
Bevor es zu einer nennenswerten Marktkonsolidierung kommt, werden die Netzbetreiber zunächst die Infrastruktur bauen und über Kooperationen die FTTH-Anschlüsse vermarkten müssen (Foto: Marc Hankmann)
ANGA COM 2023
"Wer nicht erfolgreich vermarktet, wird konsolidiert"
Noch haben etwa drei Viertel der deutschen Haushalte keinen Glasfaseranschluss, da wird bereits über eine Marktkonsolidierung gesprochen, angetrieben durch die Rückzüge von helloFiber und GlasfaserDirekt. Auf dem ANGA-COM-Panel "EY: Endgame – Marktkonsolidierung im deutschen Fiber-Markt" am letzten Messetag waren sich die Teilnehmer zwar einig, dass sich der Markt konsolidieren wird, aber nicht so schnell, wie das einige meinen. Auch die Gefahr einer Re-Monopolisierung sehen die Experten nicht.
"Wir sind gerade dabei, die Infrastruktur zu bauen", sagte etwa Thilo Höllen, Senior Vice President Broadband Cooperations bei der Deutsche Telekom. Das gelte laut Ernst & Young derzeit für über 700 Unternehmen, die wie die Telekom Glasfasernetze bauen. Auf lange Sicht würden zwischen 60 und 120 Netzbetreiber übrigbleiben.
Open Access: Rahmenbedingungen stimmen noch nicht
Die Unternehmensberatung geht von einer zweiphasigen Marktkonsolidierung aus, wobei es in der ersten Phase unter anderem zu einer Zunahme von Kooperationen auf Open-Access-Basis kommen werde. Doch hier stimmten die technischen und kommerziellen Rahmenbedingungen noch nicht, sagte Professor Dr. Jens Böcker, Leiter des Masterstudiengangs Marketing an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Aus Sicht von goetel-CEO Daniel Kleinbauer böten vor allem kleinere Netzausbauer kein Open Access an, weil es an Standards fehle und ein Open-Access-Angebot auch eine Investmentfrage sei. Er ist momentan vollauf damit beschäftigt, die gebauten Glasfaseranschlüsse erfolgreich zu vermarkten. "Daher ist es auch eine Frage des Zeitpunkts, ab wann man für ISPs interessant werden kann", sagte Kleinbauer auf der ANGA COM. Es herrschte indes Einigkeit darin, dass der Markt auf den Regulierer verzichten kann, um Open-Access-Modelle zu entwickeln.
Noch keine Faustformel gefunden
Vermarktung ist hingegen das Stichwort, denn eine Faustformel hat die Branche hier noch nicht gefunden, auch wenn die Take-up-Rate leicht steigt. "So lange werden wir Kooperationen brauchen“, sagte Martin Butz, Director Carrier Management & Roaming bei Telefónica Deutschland. "Sie sind die Voraussetzung, dass der FTTH-Markt als Ganzes fliegt."
Butz schätzt, dass 2030 rund 90 Prozent der deutschen Haushalte Homes passed sein werden. "Es wird dann eine Mischung aus regionalen Betreibern, die selbst vermarkten, und den bekannten nationalen ISPs geben", erklärte Butz in Köln. So werde es zwar noch viele regionale Monopole geben, ihre Zahl werde aber geringer sein als heute. Goetel-CEO Kleinbauer geht davon aus, dass die Netzbetreiber 2030 noch hart darum kämpfen werden, FTTH in Ballungsräumen erfolgreich zu vermarkten. Für die Experten auf dem Panel stand indes fest, was TK-Experte Böcker sagte: "Wer nicht erfolgreich vermarktet, wird konsolidiert."
Claudia Boss-Teichmann 26.05.2023

