
Der Hauptsitz der zur ARD gehörenden Deutschen Welle ist in Bonn. Das lineare deutschsprachige TV-Programm wird nur von rund 250.000 Menschen weltweit genutzt. (Foto: DW)
TV-Verbreitung
Deutsche Welle stellt deutschen TV-Sender ein
Die Deutsche Welle (DW) will ihren linearen deutschsprachigen TV-Kanal einstellen. Das bestätigte ein DW-Sprecher gegenüber Cable!vision Europe. Der Schritt ist Teil eines Maßnahmenpakets, das DW-Intendant Peter Limbourg dem Rundfunkrat am 17. März 2023 in Berlin vorstellte.
"Wir werden nach der Umstellung kein lineares Programm mehr auf Deutsch verbreiten, sondern einzelne Inhalte auf digitalen Ausspielwegen anbieten", erklärte der Sprecher. Der Zeitpunkt für die Einstellung des deutschen TV-Senders steht jedoch noch nicht fest: "Einen konkreten Termin kann ich Ihnen heute noch nicht geben", sagte der Sprecher.
Mit dem Maßnahmenpaket im Rahmen der Budgetplanung 2024 will Limbourg die digitale Transformation des deutschen Auslandssenders vorantreiben. Darin enthalten sind Einsparungen, Budget-Umschichtungen von linearen zu digitalen Angeboten und zu Regionalsprachen sowie Investitionen in digitale Arbeitsumgebung.
Nutzung steht nicht im richtigen Verhältnis zum Aufwand
Den deutschsprachigen TV-Kanal nutzten nur rund 250.000 Menschen weltweit regelmäßig, sagte Limbourg vor dem Rundfunkrat. "Damit steht die Nutzung in keinem Verhältnis zu dem erheblichen Aufwand, den wir für den Kanal betreiben müssen." Das Potenzial für das lineare TV-Angebot auf Deutsch sei unabhängig von der finanziellen Ausstattung ohnehin "sehr gering". Gleichzeitig betonte Limbourg, dass das deutschsprachige TV-Angebot als ein "multimediales digitales Angebot" erhalten bleibe und werde "nichts von seiner Vielfältigkeit verlieren" werde.
Mit Blick auf das Maßnahmenpaket verwies Limbourg auf die Verantwortung, den verfügbaren Etat des Senders so effektiv wie möglich zu verwenden. "Wir müssen vorsorglich einige Entscheidungen treffen, um 2024 nicht in eine ungleich schwierigere Lage zu kommen. Gleichzeitig müssen wir auf den hoch dynamischen digitalen Wandel reagieren, der uns auf den internationalen Medienmärkten stark herausfordert. Die sehr jungen, digital-affinen Zielgruppen nicht nur in Afrika und Asien informieren sich vor allem über digitale Angebote. Gerade in Russland, in der Ukraine und im östlichen Europa sind objektive Informationen von enormer Bedeutung für die Menschen, die wir über digitale Kanäle am besten erreichen können."
Limbourg betonte, die DW werde nicht nur im Programm, sondern auch in allen anderen Bereichen des Unternehmens Einsparungen vornehmen. So werden beispielsweise auch Investitionen in der Technik zurückgefahren, Projekte der Gebäudeinfrastruktur gekürzt und Ausstrahlungskosten reduziert. Darüber hinaus sollen in allen Direktionen weitere Einsparmöglichkeiten geprüft werden.
Autor: Dr. Jörn Krieger
Claudia Boss-Teichmann 20.03.2023

