die Swisscom: "Beim Weiterausbau von FTTH (Fibre to the Home) setzt Swisscom primär auf die Architektur Point-to-Multipoint (ab Manhole) und ermöglicht damit weiterhin den Wettbewerb mit breiten Angeboten. Dies ist die am besten geeignete Architektur, um den Glasfaserausbau schweizweit voranzutreiben, da sie optimal auf dem bestehenden Netz aufbaut. Die Wiederverwendung der gebauten Zuleitung (Feeder) ermöglicht einen schnelleren und kosteneffizienteren FTTH-Ausbau der Schweiz. (...) Swisscom bietet Anbietern, die kein eigenes Netz haben, eine Vielzahl von Netzzugangsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Bandbreiten an. Die Angebote existieren seit vielen Jahren im Markt, werden kontinuierlich weiterentwickelt und stossen auf eine hohe Akzeptanz bei den Wholesale-Kunden. Die Anbieter ohne eigenes Netz haben immer Zugang zur maximal verfügbaren Bandbreite. Zudem will Swisscom, wo immer möglich, wie bisher in Kooperation mit Partnern das Netz ausbauen."
Claudia Boss-Teichmann 18.12.2020

