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Vier Vorstandsvorsitzende von großen europäischen Telko-Konzernen, darunter auch Tim Höttges von der Deutschen Telekom, fordern, dass sich Big-Data-Konzerne stärker an den Kosten des Netzausbaus beteiligen (Foto: Deutsche Telekom)

Appell europäischer Telkos: OTT-Anbieter stärker an Kosten des Netzausbaus beteiligen

Die Vorstandsvorsitzenden der vier großen europäischen Telekommunikations-Unternehmen Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange1 haben an die Europäische Union appelliert, Regelungen einzuführen, die für eine andere Lastenverteilung beim Netzausbau in Europa sorgen. Denn aus Sicht der vier Unternehmen ist der Beitrag, den die großen großen Big-Tech-Konzerne aus den USA zum Netzausbau leisten, marginal. Sie seien aber für den Großteil des Datenverkehrs in den EU-Netzen verantwortlich.

70 Prozent des Datenverkehrs von großen Plattformen verursacht

Angesichts der rasant wachsenden digitalen Aktivitäten sei Konnektivität für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und letztlich unseren Alltag unverzichtbar. Der Datenverkehr, der jährlich um bis zu 50 Prozent zunehme, sei die entscheidende Determinante für die Größe und Kapazität der Netzwerke, heißt es in dem Aufruf. Telekommunikationsbetreiber hätten massiv investiert, um ihre Netzwerkinfrastruktur aufzurüsten und die Kapazität zu erhöhen.

Jetzt müsse die Investitionslast aber verhältnismäßiger verteilt werden: Video-Streaming, Spiele und soziale Medien, die von einigen wenigen Plattformen stammen, würden über 70 Prozent des gesamten Datenverkehrs ausmachen. Digitale Plattformen würden von zu geringen Kosten von hyperskalierenden Geschäftsmodellen profitieren, während Netzbetreiber die erforderlichen Investitionen in die Konnektivität schultern würden.

Telkos sehen weiteren Ausbau der Netze in Gefahr

Aufgrund ihrer starken Marktstellung, asymmetrischen Verhandlungsmacht und fehlender regulatorischer Rahmenbedingungen sehen sich die Netzbetreiber derzeit nicht in der Lage, faire Bedingungen mit den großen Plattformen auszuhandeln. Mit ihren sehr bedeutenden Investitionen könnten sie keine rentable Rendite erzielen, wodurch die weitere Entwicklung der Infrastruktur gefährdet sei.

In dem Appell wird angeführt, dass es in anderen Ländern bereits Anzeichen für Veränderungen gebe: Südkorea diskutiert über ein nationales Gesetz, um regulatorische Rahmenbedingungen für einen gerechteren Beitrag zu den Netzkosten zu schaffen. Dies folgt auf laufende Rechtsstreitigkeiten nach dem Anstieg des Datenverkehrs, der durch die Serie "Squid Game" ausgelöst wurde. Und in den USA bewegen sich die politischen Entscheidungsträger in Richtung Universaldienst, der auch von digitalen Plattformen finanziert wird.

Bedingung um "grüne Konnektivität und digitale Technologien zu beschleunigen"

Solch gemeinsamen Investitionen sind für die Unterzeichner des Appells auch von entscheidender Bedeutung, um grüne Konnektivität und digitale Technologien zu beschleunigen, Europas internationale grüne Führungsrolle zu stärken und grüne Arbeitsplätze voranzutreiben. Ohne einen "Preis" für die ausgestrahlten Daten bliebe der Anreiz für große Inhalteanbieter, ihren Datenverkehr zu optimieren, gering.

EU soll Regelungen schaffen

Abschließend heißt es: "Wir begrüßen sehr die jüngste Zusage der Europäischen Kommission, angemessene Rahmenbedingungen zu entwickeln, damit 'alle Marktteilnehmer, die von der digitalen Transformation profitieren (…) einen fairen und angemessenen Beitrag zu den Kosten öffentlicher Güter, Dienstleistungen und Infrastrukturen leisten'. Wir fordern den Gesetzgeber jetzt dringend auf, Regelungen auf EU-Ebene einzuführen, um diesen Grundsatz Wirklichkeit werden zu lassen. Die Uhr tickt laut, insbesondere angesichts der enormen Investitionen, die noch erforderlich sind, um die Konnektivitätsziele für 2030 zu erreichen, die die Europäische Kommission in ihrer Mitteilung zum europäischen digitalen Jahrzehnt festgelegt hat. Ohne eine gerechte Lösung werden wir das nicht erreichen."

1 José María Álvarez-Pallete López, Vorstandsvorsitzender und CEO, Telefónica; Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Telekom; Nick Read, CEO von Vodafone; Stéphane Richard, Präsident und CEO, Orange.

 

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