ANZEIGE

Die Telekommunikationsanbieter arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Netze in den Hochwassergebieten möglichst schnell wieder aufzubauen (Foto: Telefónica)

Hochwasserkatastrophe: Netze werden in den der betroffenen Gebieten rasch wiederhergestellt

In den Überschwemmungsgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist das Mobilfunknetz in den vergangenen Tagen vielerorts beeinträchtigt worden und teilweise sogar komplett ausgefallen. Wir haben bei den Anbietern den aktuellen Stand des Wiederaufbaus abgefragt.

Telekom baut Richtfunkstrecke auf

Mehr als 86 Prozent der ausgefallenen Mobilfunkstandorte in den Hochwassergebieten sind wieder am Netz, teilte Telekom-Sprecherin Martina Weidmann auf Nachfrage von Cable!vision-Europe mit. In diesen Orten sei eine Grundversorgung mit Mobilfunk wieder gewährleistet und höhere Kapazitäten würden sukzessive folgen. "Doch es gibt Mobilfunkstandorte und Kabel, an die wir für die Reparatur noch nicht herankommen oder aus Gefahrengründen nicht herandürfen", heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens.

Im Mobilfunknetz der Telekom waren 300 Standorte direkt nach dem Unwetter in den Krisenregionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgefallen. 160 konnten schnell entstört werden. 133 Standorte waren stärker betroffen.

Die Technikteams arbeiten mit Hochdruck daran, auch die aktuell noch nicht wieder angebundenen Gebiete anzuschließen. Ziel ist es, möglichst die bestehende Infrastruktur an den vorhandenen Standorten und Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen, weil dies oft die schnellste Möglichkeit ist. Wo das aufgrund der heftigen Zerstörung nicht möglich ist, kommen auch mobile Stationen und Richtfunkanbindungen zum Einsatz. Hauptprobleme bleiben aktuell die fehlende Stromversorgung und die Erreichbarkeit der Standorte.

Der Mobilfunk-Standort Altenahr 3 war bisher mit Glasfaser angebunden. Die Zuleitung ist zerstört. "Wir bauen eine Richtfunkstrecke auf, um den Standort wieder ans Netz zu bekommen", sagt Martina Weidmann. Wieder am Netz dagegen sind beispielsweise Altenahr 2, Altenahr 40, Flerzheim 10, Hohenlimburg-Nahmer 8 und Hagen-Marktbrücke sowie Bad Neuenahr (3), Ahrbrück, Mayschoß & Dernau.

Telefónica setzt Notstromaggregate ein

Auch Telefónica gibt an, dass die Hochwasserkatastrophe zu massiven Ausfällen der Stromversorgung geführt und damit auch die Funktion des Mobilfunknetzes beeinträchtigt hat. "Annähernd alle unsere ausgefallenen Anlagen sind technisch intakt, es fehlte vorwiegend die Energieversorgung. Dies bedauern wir sehr. In Gebieten, die weiterhin vom Stromnetz abgeschnitten sind, setzen wir Notstromaggregate ein, um unsere Mobilfunkmasten mit Elektrizität versorgen zu können", sagt Telefónica-Sprecher Jörg Borm. Alle verfügbaren Kräfte seien rund um die Uhr im Einsatz, um die gewohnte Mobilfunkversorgung schnellstmöglich wieder herzustellen. Borm: "Inzwischen konnten wir annähernd 85 Prozent unserer Standorte im Katastrophengebiet wieder ans Netz bringen." Allein am 21. Juli seien weitere zehn Anlagen im schwer von der Flut getroffenen Ahrtal wieder einschalten worden. Zusätzlich wurden am vergangenen Freitag mobile Basisstationen in besonders stark betroffene Orte verlegt, um auch dort die Mobilfunkversorgung sicherzustellen.

Vodafone ist offen für ein regionales Roaming im Krisengebiet

Auch die Vodafone-Techniker haben in den Hochwasser-Katastrophengebieten in NRW und Rheinland-Pfalz seit vergangenem Donnerstag zahlreiche Mobilfunk-Stationen wieder aktivieren können. Am 21. Juli funkten in den Krisenregionen wieder mehr als 90 Prozent der Standorte. Einige sind jedoch nach wie vor vom Netz. Entweder weil diese Standorte vom Hochwasser stark beschädigt oder völlig zerstört wurden.

Um dennoch zeitnah vielen Kundinnen und Kunden das Netz zurückzubringen, hat Vodafone bereits rund 200 funktionierende Stationen neu justiert und so deren Reichweite deutlich erhöht. Sie funken jetzt auch in Gebiete, deren Stationen vom Hochwasser zerstört wurden und liefern dort eine LTE- und GSM-Basisversorgung. "Damit haben wir den Anteil der Mobilfunk-Kunden ohne Netz rasch deutlich senken können. Derzeit haben in den Katastrophengebieten mehr als 97 Prozent aller Kunden wieder Basis-Empfang – weniger als drei Prozent aller Kunden haben noch kein Netz", teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Um auch dort rasch eine Versorgung herzustellen, arbeiten Netz-Spezialisten von Vodafone rund um die Uhr, um Standorte wieder zum Laufen zu bringen. Zudem bringen sie derzeit so genannte mobile Basisstationen auf Spezial-Transportern ins Krisengebiet. Zugleich unterstützt Vodafone vor Ort mit Instant Network Teams, die Mini-Mobilfunknetze via Satellit für die Menschen aufspannt.

An insgesamt 25 Standorten arbeiten Vodafone-Spezialisten derzeit mit höchster Priorität. Wenn diese Stationen wieder am Netz sind – möglichst im Laufe dieser Woche – hofft der Düsseldorfer Digitalisierungskonzern, im gesamten Katastrophengebiet wieder eine Grundversorgung hergestellt zu haben. Den Kunden im Katastrophengebiet bucht Vodafone zudem als Soforthilfe 100 Gigabyte Datenvolumen auf ihre Handys. Damit sie – wo das Festnetz zerstört wurde und Vodafones Mobilfunknetz vorhanden ist oder es gerade repariert wurde – ausreichend surfen und telefonieren können.

Ferner teilte Vodafone mit, für ein regionales Roaming im Krisengebiet grundsätzlich offen zu sein. Allerdings brauche es die Zusammenarbeit aller drei Netzbetreiber, um das zu ermöglichen. Aber: "Die gemeinsame technische Umsetzung ist komplex und würde Zeit in Anspruch nehmen. Die Reparaturen beschädigter oder zerstörter Mobilfunk-Stationen schreitet bei allen Anbietern schnell voran, so dass es fraglich ist, ob ein dann aktiviertes Roaming noch helfen würde", so der Düsseldorfer Anbieter. Zudem müsste analysiert werden, ob die Kapazität der einzelnen Funkzellen für Kunden von gleich drei Netzbetreibern ausreichen würde. Dort, wo der Strom vollständig ausgefallen ist, kann keiner der drei Anbieter Empfang bieten – und somit auch kein regionales Roaming.
 

Weitere Webseiten