
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier bei seiner Rede auf dem Gigabitgipfel am 14. Juli in Wiesbaden (Foto: Claudia Boss-Teichmann)
Gigabitgipfel Hessen: Telekom will 2 Millionen Haushalte in Hessen mit Glasfaser versorgen
Zuversicht, die Herausforderungen der Digitalisierung in Deutschland und speziell in Hessen zu bewältigen und die Freude über ein Live-Branchentreffen waren beim Gigabitgipfel Hessen 2021 am 14. Juli in Wiesbaden spürbar. Vor einem mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern voll besetzten Plenum – coronakonform mit Einzeltischen bestückt – eröffnete Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitales, die Veranstaltung. Der Kongress mit begleitender Fachmesse will Akteure für den Ausbau digitaler Infrastrukturen zusammenbringen und wird alljährlich vom Breitbandbüro Hessen ausgerichtet. Im Ausstellungsbereich präsentierten rund 50 Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen.
Zur Halbzeit der Legislaturperiode sah die Ministerin Hessen bei seiner Gigabitstrategie auf einem guten Weg, versprach aber "noch mehr Umsetzungstempo“ in der zweiten Hälfte. Zusätzlich zu den 270 Millionen für den Breitbandausbau will das Land Hessen mit einem eigenen Förderprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro Funklöcher stopfen.
Gigabitstrategie Hessens
Die Gigabitstrategie des Bundeslandes sieht bis 2030 eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen (/FTTH/B) vor. Als Zwischenschritt ist eine gigabitfähige Anbindung bis 2025 vorgesehen, wobei durch Weiterentwicklung der bestehenden HFC-Netze und einen ergänzenden FTTB/H-Ausbau erreicht werden soll. Gewerbestandorte und sozioökonomische Einrichtungen sollen dabei prioritär behandelt werden, Schulen in Hessen sollen bis 2022 gigabitfähig angeschlossen werden.
Trotz der Erfolge: "Die Herausforderung ist gewaltig", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier in seiner Ansprache. Dem dynamischen und globalen Megatrend Digitalisierung könne sich niemand entziehen. Die Herausforderung richte sich an die gesamte Gesellschaft und an die Politik und lasse sich nicht mit "gewohnten Verfahren und Denkweisen" lösen. Bouffier zeigte sich sehr zuversichtlich, denn Deutschland habe in der Corona-Pandemie bewiesen, dass in sehr kurzer Zeit viele Probleme gelöst werden konnten, auch mit Hilfe der Digitalisierung.
Die Einführung eines Digitalministeriums in Hessen 2019 habe sich sehr bewährt, da die Aufgaben hier querschnittartig betrachtet würden und nicht zuletzt dort auch über Budgets für Digitalprojekte entschieden werde.
Nur Hochzeiten sind in Estland noch nicht digitalisiert
In seiner Keynote berichtete Telekom-CEO Timotheus Höttges von seinem Besuch in Estland, dem "gelobten Land der Digitalisierung" in Europa, was Replik auf die von Bouffier hervorgehobenen Erfolge bei der Digitalisierung verstanden werden konnte. In Estland sind laut Höttges 99 Prozent aller Verwaltungsdienste digitalisiert. Warum nicht 100 Prozent? "Hochzeiten sind der einzige Dienst, der mit persönlicher Anwesenheit durchgeführt wird", sagte er. In Estland sei der Staat der Leitnachfrager für Digitalisierung, 1.100 Start-ups seien im digitalen Umfeld geschaffen worden, ein extrem hoher Anteil bei einer Bevölkerung von rund 1,3 Millionen.
Eine hohe Bandbreite sei für die Bürgerdienste nicht nötig – der Durchschnitt in Estland betrage 81,2 Mbit/s und nur 20 Prozent der Esten nutzten Bandbreiten über 100 Mbit/s. Höttges folgerte: "Die Infrastruktur in Deutschland ist nicht der Grund dafür, dass Verwaltungsdienste noch nicht digitalisiert sind."
Telekom will 2 Millionen Haushalte in Hessen mit Glasfaser versorgen
Allerdings gelte auch: Keine Digitalisierung ohne Infrastruktur. Und die Telekom wolle in den nächsten Jahren noch mehr in Deutschland investieren: Die 5,5 Milliarden, welche die Telekom pro Jahr hier investiert, sollen auf 6 Milliarden erhöht werden. Im Bundesland Hessen wolle die Telekom 2 Millionen Haushalte in den nächsten drei Jahren mit FTTH versorgen.
Auch wenn jetzt der Fokus auf dem Glasfaserausbau liege, sei der Ausbau mit Vektoring und Super-Vektoring richtig gewesen, sagte der Telekom-CEO: "Dadurch war Deutschland in der Krise handlungsfähig." 93 Prozent aller Haushalte seien heute damit versorgt.
Claudia Boss-Teichmann 15.07.2021

