
Laut der aktuellen Marktanalyse des BREKO haben jetzt 26 Prozent der Haushalte in Deutschland einen Zugang zu einem Glasfaseranschluss (FTTH/B), jeder zweite Haushalt nutzt diesen auch (Grafik: BREKO)
Glasfaserausbau
Jeder vierte Haushalt in Deutschland hat Zugang zum Glasfasernetz
Glasfaser für alle bis 2030: Die Bundesregierung hat ihre Ziele für den flächendeckenden Ausbau der zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur in der Gigabitstrategie hoch gesteckt. Mit der BREKO-Marktanalyse 2022 hat der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) jetzt eine umfassende Gesamtmarktanalyse zur Entwicklung des Glasfaserausbaus in Deutschland und damit eine Wasserstandsmeldung zur Zielerreichung vorgelegt. Mit einer Glasfaserabdeckung von 26 Prozent (Stand 30. Juni 2022) ist ein erster Meilenstein geschafft. Dies entspricht einem Zuwachs von 4,4 Millionen auf insgesamt 12,7 Millionen Glasfaseranschlüsse deutschlandweit im Vergleich zu Ende 2020. Den größten Teil dieser Anschlüsse realisieren der Studie zufolge mit 8,8 Millionen und 71 Prozent die alternativen Netzbetreiber, also die Wettbewerber der Deutschen Telekom. Mit seinem Wachstum an Glasfaseranschlüssen liegt Deutschland jetzt europaweit auf dem dritten Platz nach Frankreich und Großbritannien. Die Investitionen in die digitale Infrastruktur sind im Jahr 2021 auf insgesamt 11 Milliarden Euro und damit wiederholt auf Rekordniveau gestiegen, wobei auf die Telekom-Konkurrenten Investitionen in Höhe von 6,5 Milliarden und damit von 59 Prozent des gesamten Investitionsvolumens entfiel.
"Deutschland hat im europäischen Vergleich den Anschluss gefunden"
Studienleiter Prof. Dr. Böcker sieht seit der letzten Erhebung der BREKO Marktanalyse im Juli 2021 signifikante Fortschritte beim Glasfaserausbau: "Ich freue mich, einen positiven Überblick zum Glasfaserausbau in Deutschland geben zu können, dessen Fortschritt für die Digitalisierung und damit auch für den Klima- und Umweltschutz von größter Bedeutung ist. Mit 4,4 Millionen neuen (Homes Passed) Glasfaseranschlüssen seit Ende 2020 haben die Netzbetreiber im Jahr 2021 und in der ersten Hälfte des Jahres 2022 das Ausbautempo forciert. Die Glasfaserquote steigt damit kontinuierlich – 26 Prozent, also jeder vierte deutsche Haushalt hat seit Mitte 2022 die Möglichkeit, auf hochleistungsfähige und zukunftssichere Glasfaseranschlüsse zuzugreifen. Ähnlich entwickelt sich auch die Nachfrage. Fast jeder zweite Haushalt, der einen Glasfaseranschluss buchen kann, nutzt bereits diese Chance. Der Nutzen von Glasfaser wird zunehmend erkannt und damit entwickelt sich diese Technologie immer mehr zum Standard. Diese Zahlen unterstreichen darüber hinaus, dass Deutschland im europäischen Vergleich Anschluss gefunden hat."
Risiken für den Ausbaufortschritt
Die Prognose für den weiteren Ausbau – und damit für die Zielerreichung der von der Bundesregierung gesetzten Glasfaserziele – ist zwar grundsätzlich positiv, bleibt allerdings risikobehaftet. Für das Jahr 2025, für das die Bunderegierung das Ziel ausgegeben hat, 50 Prozent der Haushalte und Unternehmen mit Glasfaser zu versorgen, prognostiziert die BREKO Marktanalyse 2022 eine Abdeckung von 40 bis 53 Prozent. Wie das Ergebnis letztendlich ausfällt, hängt mehr denn je von den politischen Rahmenbedingungen und der schwer abschätzbaren Entwicklung im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands in der Ukraine ab. Dazu BREKO-Präsident Norbert Westfal: "Die aktuell durch die weltpolitische Lage schwierige Situation betrifft auch die am Glasfaserausbau beteiligten Unternehmen. Preissteigerungen, Lieferengpässe und Fachkräftemangeltreffen nicht nur die Bürgerinnen und Bürger. Sie sind auch beim Ausbau deutlich spürbar."
Hoher Wettbewerbsdruck – Bedeutung von Open Access steigt
Die BREKO Marktanalyse zeigt: Die Bedeutung von Open-Access-Kooperationen, also die Öffnung des Glasfasernetzes eines ausbauenden Unternehmens zu fairen Bedingungen für andere Wettbewerber, nimmt an Fahrt auf. 81 Prozent der BREKO-Netzbetreiber bieten laut der Marktanalyse 2022 bereits Open Access an. Dazu BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers: "Wir erleben im Markt und mittlerweile auch innerhalb des BREKO einen intensiven Wettbewerb um die Ausbaugebiete. Wettbewerb belebt das Geschäft – das ist auf der einen Seite gut für den Ausbaufortschritt, auf der anderen Seite gilt es in dieser volkswirtschaftlich angespannten Phase mehr denn je, nachhaltig auszubauen, Überbau zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Open Access bietet dafür eine Lösung. Über 80 Prozent der BREKO-Unternehmen öffnen ihre Netze bereits für Wettbewerber und 23 Prozent der Glasfaseranschlüsse der BREKO-Netzbetreiber werden schon jetzt über Open Access-Partner vermarktet. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken."
Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen steigt
Vor dem Hintergrund des weiter steigenden Datenverbrauchs wird der "echte Glasfaseranschluss" (Glasfaser bis in die Gebäude und Wohnungen) immer mehr zum Standard. Im Vergleich mit anderen Internet-Anschlüssen verzeichnet die Buchung von Glasfaseranschlüssen (Homes Activated) ein überproportionales Wachstum, die Buchung von Kabelanschlüssen stagniert hingegen.
Rund die Hälfte der Nutzer, die bereits an das Glasfasernetz angeschlossen sind, buchten im Jahr 2021 auch einen Internet-Tarif über einen Glasfaseranschluss. Das zeigt die sogenannte Take-up-Rate, die aus dem Verhältnis der angeschlossenen Nutzer ("Homes Connected") zu den geschlossenen Verträgen ("Homes Activated") berechnet wird. Sie liegt bis Mitte 2022 bei 47 Prozent. Über 1,4 Millionen Kunden buchen bereits einen Anschluss mit einer Bitrate von 1 Gbit/s oder mehr.
Schleswig-Holstein weiter Spitzenreiter
Unangefochten an der Spitze beim Stand des Glasfaserausbaus in den Bundesländern steht Schleswig-Holstein. Mit einer Glasfaserquote von 61 Prozent liegt das „Glasfaser-Bundesland“ knapp vor Hamburg mit einer Glasfaserabdeckung von 59 Prozent. Sachsen-Anhalt liegt mit 33 Prozent auf dem dritten Rang. Bundesweit sind zwischen den Bundesländern starke Unterschiede beim Ausbaustand zu beobachten, was neben den regionalen Besonderheiten vor allem auf die stark variierenden Rahmendbedingungen in den Ländern zurückzuführen ist. Das Schlusslicht bildet mit einer Glasfaserabdeckung von 10 Prozent Berlin.
Über die Marktanalyse
Neben Daten von über 230 im BREKO organisierten Netzbetreibern stützt sich die BREKO Marktanalyse 2022 auf Ausbauzahlen aller relevanter, am Glasfaserausbau in Deutschland beteiligter, Unternehmen. Neu ist in diesem Jahr die Erhebung von Ausbauzahlen der ersten beiden Quartale im Veröffentlichungsjahr der Studie sowie die Angabe von Glasfaserzahlen für die deutschen Bundesländer.
Claudia Boss-Teichmann 06.09.2022

