
Diskussionsrunde auf dem Panel „Smart Networks: Neue Investoren und ihre Ausbaupläne“ (Foto: MH Media)
ANGA COM 2022: Gigabit-Strategie noch vor der Sommerpause
Noch vor der politischen Sommerpause soll die Gigabit-Strategie des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) stehen. Das sagte Deutsche-Glasfaser-CEO Thorsten Dirks auf der ANGA COM. "Die Politik muss in die Hufe kommen", drückte Dirks aufs Tempo. Immerhin: Inzwischen spricht der Bund auch mit Vertretern aus der Branche und nicht nur ausschließlich mit den Ländern, wenn es um die Verzahnung von eigenwirtschaftlichen und geförderten Glasfaserausbau geht.
Klare Ansagen vom BMDV gefordert
Es fehlt aber noch an klaren Ansagen des BMDV, wie auf den Panels der ANGA COM verschiedentlich kritisiert wurde. "Wir haben ein System in Deutschland, dass dümmer ist als jede Planwirtschaft", nahm Jürgen Grützner, Mit-Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), kein Blatt vor dem Mund. Es brauche klare Ansagen, wer wann ins Markterkundungsverfahren eintreten darf, sagte Grützner.
"Dass Bürgermeister glauben, sie könnten gefördert schneller ausbauen als privat, sorgt für Diskussionen", sagte Jan Georg Budden, CEO der Deutschen GigaNetz. Tobias Miethaner forderte indes Verständnis für das Verhalten der Bürgermeister. "Es ist schwierig für einen Kommunalpolitiker, wenn ihm gesagt wird, warte ab, bis du an der Reihe bist", erklärte der Leiter der Abteilung Digitale Gesellschaft im BMDV. "Sie müssen für alle Bürger die Daseinsgrundversorgung sicherstellen." Der VATM will daher mit dem Vorschlag auf die Länder zugehen, in 50 Prozent der Fälle so auszubauen, wie es den Netzbetreibern am schnellsten gelingt, und in den anderen 50 Prozent der Fälle den geförderten Ausbau in Betracht zu ziehen.
Risiko: Investoren könnten Kapital zurückziehen
Die Branche ist sich einig: Unsichere Rahmenbedingungen erhöhen die Gefahr, dass private Investoren ihr Kapital aus dem Markt zurückziehen. Dazu trage laut Jürgen Hansjosten auch das Verhalten der Deutschen Telekom bei. Der CEO der Infrafibre Germany baut vornehmlich in ländlichen Regionen Glasfasernetze, wo die Telekom der klassische Wettbewerber ist. Doch wenn der ehemalige Staatskonzern die Netze überbaue, werde das Businessmodell unrentabel. So verschrecke man Investoren, mahnte Hansjosten auf der ANGA COM.
Neben sicheren Rahmenbedingungen müssen laut Marco Sick, CEO von Vattenfall Eurofiber, Genehmigungsverfahren beschleunigt, standardisiert und vereinfacht werden. Das Behörden zu langsam agieren, kritisierte auch Andrea Huber. "Wir bemühen uns seit zwei Jahren, einen DIN-Standard für mindertiefe Verlegemethoden zu erstellen", sagte die ANGA-Geschäftsführerin in Köln. Man darf gespannt sein, ob die Gigabit-Strategie des BMDV den Glasfaserausbau beschleunigen kann.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 13.05.2022

