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Das CEO-Panel mit (v.l.) Moderator Prof. Dr. Jens Böcker, Thorsten Dirks (Deutsche Glasfaser), Jens Prautzsch (Unsere Grüne Glasfaser), Soeren Wendler (Deutsche GigaNetz), Jürgen Hansjosten (InfraFibre Germany) und Stefan Holighaus (DNS:NET) (Foto: cbt)

fiberdays 22: Glasfaserbranche diskutiert über Gigabitstrategie

Mit den fiberdays 22 kehrte eine weitere Veranstaltung in die Messehallen zurück. 230 Unternehmen der Telekommunikations- und Digitalbranche präsentierten sich am 14. und 15. Juni im RheinMain CongressCenters in Wiesbaden. Als "Vertikalmesse, die Glasfaser in allen ihren Facetten" zeige, charakterisierte Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des Veranstalters Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) die fiberdays 22. Wichtig sei, dass neben den Vertretern der Branche, auch die der Politik anwesend seien, denn der Glasfaserausbau könne nur gemeinsam gelingen. Dialog und Vertrauen schaffe nur die persönliche Begegnung. Mit mehr als 5.500 Fachbesuchern hat die Messe nach Angaben des Veranstalters einen neuen Besucherrekord erreicht.


Moderator Prof. Dr. Jens Böcker mit Dr. Stephan Albers und Norbert Westfal (v.l.) (Foto: cbt)

"Größte Sorge ist das Ausufern von Förderprojekten"


Das Kongressprogramm prägten Diskussionen um die Gigabitstrategie der Bundesregierung. "Unser neuer Digitalminister hat das Ziel vorgegeben: flächendeckender, echter Glasfaserausbau in Deutschland bis 2030. Damit setzt die Bundespolitik auch auf die energieeffizienteste und damit ökologisch sinnvollste Infrastruktur. Wir sind hier auf den fiberdays 22, um gemeinsam mit der ganzen Branche den Glasfaserausbau in Deutschland weiter zu beschleunigen, natürlich mit klarem Schwerpunkt auf dem eigenwirtschaftlichen Ausbau. Unsere größte Sorge ist aktuell das Ausufern von Förderprojekten mit einer Flut von Markterkundungsverfahren, die den eigenwirtschaftlichen Ausbau ausbremsen.", sagte Norbert Westfal, Präsident des BREKO und Sprecher der Geschäftsführung der EWE TEL, in seinem Eröffnungstatement.

Auch in seiner Stellungnahme auf die Frage von Moderator Prof. Dr. Jens Böcker, welchen Beitrag die Politik für den Glasfaserausbau leisten solle, warnte Westfal vor einer falsch dosierten Förderung: Die Politik müsse für eine Gleichverteilung der Mittel bis 2030 sorgen, es müsse dosiert gefördert ausgebaut werden. Und die häufig geforderte Vereinfachung der Genehmigungsverfahren müsse jetzt endlich umgesetzt werden - wünschenswert seien einheitliche Verfahren in der ganzen Republik, so Westfal.

Die hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus stellte in ihrer Keynote die Gigabitstrategie ihres Bundeslandes vor, die bis 2030 FTTH für alle Haushalte vorsieht. Schon bis Ende 2022 sollen alle Schulen, Gewerbegebiete und Krankenhäuser gigabitfähig angeschlossen sein. Auch sie sagte, dass das Gigabitziel nur durch Zusammenarbeit aller Beteiligten zu erreichen sei und verwies auf entsprechende Projekte in Hessen wie den Glasfaserpakt mit den Kommunen und die Ausbauziele der Gigabitregion Frankfurt-Rhein-Main.


Die hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus
(Foto: cbt)

Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, betonte in ihrer Keynote die Wichtigkeit des flächendeckenden Ausbaus digitaler Infrastrukturen, der ländliche Räume lebenswert mache. Zur Gigabitstrategie, die Digitalminister Wissing bis zur Sommerpause vorlegen will, konnte sie erwartungsgemäß nichts Konkreteres sagen, was über die im März von ihrem Ministerium veröffentlichten "Eckpunkte zur Gigabitstrategie" hinausgeht. Sie stellte in Aussicht, dass nur noch ein Antrag für unterschiedliche Baumaßnahmen nötig sein solle und alternative Verlegemethoden ermöglicht werden sollten. Bedenken der Kommunen gegenüber diesen Methoden wolle man durch das Vorantreiben von Standardisierung und Normung und einen Haftungsfonds, der eventuelle Schäden übernehme, ausräumen.

"2030 langt nicht"


Kritischer als die Politikerinnen, die die Beschleunigung des Breitbandausbaus in Deutschland lobten, sah Kai Herzberger vom Facebook-Mutterkonzern Meta Platforms die Ausbaugeschwindigkeit in Deutschland: "2030 langt nicht", sagte er in seiner Keynote, "Wir müssen schneller werden". In China beispielsweise habe die Regierung das Metaversum zur Top-Priorität erklärt. Und hohe Bandbreiten sind nötig für das Zukunftsszenario Metaversum, dass nach Erwartung von Herzberger in gar nicht weiter Zukunft Realität werden wird. Es werde immersive Erfahrungen ermöglichen, bei denen die virtuelle und reale Welt miteinander verschmelzen sowie neue Kommunikationsformen und Geschäftsmodell hervorbringen.

CEO-Panel: Kein gegenseitiger Glasfaser-Überbau


Im CEO-Panel herrschte große Einigkeit. "Wir überbauen uns nicht gegenseitig mit Glasfaser", dazu bekannten sich Soeren Wendler (Deutsche GigaNetz), Thorsten Dirks (Deutsche Glasfaser), Stefan Holighaus (DNS:NET), Jürgen Hansjosten (InfraFibre Germany) und Jens Prautzsch (Unsere Grüne Glasfaser). Überbaut würden nur andere Infrastrukturen wie Kupfer. Und auch in ihren Befürchtungen, die Gigabitstrategie könne einen "Förder-Tsunami" hervorrufen, der Ressourcen verknappe, war man sich weitgehend einig. Kritisiert wurde, dass durch geförderten Ausbau eigenwirtschaftlich errichtete Glasfaserleitungen überbaut werden dürfen. Dies sei nicht sinnvoll und schmälere die Auslastung und die Rendite der Netze. Die Investoren, die hinter den Telekom-Konkurrenten stehen, würden dies mit Skepsis beobachten.

Dirks kritisierte deutlich das Wettbewerbsverhalten der Deutschen Telekom: Wenn diese den Zuschlag für den FTTH-Ausbau in einer Gemeinde nicht bekomme, setze sie den Bürgermeister mit der Ankündigung von weiteren Baumaßnahmen in einem Jahr unter Druck. Dieses Spiel solle der Marktführer "endlich beenden", sagte der CEO von Deutsche Glasfaser.

Vier bis fünf Millionen Anschlüsse pro Jahr


Auf die Frage des Moderators Prof. Dr. Jens Böcker nach einer Prognose zum Stand des Glasfaserausbaus 2025 rechnete einer der Panelisten vor: "Wir können vier bis fünf Millionen Anschlüsse im Jahr bauen. 2025 werden wir sehr viel weiter sein als heute, aber eben noch nicht fertig, sondern eher bei der Hälfte des Weges."


 

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