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ANGA COM 2023

Teleste: Fahrplan für HFC-Netze in Europa

Einen aktuellen Überblick und die Strategien der Kabelnetzbetreiber in Europa und in den USA, mehr Bandbreite in ihre Netze zu bringen, gab Hanno Narjus, Senior Vice President Broadband Networks Teleste, auf einem Pressegespräch am 24.05.2023 auf der ANGA COM

Unterschiedliche Wege in den USA und Europa

Während Netzbetreiber auf beiden Seiten des Atlantiks das Ziel hätten, 10G-Dienste bereitzustellen, würden sich die technologischen Wege dorthin unterscheiden, so Narjus. Ein wesentlicher Grund dafür liegt im Marktanteil des Kabelnetzes: In den USA hat das Kabelnetz und damit DOCSIS einen Anteil von 70 Prozent, verglichen mit 20 Prozent in Europa. "Das macht einen großen Unterschied bei der Planung von Investitionen", so Narjus.

Zwei Beispiele für die von ihm angeführte Unterschiede in der Netzinfrastruktur: In den USA ist Distributed Access Architecture (DAA) schon viel weiter ausgerollt als in Europa. Das im Netz verfügbare Spektrum ist in Europa allerdings größer als in den USA. Vor allem der Upstream ist dort sehr eingeschränkt: 1 GHz Downstream und 42 MHz Upstream stehen zur Verfügung, im Gegensatz zu den in Europa üblichen 1,2 GHz Downstream und 65/85/200 MHz Upstream (mit Ausnahme Deutschlands und Spaniens).

Der nächste technologische Schritt

Wie wird der Ausbau weitergehen? Letztes Jahr sei DOCSIS 3.1 weithin in den USA und Europa verfügbar gewesen und Kabelnetzbetreiber hätten mit dem Einsatz von DAA begonnen, um sich auf höhere Bandbreiten vorzubereiten. Die allgemeine Ansicht sei gewesen, dass als nächster Schritt zwei große Veränderungen in der Netzarchitektur anstünden: die Umstellung auf einen virtualisierten DOCSIS-Kern und eine Umstellung auf Remote-MACPHY-basierte DAA. Doch Narjus sieht die Tendenz, an der Remote-PHY-Architektur festzuhalten und nur auf eine virtualisierte Converged Cable Access Platform (CCAP) als Neuerung zu setzen. Dies sei eine hervorragende Nachricht, denn es würde die Umstellung auf DOCSIS 4.0 beschleunigen.

Drei Szenarien für Netzwerk-Upgrades

Für Europa stellte er drei mögliche Szenarien des Netzwerk-Upgrades vor:

  1. Vollständig in DOCSIS 4.0 investieren, um die HFC-Netze für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre lebendig zu halten.
  2. Die Lebensdauer des Kabelnetzes für die nächsten fünf bis zehn Jahre verlängern und sich beim Glasfaserausbau auf Regionen außerhalb dieses Netzes konzentrieren.
  3. Das Kabelnetz möglichst schnell (innerhalb von fünf Jahren) mit Glasfaser überbauen.

Betreiber in Europa, die sich ganz auf DOCSIS 4.0 festlegen, müssen DAA einsetzen und dann auf DOCSIS 4.0 Remote-PHY umsteigen, sobald die Technologie verfügbar ist. Narjus sagte, er glaube, dass Märkte mit hohem Kabelnetz-Anteil wie die Schweiz und die Benelux-Länder auf diese Strategie setzen würden.

Betreiber, die dem Szenario 2 folgen, würden versuchen, mit DOCSIS 3.1 das meiste aus ihrem Netz herauszuholen, anstatt überall auf DOCSIS 4.0 umzusteigen. Sie würden DAA als Zwischenschritt einführen. Dieses Modell sieht er für Dänemark und osteuropäische Länder.

Diejenigen, die auf Glasfaser-Überbau setzen, würden auf die Einführung von DAA verzichten, keine Spekturm-Upgrades durchführen, sondern das Kabelnetz wo nötig durch Node-Splits ertüchtigen. Dieser Weg werde in Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich beschritten.

DOCSIS-4.0-Einführung in Deutschland schwierig

Deutschland habe er bei der Kategorisierung bewusst außen vor gelassen, erklärte Narjus auf Nachfrage. Aufgrund von Altlasten durch bestehende Netze sei in Deutschland für die Aufrüstung auf DOCSIS 4.0 ein großer Aufwand nötig. Er sei daher der Ansicht, dass hier weiter auf DOCSIS 3.1 gesetzt werde, ergänzt durch Überbau mit Glasfaser.

 

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