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Glasfaserausbau

Wie geht's nach Rückzug von helloFiber weiter?


Die Unternehmensgruppe GVG Glasfaser prüft derzeit die Übernahme des Glasfaserausbaus in Kommunen in Baden-Württemberg, die vom Rückzug der Liberty Networks Germany mit ihrer Marke helloFiber betroffen sind. Das sind beispielsweise der Landkreis Esslingen und der Rems-Murr-Kreis.

"Wir stehen bereits in Kontakt mit der Gigabit-Region Stuttgart", bestätigte GVG-Geschäftsführer Michael Gotowy in Kiel. "Aktuell prüfen wir die entsprechenden baden-württembergischen Ausbaugebiete, stellen Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und werden im Anschluss mit allen relevanten Beteiligten Gespräche führen."

Ein Sprecher der Gigabit-Region Stuttgart erklärte gegenüber Cable!vision Europe, dass man "mit etwa einer Handvoll weiterer Anbieter" im Gespräch sei und daher glaube, den betroffenen Kommunen schon bald eine Perspektive aufzeigen zu können. Jedenfalls werde es zeitliche Verzögerungen geben.

Liberty Networks Germany hatte Anfang Januar 2023 angekündigt, mit sofortiger Wirkung den Glasfaserausbau in Deutschland zu beenden und sich aus dem Markt zurückzuziehen (siehe dazu: "Liberty-Tochter helloFiber zieht sich aus dem  Glasfasermarkt zurück" vom 09.01.2023). Grund seien die "geänderten makroökonomischen Rahmenbedingungen", erklärte Geschäftsführer Dr. Christian Böing und verwies auf Inflation, Zinshöhe und Zugang zu Fremdkapital. Außerdem nannte er "steigende Baukosten bei knapper Baukapazität" und "die zunehmende Herausforderung, Kommunen mit den richtigen Charakteristika zu gewinnen".

"Langfristig orientierter, deutscher Investor" finanziert GVG

Für GVG-Geschäftsführer Michael Gotowy und die gesamte GVG-Gruppe steht fest: Auf Dauer werden sich nur wirtschaftlich tragfähige, langfristig angelegte Ausbaumodelle und Unternehmen, die hierauf bauen, auf dem Glasfasermarkt durchsetzen. "Wir sind bereits seit 2014 auf dem Markt und bauen seitdem konsequent und konstant reine Glasfaser aus. Um noch mehr zukunftssichere Glasfaser in Deutschland ausrollen zu können, steht seit Ende 2019 ein langfristig orientierter, deutscher Investor hinter der GVG."

Hinter der Unternehmensgruppe GVG Glasfaser mit aktuell rund 500 Mitarbeitern steht der unabhängige, eigentümergeführte deutsche Investor Palladio Partners mit Sitz in Frankfurt am Main. Palladio verwaltet Anlagen institutioneller Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen, Versorger und kirchlicher Investoren. Die gebaute Infrastruktur soll langfristig in eigener Hand bleiben.

Zum Jahresanfang 2023 hat die GVG den 100.000. Vertrag für die Versorgung mit einer Glasfaserleitung bis ins Haus beziehungsweise die Wohnung oder das Unternehmen (FTTH) abgeschlossen. Die Unternehmensgruppe ist aktuell in mehr als 210 Kommunen aktiv: in Schleswig-Holstein und Niedersachsen mit der Marke nordischnet sowie Hessen, Bayern und Baden-Württemberg mit der bundesweiten Marke teranet. Geplant ist die schrittweise Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet.

Zusammenarbeit mit Deutscher Giga Access

Die GVG-Gruppe bringt die Glasfasernetze eigenwirtschaftlich in die Haushalte und Unternehmen. Ergänzend bewirbt sich die GVG auch um den Glasfaserausbau sowie Netzbetrieb in Fördergebieten. Zu den selbst errichteten Glasfaseranschlüssen kommen weitere FTTH-Anschlüsse durch eine Partnerschaft mit der Deutschen Giga Access (DGA) hinzu. Das Prinzip der Zusammenarbeit: Während die Deutsche Giga Access die FTTH-Glasfasernetze plant, baut, und als Eigentümer betreibt, übernimmt die GVG mit ihrer Marke teranet die Vermarktung sowie das Endkundengeschäft samt der Tarifmodelle.

Für den Vertrieb hat die GVG-Gruppe ein eigenes Unternehmen, die 2locate GmbH, gegründet. Die knapp 200 Mitarbeiter konnten bislang mehr als 200.000 Glasfaserkunden gewinnen. 2locate arbeitet dabei nicht nur für die GVG Glasfaser, sondern auch für weitere Unternehmenskunden, etwa Stadtwerke und andere lokale und regionale Versorger.

Eigener ISP-Dienstleister

Mit dem Start des hauseigenen ISP-Dienstleisters 2provide im Jahr 2021 hat die GVG zudem den Grundstein dafür gelegt, ihre Privat- und Geschäftskundenangebote künftig technisch eigenständig und damit ohne Vorleistungslieferanten realisieren zu können. Die GVG-Gruppe stellte ein in sich geschlossenes Ökosystem dar, sagte Gotowy zur Strategie. "Auf diese Weise können wir flexibel und kurzfristig auf neue Anforderungen und Wünsche reagieren, ohne auf Dritte angewiesen zu sein."

Autor: Dr. Jörn Krieger
 

 

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