
ANGA-Vizepräsident Timo von Lepel eröffnete die Kongressmesse (Foto: ANGA)
ANGA COM 2022: „Hier werden die 50 Milliarden Euro verhandelt“
Zum ersten Mal seit 2019 öffnete die ANGA COM wieder ihre Pforten für die Telekommunikations- und Medienbranche. Timo von Lepel, Vizepräsident des veranstaltenden Breitbandverbands ANGA, unterstrich gleich zu Beginn die Bedeutung der Messe. "Hier werden die 50 Milliarden Euro verhandelt", sagte von Lepel und meinte damit die angekündigten Summen, die private Investoren in den Glasfaserausbau stecken wollen.
Auf dem Digitalgipfel forderte Thorsten Dirks, CEO der Deutschen Glasfaser, dass diese Summe nun auch schnell verbaut werden müsse. Dafür müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen. Und hier setzt die Kritik an. "Es sind 21 Genehmigungen notwendig, um eine Straße zu bebauen", wies Telekom-Deutschland-Chef Srini Gopalan auf zu viel Bürokratie hin. Dirks forderte darüber hinaus, dass Bauverfahren vereinheitlich werden müssten. "Es kann nicht sein, dass alle Verfahren stillstehen, nur weil es ein Bauamtsleiter so will", klagte der Deutsche-Glasfaser-CEO auf der ANGA COM.
Käfer ist kein Porsche
Uneins waren sich die Teilnehmer des Digitalgipfels beim Thema Infrastrukturwettbewerb. Während Dirks den Wettbewerb auf anstatt um die Netze forderte und von Lepel sogar bereit wäre, seine FTTC-Kunden auf ein FTTH-Netz zu migrieren, wenn sein Netz überbaut würde, sehen die Telekom und Vodafone keinen Grund, der gegen den Wettbewerb der Infrastrukturen spricht. "Der Wettbewerb zwischen den Netzen existiert", sagte Andreas Laukenmann, Geschäftsführer Privatkunden bei Vodafone Deutschland – zumindest in den Städten. "!Warum sollten wir ihn dort einstellen?"
Laukenmann ergänzte, dass es Vodafone geschafft habe, 24 Millionen Haushalte gigabit-fähig zu machen. Ein entsprechender Glasfaserausbau hätte länger gedauert. „Man kann auf einen Käfer Gigabit schreiben, aber dann wird daraus noch lange keine Porsche", kritisierte hingegen von Lepel. Er wünschte sich von Vodafone ein klares Signal pro Glasfaserausbau.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 13.05.2022

