
In der Media Hall ging es am zweiten Tag der Fiberdays 23 darum, welche Vorteile und Herausforderungen TV-Produkte für Glasfasernetzbetreiber mit sich bringen (Foto: Marc Hankmann)
Fiberdays 23
IPTV erhöht für Netzbetreiber die Kundenbindung
Glasfasernetzbetreiber suchen nach Wegen, um ihre Bandbreiten an den Mann zu bringen. Wholesale und Open Access sind die Optionen, um den Internetzugang zu monetarisieren. Das Problem: Der Preisdruck im Wettbewerb ist hoch und der Wechsel zu einem neuen Internetanbieter relativ einfach. Nach Meinung vieler Experten müssen Glasfasernetzbetreiber daher intensiver in die Vermarktung von TV-Produkten einsteigen.
"Connectivity ist Commodity", sagte Christian Heinkele, der auf den Fiberdays 23 durch das Programm der Media Hall führte. Während der Internetanbieter schnell gewechselt werde, sei das beim TV-Anbieter nicht der Fall. "Fernsehen ist Emotion, bindet daher den Kunden und reduziert den Churn", brachte es Heinkele auf den Punkt. "Um Kunden zu erklären, warum sie hohe Bandbreiten kaufen sollen, benötigt man Zusatzprodukte wie TV", fügte Rechtsanwalt Stefan Liebig hinzu.
IPTV muss Mehrwert bieten
Die Kundenbindung ist jedoch zugleich auch eine Hürde, denn jeder Haushalt empfängt bereits Fernsehen. Warum also den Anbieter wechseln? Das TV-Angebot eines Glasfasernetzbetreibers muss daher einen Mehrwert bieten. "TV muss mit Video on Demand mithalten können", sagte Markus Härtenstein, Chief Marketing Officer der Exaring AG, Anbieterin von waipu.tv.
Raimund Köhler, CEO der Motorvision Group, rät dazu, das Pay-TV-Angebot möglichst breit aufzustellen, auch um sich von der Konkurrenz abzuheben – etwa in ländlichen Regionen vom TV-Angebot via Satellit. Aber: Mit Upselling sollten es die Netzbetreiber nicht übertreiben. "Viele kleine Upselling-Pakete verwirren nur", sagte Köhler. Besser wäre ein großes Pay-TV- plus ein kleines Upselling-Paket. Ohnehin ist es laut Köhler wichtiger, die Inhalte zu kommunizieren.

Rechtsanwalt Stefan Liebig kann sich vorstellen, dass Netzbetreiber in Zukunft die Rolle der Content-Aggregatoren einnehmen (Foto: Marc Hankmann)
Single-Sign-on und Content Discovery
Das Optimum wäre aus Sicht der TV-Experten ein Single-Sign-On-Modell, mit dem der Kunde über einen einzigen Login die Inhalte aller Anbieter erreichen kann. "Davon sind wir aber noch weit entfernt", sagte Steffen Brauer, Business Development B2B TV Solutions bei Zattoo. Das läge auch daran, dass einige Anbieter die Verlinkung mit anderen schlicht untersagen und somit eine Content Discovery nur schwer zu etablieren ist. Rechtsanwalt Liebig meinte jedoch, dass es jemanden geben muss, der die unterschiedlichen Content-Anbieter aggregieren wird. "Das kann derjenigen mit dem Zugang zur Infrastruktur werden", sagte Liebig in der Media Hall der Fiberdays 23.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 16.03.2023

