
Vincent Garnier, Generaldirektor des FTTH Council, freut sich auf die physische FTTH Conference in Wien. Nach dieser besteht schon jetzt eine große Nachfrage. (Foto: FTTH Council)
„FTTH-Ausbau in Europa hat sich in den letzten zwei Jahren stark beschleunigt“
Im Vorfeld der FTTH Conference (23.–25. Mai 2022, Wien) gibt Vincent Garnier, Generaldirektor des FTTH Councils Europe, im Interview einen Überblick über den Status quo des Glasfaserausbaus in Europe. Für die Zukunft stimmen ihn auch die Weichenstellungen in der EU zur Umsetzung der „Digitalen Agenda“ zuversichtlich.
1 State of Fibre: updated Market Forecasts 2021–2026
3 5G and FTTH: The Value of Convergence, by Comsof für the FTTH Council Europe
https://www.ftthcouncil.eu/Portals/1/COM-190313-FibreFor5G-ConvergenceStudy-Presentation-RafMeersman%20-%20v4%20-%20publish.pdf?ver=8nG6ZHStrYoQtcqO91jYjA%3d%3d
3 Fragen an Vincent Garnier
COVID-19 wirkte sich weltweit und in Europa auf die Wirtschaft aus – sind die Gesamtauswirkungen auf die FTTH/B-Bereitstellung in Europa eher positiv oder negativ?
Trotz einiger begrenzter negativer Auswirkungen während strikter Lockdown-Perioden hat sich der FTTH-Ausbau in den letzten zwei Jahren beschleunigt. Während der Pandemie stieg die Nachfrage nach Konnektivität, doch die Endnutzer erkannten, dass eine beliebige Konnektivität ihren Anforderungen nicht entsprechen würde. Sie fragten daher vermehrt eine zuverlässige ultraschnelle Konnektivität nach, die nur von einer robusten digitalen Infrastruktur wie Glasfaser bereitgestellt werden kann. Unser jüngster Bericht1 über den Stand des Glasfaserausbau zeigt einen sehr deutlichen Anstieg der Take-up-Rate zwischen 2020 und 2021 als Folge der Pandemie. Dieser Anstieg der Nachfrage nach echter Glasfaser beschleunigte wiederum Investitionen und wirkte sich somit positiv auf den Ausbau aus.
Welche Folgen der COVID-19-Pandemie werden sich über die Pandemiephase hinaus auf den Glasfaserausbau auswirken?
Wir stellen fest, dass die Pandemie der Auslöser für Endnutzer (Bürger und Unternehmen) war, die Bedeutung einer ultraschnellen und zuverlässigen Verbindung zu erkennen. Wir glauben, dass die Nachfrage nach der Pandemie weiter steigen wird und dass in fünf Jahren in 86 Prozent des europäischen Gebiets Glasfaser verlegt sein wird.2
Im Hinblick auf öffentliche Investitionen hat die Pandemie die Schaffung des Aufbau- und Resilienzplans der Europäischen Union (Recovery and Resilience Facility, RRF) gefördert, der darauf abzielt, die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzumildern. Bedingung für die Mittelvergabe ist, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Kommission Pläne vorlegen, um die europäischen Volkswirtschaften und Gesellschaften nachhaltiger, widerstandsfähiger und besser auf die Herausforderungen und Chancen des grünen und digitalen Wandels vorzubereiten. Es stehen 723,8 Mrd. Euro an Darlehen (385,8 Mrd. Euro) und Zuschüssen (338 Mrd. Euro) zur Verfügung, um Reformen und Investitionen der Mitgliedstaaten zu unterstützen. Eines der Ziele der Mitgliedsstaaten sollte sein, eine umfassende 5G- und Glasfaserversorgung zu erreichen. Die Europäische Kommission wird die nationalen Pläne anhand der Zielvorgaben, 37 Prozent der Ausgaben für Klimainvestitionen und 20 Prozent zur Förderung des digitalen Wandels zu verwenden, bewerten.Glasfaserverbindungen sind eine Voraussetzung für 5G. Was sollten Netzbetreiber beim Glasfaserausbau beachten, damit 5G-Antennen problemlos ans Festnetz angeschlossen werden können?
Glasfaser und 5G sind in der Tat zwei sich ergänzende Lösungen. Mobile Technologien wie 5G werden sich mehr und mehr auf eine sehr starke Glasfaser-Backhaul-Infrastruktur stützen, da diese zur Auslagerung der exponentiell wachsenden Datenmenge nötig sein wird, die über die Mobilfunknetze zirkuliert. (…) Eine aktualisierte Studie3 hat gezeigt, dass die Kosten für ein FTT-5G-Netz, wenn es auf einem FTTH-Netz mit begrenzter oder keiner Reservekapazität aufgebaut wird, 2- bis 3,5-mal höher sind als bei ausreichender Reservekapazität.Lesen Sie das vollständige Interview mit Vincent Garnier in der nächsten Ausgabe von Cable!vision Europe. Sie erscheint am 22. März 2022.
Anmeldemöglichkeit für die FTTH Conference mit Rabatt für Cable!vision-Partner
Die ursprünglich für Ende März in Wien geplante FTTH Conference 2022 wurde wegen der Coronapandemie auf den 23. bis 25. Mai 2022 verschoben. Die Nachfrage bei Ausstellern und Besuchern sei bisher sehr groß und man sei daher sehr zuversichtlich, Ende Mai eine erfolgreiche Konferenz durchführen zu können, so das FTTH Council.
Cable!vision Europe ist auch dieses Jahr wieder Medienpartner der FTTH Conference. Wir freuen uns, unseren Partnern einen Rabatt von 20 Prozent auf den Ein- und Drei-Tages-Pass für Teilnehmer anbieten zu können. Schicken Sie uns eine Mail unter redaktion@cablevision-europe.de, um Ihren Zugangscode zu erhalten.
Fußnoten
www.ftthcouncil.eu/knowledge-centre/all-publications-and-assets/246/ftth-forecast-for-europe-market-forecasts-2021-2026
2 Siehe Fußnote 1
https://www.ftthcouncil.eu/Portals/1/COM-190313-FibreFor5G-ConvergenceStudy-Presentation-RafMeersman%20-%20v4%20-%20publish.pdf?ver=8nG6ZHStrYoQtcqO91jYjA%3d%3d
Claudia Boss-Teichmann 01.03.2022

