Startschuss für das "ruhrfibre"-Projekt in Essen: Die Stadt Essen will den Ausbau des Glasfasernetzes im Stadtgebiet vorantreiben. Der Anteil an Glasfaseranschlüssen ist in
Essen bisher unterrepräsentiert, nur sechs Prozent der Privathaushalte und acht Prozent der gewerblichen Adressen sind derzeit an das Glasfasernetz angeschlossen. Im März hatte der Rat der Stadt Essen der Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft mit dem Projektentwickler metrofibre zugestimmt, um ein integriertes Glasfasernetz zu erschließen. Der Vertrag konnte inzwischen geschlossen werden, damit geht das Projekt "ruhrfibre" nun offiziell an den Start.
Auch die Deutsche Telekom ist in der Ruhrmetropole aktiv: Im März hatte sie angekündigt, dort bis 2026 250.000 Glasfaseranschlüsse bauen zu wollen
(CVE Online vom 30.03.2022).
Partnerschaften zwischen Städten, Investoren und Projektentwicklungsexperten
Der Projektentwickler
metrofibre will den Glasfaserausbau in Deutschland über Partnerschaften zwischen Städten, Investoren und Projektentwicklungsexperten beschleunigen – privatwirtschaftlich finanziert, ohne den Einsatz von öffentlichen Geldern. metrofibre wird von den Telekommunikationsexperten Arndt Rautenberg, Dr. Hai Cheng und Andreas Kindt geleitet. Hinter dem Unternehmen steht der Infrastruktur-Investor DIF Capital Partners. Kern des Konzepts ist ein Open Dark Fibre-Glasfasernetz, das Internet Service Provider als offene Infrastruktur pachten können. metrofibre kündigt an, das Netz als hochleistungsfähige P2P(Punkt zu Punkt)-Architektur zu errichten.
Im Zuge des "ruhrfibre"-Projekts sollen in Essen rund 150.000 Haushalte sowie Unternehmen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen in den kommenden drei Jahren Zugang zum Glasfasernetz von ruhrfibre bekommen. "Der Glasfaserausbau in Deutschland geht viel zu schleppend voran", bemängelt Arndt Rautenberg, Vorsitzender des Beirats und Mitgründer von metrofibre und ergänzt: "Dass wir mit einer Anschlussquote von 7,1 Prozent zu den Schlusslichtern der OECD gehören, ist bekannt. Staatliche Subventionen führen dabei zu der absurden Situation, dass viele Dörfer etwa in Schleswig-Holstein oder in Bayern bald eine höhere FTTH-Anschlussquote aufweisen als die meisten Großstädte. Das wollen wir ändern."
metrofibre erläutert sein Konzept so: Basis sind Joint-Ventures zwischen Städten, Investoren und metrofibre als Projektentwicklungsgesellschaft. Kommunen sichern sich über eine Beteiligung Mitspracherechte bei den Ausbauplänen, die Finanzierung erfolgt privatwirtschaftlich, metrofibre koordiniert den Netzausbau, vermarktet und vertreibt die passive Infrastruktur an Internet Service Provider. Diese schalten ihre eigene Aktivtechnik auf, sorgen für die notwendige Backbone-Anbindung und stellen auf dieser Basis die Internetprodukte für die Kunden bereit. Den Betrieb des passiven Netzes übernimmt metrofibre. Aufgabe der ISPs ist es, die eigene Aktivtechnik zu überwachen und deren Betrieb sicherzustellen.
Erstes Projekt "ruhrfibre" mit der Stadt Essen und DIF Capital Partners gestartet
Mit ruhrfibre ist jetzt das erste metrofibre-Projekt an den Start gegangen. Am 23. November 2022 haben die Projektentwicklungsgesellschaft metrofibre, der global aktive Infrastrukturinvestor DIF Capital Partners und die Stadt Essen offiziell den Vertrag für ihre Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Stadt Essen ist über ihre Tochter, die Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft GmbH (EVV), an der Netzgesellschaft ruhrfibre beteiligt. Rund 150.000 Haushalte sowie Unternehmen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen sollen in den kommenden drei Jahren in der Ruhrmetropole Zugang zum Glasfasernetz bekommen. Der Stadt Essen ist es dabei wichtig, dass nicht nur wirtschaftlich attraktive Stadtteile ans schnelle Internet angeschlossen werden, sondern das Hochgeschwindigkeitsnetz möglichst flächendeckend verlegt wird. Der Glasfaserausbau erfolgt in enger Kooperation mit Stadt und kommunalen Unternehmen, um bestehende Infrastrukturen wie Leerrohrtrassen, Abwasserkanäle und U-Bahnschächte sinnvoll zu nutzen und Baustellen zu vermeiden. Der Baustart ist für das Frühjahr 2023 vorgesehen.
"Für den urbanen Netzausbau ist das Partnerschaftsmodell von metrofibre einzigartig"
"Wir übernehmen die gesamte Steuerung und Koordination entlang der Wertschöpfungskette von der Beschaffung eines Investors über die Verlegung der Glasfaserkabel in den Netzebenen 3 und 4. Das beschleunigt den Ausbau, entlastet die städtischen Haushalte und garantiert einen reibungslosen Ablauf", erklärt Christopher Rautenberg, Geschäftsführer und Mitgründer von metrofibre. Ein P2P-Netz mit mindestens einem dedizierten Glasfaserpaar pro Haushalt, das ausschließlich von diesem genutzt wird – das gehört zum metrofibre-Standard. Denn es braucht perspektivisch viel höhere und symmetrische Bandbreite für den Transport stetig wachsender Datenmengen – in Privathaushalten ebenso wie in Unternehmen oder Einrichtungen jeder Art. „Für den urbanen Netzausbau ist das Partnerschaftsmodell von metrofibre einzigartig“, ergänzt Dr. Hai Cheng, ebenfalls Mitgründer und Beiratsmitglied von metrofibre. "Ebenso neu ist, dass wir uns auf urbane Räume und die grauen bzw. dunkelgrauen Flecken in Deutschland fokussieren und dort passive Open Dark Fibre Netze aufbauen – ohne eigene Endprodukte und nach dem klaren Prinzip "Wholesale only"." Der Infrastruktur- und Netzexperte Cheng gründete Anfang der 2000er Jahre das Unternehmen Tropolys, das er auf- und ausbaute und 2005 an die Versatel AG verkaufte. Dort war er bis 2012 Technik-Vorstand.