
Die Verbände Anga, Breko, Buglas, VATM und VKU haben in einem Schreiben an Bundesminister Dr. Volker Wissing gewandt, in dem sie die Ausbaustrategie der Deutschen Telekom beim Glasfaserausbau scharf kritisieren (Symbolbild Glasfaserausbau; Foto: Shutterstock/ThomBal)
Scharfe Kritik an Ausbaustrategie der Telekom
Die Verbände Anga, Breko, Buglas, VATM und VKU haben sich in einem Schreiben an Bundesminister Dr. Volker Wissing gewandt, in dem sie die Ausbaustrategie der Deutschen Telekom beim Glasfaserausbau scharf kritisieren. Das Schreiben liegt Cable!vision Europe vor.
Sie sehen die "starke Ausbaudynamik" ihrer Mitgliedsunternehmen im Glasfaserausbau zunehmend durch "strategische Manöver" der Deutschen Telekom ausgebremst. Sie fordern daher vom Minister, seine Ankündigung aus der Gigabitstrategie unverzüglich in die Tat umzusetzen, eine Bestandsaufnahme des Überbaus vorzunehmen und bei Bedarf wettbewerbswidrige Formen des Überbaus einzudämmen. Auf Basis der Ergebnisse müssten konkrete Schritte erfolgen, bei denen Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt ihrer Rolle gerecht werden sollten, heißt es in dem Schreiben weiter.
67 von 99 Postleitzahlregionen betroffen
Ihre Mitgliedsunternehmen würden zunehmend erleben, dass die Telekom neben den bereits geplanten oder existierenden Netzen eigene Netze errichte oder den Ausbau ankündige, statt die Infrastrukturen der Wettbewerber via Open Access zu nutzen, beklagen die Verbände. Nach ihren Erhebungen beträfe dies "mehr als die Hälfte der Postleitzahlregionen Deutschlands" (siehe Karte unten). In einem Artikel in der "Welt" vom 14. April 2023 schreibt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers, 67 von 99 Postleitzahlregionen seien betroffen und über 50 Netzbetreiber in über 200 konkreten Fällen.
Durch das Vorgehen der Telekom sehen die Wettbewerber ihre Geschäftspläne zerstört. Und: "Zurück bleiben Kommunen, die am Ende oft nur teilweise von der Telekom ausgebaut werden, und Bürgerinnen und Bürger ohne Glasfaseranschluss."

Laut Erhebung der Branchenverbände gibt es in über der Hälfte der Postleitzahlregionen Deutschlands Doppelausbau von Glasfasernetzen durch die Deutsche Telekom (Grafik: Breko/Buglas/VATM/VKU)
Telekom weist Vorwürfe zurück
Die Telekom hatte lange Zeit auf die Ertüchtigung ihrer Kupferleitungen mittels DSL/VDSL gesetzt und treibt seit einiger Zeit den Glasfaserausbau stark voran. CEO Timotheus Höttges bekräftigte auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom am 5. April 2023 in Bonn die Ausbauziele: "Wir bauen, was der Bagger hergibt für bis zu drei Millionen Haushalte in diesem Jahr. 25 bis 30 Millionen Haushalte bis 2030. In der Stadt und auf dem Land."
Telekom-Manager Thilo Höllen, der für die Breitbandkooperationen des Konzerns zuständig ist, weist die Überbau-Vorwürfe zurück. Der so genannte Überbau mache nur einen Bruchteil des Netzausbaus in Deutschland aus, schrieb Höllen am 17. März 2023 in einem Gastbeitrag des Branchendienstes "Tagesspiegel Background". Im Jahr 2022 habe der Überbau bei der Telekom bei unter einem Prozent gelegen. Außerdem würden auch die Netze der Telekom von Wettbewerbern überbaut.
Höllen kritisiert auch die Auffassung der Telekom-Wettbewerber von Open Access. Dieser sei bisher nur bei der Telekom reguliert, die Mitbewerber kämen zu festgelegten Preisen auf deren Netz. Umgekehrt würden diese eine Regulierung aber ablehnen. "Sie wollen lokale Monopole: Keine Qualitätsvorgaben, aber volle Preishoheit", so Höllen.
Die Diskussion wird weitergehen. Die Verbände fordern in ihrem Schreiben eine gemeinsame Diskussion der Branche unter Ministerbeteiligung, wenn die Ergebnisse der Bestandsaufnahme zum Thema Überbau vorlägen.
Claudia Boss-Teichmann 13.04.2023

