
Der Digitalgipfel eröffnete die diesjährige ANGACOM. Natürlich ging es auch in dieser Runde um das Thema Glasfaserüberbau. Jeder dritte Glasfaseranschluss, den die Telekom heute baue, erfolge bereits in Kooperationen, sagte Srini Gopalan, Vorstandsmitglied und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland (Foto: Marc Hankmann)
Anga COM 2023
BMDV-Staatsekretär: "Keine Anhaltspunkte für Überbau"
In den vergangenen Wochen ab es kein Event zum Glasfaserausbau, ohne dass die Sprache auf das Thema strategischer Überbau kam; so auch zum Auftakt der diesjährigen ANGACOM. Srini Gopalan, Vorstandsmitglied und Sprecher der Geschäftsführung Telekom Deutschland, verwies in der Diskussionsrunde auf den Infrastrukturwettbewerb, für den die Deutsche Telekom stehe. "Wir brauchen keine Monopole", sagte Gopalan in Köln und erklärte seine Bereitschaft, Partnerschaften einzugehen. Jeder dritte Glasfaseranschluss, denn die Telekom heute baue, erfolge bereits in Kooperationen.
Von Lepel: Branche geschlossen gegen die Telekom
Rückendeckung erhielt Gopalan von Stefan Schnorr: "Wir haben überhaupt keine Anhaltspunkte für wettbewerbswidrigen Glasfaserüberbau", sagte der Staatsekretär aus dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV). Es handele sich um ein "aufgebauschtes Thema". Laut Schnoor seien es höchsten zwei Prozent der Fälle, in denen der Überbau strategischer Natur sei. Eine bemerkenswerte Aussage, da Susanne Ding, Leiterin der Unterabteilung Digitale Infrastruktur beim BMDV, auf dem Sommerfest des Bundesverbands Glasfaseranschluss (BUGLAS) Anfang Mai 2023 noch sagte, man beschäftige sich mit dem Thema strategischer Überbau.
Verwundert reagierte auch Timo von Lepel, Geschäftsführer von NetCologne, auf die Aussagen Schnorrs. Er habe es noch nie erlebt, dass die Branche so geschlossen gegen die Telekom stand, sagte von Lepel auf dem Digitalgipfel und erntete dafür den Applaus des Publikums. Ihm zur Seite sprang Andreas Pfisterer: "Überbau macht in der jetzigen Phase überhaupt keinen Sinn", sagte der Deutsche-Glasfaser-CEO. Einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) zufolge baue die Telekom da aus, wo sich wirtschaftlich nur der Betrieb eines Netzes lohne.
Schulnote 3 bis 4 für Vernetzung in Deutschland
Einigkeit herrschte dagegen bei der Geschwindigkeit des Glasfaserausbaus. "Es ist einiges geschafft, einiges umgesetzt, aber es gibt noch ganz, ganz viel zu tun", brachte es ANGA-Präsident Thomas Braun in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt. Gopalan mahnte schnellere Genehmigungsverfahren an. Bernd Thielk, Geschäftsführer des Netzbetreibers willy.tel, sprach von der Schwierigkeit, das Telekommunikationsgesetzt auf kommunaler Ebene umzusetzen. "Die Bürgermeister müssen jetzt einmal mit der Faust auf den Tisch hauen und sagen: wir machen das jetzt so", forderte er mehr Engagement – und erhielt dafür ebenfalls den Beifall des Publikums.
Anna Planken, Moderatorin des Digitalgipfels, fragte die Diskutanten nach einer Schulnote für die Vernetzung in Deutschland. Die Teilnehmer gaben die Noten 3 bis 4. Es ist also noch Luft nach oben, auch wenn Vodafone-Deutschland-CEO Philippe Rogge der Meinung ist, die Richtung sei das Wichtigste und da sei Deutschland auf dem richtigen Weg.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 23.05.2023

