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Liberty Networks Germany hat nach Angaben von Geschäftsführer Dr. Christian Böing einen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt (Foto: Liberty Networks Germany)

Insolvenz

Liberty-Tochter helloFiber zieht sich aus Glasfasermarkt zurück

Der zu Liberty Networks Germany gehörende Anbieter helloFiber stoppt mit sofortiger Wirkung den Glasfaserausbau in Deutschland und zieht sich aus dem Markt zurück. Das bestätigte Geschäftsführer Dr. Christian Böing gegenüber Cable!vision Europe.

"Geänderte Rahmenbedingungen"

Gründe für die Entscheidung seien die "geänderten makroökonomischen Rahmenbedingungen", sagte Böing und nannte Inflation, Zinshöhe und Zugang zu Fremdkapital als Beispiele. Außerdem verwies er auf "steigende Baukosten bei knapper Baukapazität" und "die zunehmende Herausforderung, Kommunen mit den richtigen Charakteristika zu gewinnen".

Der Rückzug erfolge nach einer "rationalen Abwägung der Risiken", erklärte Böing. Im Gegensatz zu anderen Marktteilnehmern habe helloFiber "noch nicht groß damit angefangen, Netze zu bauen", sondern bisher "nur vorbereitende Investitionen" getätigt. Das sei "die letzte Möglichkeit gewesen, die Stopp-Taste zu drücken".

Insolvenz beantragt

Nach Angaben Böings hat helloFiber einen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt, einen vorläufigen Insolvenzverwalter gebe es bereits.
Hinter Liberty Networks Germany, das unter der Endkunden-Marke helloFiber agierte, stehen der Medienkonzern Liberty Global und die Investmentgesellschaft InfraVia Capital Partners. Das Unternehmen wurde 2021 gegründet, um Glasfasernetze in un- und unterversorgten Regionen in Deutschland aufzubauen.

Liberty Networks Germany bestätigte den Rückzug: "In den vergangenen zwölf Monaten hat Liberty Networks Germany im Rahmen eines Projekts die Möglichkeiten für den Aufbau von Glasfasernetzen auf der grünen Wiese evaluiert und dabei eine kleine Anzahl von unterversorgten Gemeinden im Land ins Visier genommen. Nach sorgfältiger Prüfung der Ergebnisse haben die Partner des Gemeinschaftsunternehmens beschlossen, die nächste Phase des Projekts nicht durchzuführen", heißt es in einer Cable!vision Europe vorliegenden Stellungnahme.

Liberty Global verfügt über langjährige Erfahrung im deutschen Markt als Betreiber der Kabelgesellschaft Unitymedia, deren Netz 13 Millionen Haushalte abdeckte und 7,2 Millionen Kunden versorgte, bevor das Unternehmen 2019 an den Telekommunikationskonzern Vodafone verkauft wurde.

Auswirkungen auf Glasfasermarkt

Die Entscheidung des Schwergewichts und erfahrenen Branchenakteurs Liberty Global, sich aus dem deutschen Glasfasermarkt zurückzuziehen, dürfte Signalwirkung auf andere Netzbetreiber und Investoren haben. Schließlich sind sie genauso von den geänderten Rahmenbedingungen betroffen, darunter die höheren Kreditzinsen, steigenden Ausbaukosten und Auswirkungen der Inflation. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern könnte das zur Folge haben, dass die Konsolidierungswelle unter den Glasfasernetzbetreibern, die erst in einigen Jahren erwartet wurde, schon früher beginnt.

Autor: Dr. Jörn Krieger


 

 

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