
Die Direktorin von EcoAustria, Monika Köppl-Turyna, und der CEO von A1, Thomas Arnolder, präsentierten die Studienergebnisse (Foto: A1)
Studienergebnisse zu Digitalisierung und Klimawandel: Breitband spart CO2
Kann die Digitalisierung zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen oder führt das rasante Datenwachstum nicht vielmehr zu höheren CO2-Emmissionen? Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Klimawandel mit besonderem Fokus auf die Telekommunikationsbranche hat eine neue Studie aus Österreich untersucht. Sie zeigt: Pauschale, alle Bereiche und Diensteanwendungen betreffende Aussagen sind nicht möglich.
Die Studie hat das Institut für Wirtschaftsforschung, EcoAustria, in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag von A1 Telekom Austria durchgeführt. (1) Das Team hat einen besonderen Fokus auf Anwendungen aus der Telekommunikationsbranche gelegt, da diese als Hebeltechnologien gesehen werden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.
Breitband hat rund 7 Millionen Tonnen CO2 eingespart
„Unsere Resultate decken sich im Wesentlichen mit den bisherigen empirischen Untersuchungen, wonach die CO2 senkenden Effekte die CO2 erhöhenden Effekte im Durchschnitt zu überwiegen scheinen“, fasst EcoAustria Direktorin und Studienautorin Monika Köppl-Turyna die Ergebnisse zusammen. Sie wurden in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem CEO der A1 Austria Group Thomas Arnolder am 12. Mai in Wien präsentiert.
Konkret hat die Studie ergeben, dass Breitbanddienste dabei helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren: Im Zeitraum 2002 bis 2019 konnten auf diesem Weg insgesamt 7,09 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. (2) Mobiles Breitband hat laut Studie in der Vergangenheit im Gesamteffekt zu keinen systematisch höheren CO2-Ausstößen geführt.
Laut Aussage von Köppl-Turna ist dies die erste Studie weltweit, die den Einfluss auf CO2-Emissionen glasfaserbasierter Anschlüsse sowohl von der Angebots- als auch der Nachfrageseite her berücksichtigt, denn "es ist ein wesentlicher Unterschied, ob ein Glasfaser-Anschluss nur existiert oder auch genutzt wird." Auch Basisbreitbandanschlüsse mit Bandbreiten von mindestens 256 Kbit/s und Mobilfunkanschlüsse seien untersucht worden.
Potenziale der Digitalisierung für den Klimaschutz
Die vorliegende Studie belegt, dass die Digitalisierung erhebliche Potenziale für eine nachhaltigere Gesellschaft mit sich bringt. Auch wenn sich kurzfristig direkte Effekte negativ auf den CO2 -Ausstoß auswirken können, so liegen doch die vielseitigen Potenziale v.a. in den Hebelwirkungen durch die indirekten Auswirkungen der Digitalisierung. So können beispielsweise durch den Einsatz von Videokonferenzen und Cloud-Lösungen Dienstreisen und lange Anfahrten ins Büro, die Schule oder zu Gesundheitseinrichtungen reduziert werden.
Unvorhersehbare und negative Effekte auf CO2-Bilanz
Trotz der sich zahlreich ergebenden Chancen, wird in der Studie auch auf die Möglichkeit nicht vorhersehbarer systemischer Effekte – wie beispielsweise langfristige Struktur- und Verhaltensänderungen – verwiesen, die sich sowohl positiv wie negativ auf die Umwelt auswirken können. Als Beispiel kann durch neue geteilte Mobilitäts-Konzepte der motorisierte Individualverkehr teilweise ersetzen werden. Andererseits kann dadurch die Wohnortwahl beeinflusst werden und es könnten größere Entfernungen in Kauf genommen werden, wodurch das Verkehrsaufkommen wieder steigen könnte.
Die Studie verweist auch darauf, dass sich Aussagen über Effekte der Digitalisierung in der IKT-Industrie immer nur auf bestimmte Bereiche beziehen können. Die Nutzung der besonders stromverbrauchsintensiven Streamingdienste sei beispielsweise in letzter Zeit stark gestiegen, damit gingen also auch entsprechende hohe CO2- Emissionen in der Vergangenheit einher, was mittelfristig noch stärker ausgeprägt sein wird.
Auch Oboleszenz und Rebound-Effekte können sich negativ auswirken: Neue Technologien führen dazu, dass alte entsorgt werden, Beispiel Handys. Preisverfall führt zu mehr Konsum, das kann positiven Effekt der Effizienz aushebeln.
A1 will 2030 klimaneutral sein
Die IKT-Industrie kann außerdem einen unmittelbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie ihren Energie- und Ressourcenverbrauch senkt. Einen Aspekt, den die A1 Telekom Austria Group in ihren ESG-Zielen (Environment, Society, Governance) festgemacht hat: Bis 2030 sollen u.a. die CO₂-Emissionen durch Verringerung des eigenen CO₂-Fußabdrucks und einen schrittweisen Umstieg auf Energie aus erneuerbaren Quellen auf netto null gesetzt werden.
"Unser Ziel ist es, ab 2030 CO₂-neutral zu sein. Wir sehen das nicht nur als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung, sondern auch als langfristigen Werttreiber, der durch geringeren Energieverbrauch wirtschaftliche Vorteile bringt und gleichzeitig Umweltbelastung und Kosten senkt", so Arnolder.
Konkret soll bei A1 beispielsweise die Möglichkeit der Verknüpfung von Daten in Echtzeit und die Vernetzung von zahllosen Geräten (Internet of things) für den Umwelt- und Klimaschutz nutzbar gemacht werden. Weltweit sind aktuell bereits über 20 Milliarden vernetzter Geräte im Einsatz. Der Anwendungsbereich reicht von intelligenten Stromnetzen über Smart Home bis hin zu smarter Verkehrs- und Logistiksteuerung.
Welche Technologien setzt A1 ein, um den Energie- vom Datenverbrauch zu entkoppeln?
Eine Vielzahl von Maßnahmen und Ideen würden bei A1 verfolgt, sagte Arnolder bei dem digitalen Pressegespräch. "Der größte Energiefaktor ist die Elektrizität, sie ist für 90 Prozent der Emissionen verantwortlich." Wo verfügbar, werde auf Grünstrom umgestellt.
Auf der Verbrauchsseite sei der größte Faktor das Mobilfunknetz, das 60 Prozent der Energie verbrauche. Hier werde mit verschiedenen Maßnahmen gearbeitet, um den Energieverbrauch zu verringern: Die Temperaturbereiche erweitern, in denen eine Kühlung anspringt, was zu weniger aktiver Kühlung und weniger Stromverbrauch führe, ebenso wie die Umstellung von aktiver auf passive Kühlung. Ebenso arbeite man daran, die Mobilfunkstationen nur dann mit voller Leistung laufen zu lassen, wenn Bedarf bei den Kunden vorhanden sei. Dies geschehe mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz, "die bei uns im Hause entwickelt wird und auf die wir sehr stolz sind."
Ein weiteres Feld seien Rechenzentren. Hier setze man u.a. auf den Umstieg auf energiesparendere Komponenten und eine gezieltere Lüftung insbesondere für die Server.
Detaillierte Infos zur Studie finden Sie auf der Website von EcoAustria
Fußnoten
(1) "Digitalisierung und Klimawandel: Hebeltechnologien, -anwendungen und Gesamteffekt der Digitalisierung auf die CO2 -Emissionen"
(2) Zur Einordnung der errechneten Größenordnungen der resultierenden CO2-Gesamtreduktionen von rund 7.09 Millionen Tonnen: Die durchschnittlichen Tonnen CO2 pro Kopf lagen in Österreich im Jahr 2019 bei rund 7.7 Tonnen. Demnach entspräche die für Österreich errechnete IKT-induzierte Gesamtreduktion von CO2- Emissionen im Zeitraum 2002–2019 rund 920.331 "Personen-CO2"-Verbrauchswerten im gesamten Zeitraum bzw. einem durchschnittlichen CO2-Verbrauch von rund 51.129 Personen pro Jahr.
Claudia Boss-Teichmann 13.05.2021

