
Auf dem Mediengipfel waren die Teilnehmer mit den eigenen Angeboten zufrieden. Doch der kriselnde Werbemarkt macht vielen zu schaffen. (Foto: Marc Hankmann)
Anga COM 2023
Mediengipfel: Alle zufrieden – und irgendwie doch nicht
"Wir sind sehr zufrieden."“ So lautete häufig die Antwort, wenn Moderator Thomas Lückerath auf dem Mediengipfel der ANGA COM nach dem Erfolg neuer Angebote fragte. Zufrieden zeigte sich Sabine Anger, Senior Vice President Streaming Central & Northern Europe bei Paramount mit dem Start von Paramount+ in Deutschland, zufrieden ist auch Katja Hofem, Vice President Content DACH bei Netflix, mit der Reality-Serie "Too Hot to Handle", sodass sie gleich die zweite Staffel in Aussicht stellte, und zufrieden ist auch Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Prime Video, mit den Übertragungsrechten an der Champions League.
Auf die Nachfrage, wie sich diese Zufriedenheit in Zahlen ausdrückt, schwiegen alle drei aber lieber. Abrufzahlen oder Daten zur Sehdauer sind Verschlusssache und werden lediglich interessierten Werbekunden offenbart. Und hier liegt eines der Probleme, weshalb sich auf der Veranstaltung in Köln in die breite Zufriedenheit auch Unmut mischte.
"Wir haben eines der methodisch besten TV- und Videomesssysteme der Welt", sagte zwar Daniel Rosemann, Senderchef von ProSieben und SAT.1, räumte aber zugleich ein Problem damit ein, dass neben der AGF-Quotenmessung verschiedene andere Metriken angewendet werden, vornehmlich von den Streaming-Anbietern, da ihre Reichweite von der AGF noch nicht gemessen wird. Rosemanns Bedenken: Erhalten die Werbekunden keine verlässlichen Daten zur Reichweite, führt das zum Vertrauensverlust in die Messung.
"Die Stimmung ist nicht gut"
Immerhin: Die AGF plant nach den Worten von Matthias Dang, Co-CEO bei RTL Deutschland und CEO der Ad Alliance, die Reichweitenmessung über alle Endgeräte auszuweiten - ein wenig Trost für einen gebeutelten Markt. "Die Stimmung ist nicht gut", sagte Dang auf den Mediengipfel mit Verweis auf sinkende Werbeeinnahmen. Es gäbe eine enorme Anspannung unter den Werbekunden, die mit der hohen Inflation zu kämpfen haben. "Wir alle hoffen auf das zweite Halbjahr", ergänzte Dang in Köln.
Rosemann sprach gar von einer ernsthaften Lage. Die im internationalen Vergleich geringe Zahlungsbereitschaft deutscher Haushalte für Video-Content deckele den SVoD-Markt (Subscription-based Video on Demand). Somit ist AVoD (Advertising-based Video on Demand) der Markt der Zukunft. "Es gibt eine hohe Nachfrage nach digitaler Werbung mit Targeting", sagte Dang. Ob der AVoD-Boom den kriselnden Werbemarkt auffangen kann, sei aber einmal dahingestellt.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 24.05.2023

