
Auf dem Podium beim "Content Breakfast" (v.l.): Moderator Dr. Jörn Krieger, Thomas Bichlmeir, Head of Content bei ocilion, Tanja Hüther, Head of ARD Distribution Board, Cornelius Schauer, Vice President Platform Business RTL Deutschland, und Bernd Thielk, Geschäftsführer willy.tel Gmbh (Foto: CBT)
ANGA COM 2023
Wie kompliziert ist die neue TV-Welt?
"Komplizierte neue TV-Welt" - überfordert die Vielfalt der TV-Angebote die Nutzer oder scheint diese Welt nur kompliziert? Mit dieser Frage eröffnete Moderator Dr. Jörn Krieger die Paneldiskussion, die auf Einladung von IPTV-Anbieter ocilion bei einem "Content Breakfast" am zweiten Messetag stattfand.
"Es ist für den Endkunden kompliziert"
Für die TV-Anbieter sind die unterschiedlichen Ausspielungswege und das parallele Existieren der alten und der neuen Welt herausfordernd, waren sich Tanja Hüther, Head of ARD Distribution Board, und Cornelius Schauer, Vice President Platform Business RTL Deutschland, einig. Der Konsument befindet sich laut Schauer dagegen in einer "paradiesischen Situation", was die Auswahl der Angebote betrifft - wenngleich er einräumte, dass es durch eine Vielzahl von Abonnements teuer werden könne. Thomas Bichlmeier, Head of Content bei ocilion, sagte: "Es ist für den Endkunden kompliziert". Nach Wegfall des Sammelinkassos müssten sich viele Menschen zum 1. Juli 2024 für ein TV-Produkt entscheiden - doch nicht nur die Auswahl des Anbieters sei schwierig, das setze sich über den Bestellprozess bis zur Auswahl der Hardware fort.
Dass die Kunden überfordert sind, bestätigte Bernd Thielk, Geschäftsführer von willy.tel, aufgrund seiner Erfahrungen bei der Vorbereitung des Umstiegs auf das Einzelinkasso. Er befürchtet für das Kabelfernsehen: "Wir werden bis zu 50 Prozent der Kunden verlieren". Die Frage sei, wie diese in ein neues Produkt gebracht werden könnten. "Wir brauchen eine Plattform, um DVB-C technologieneutral in eine neue Welt zu führen." Ein großes Plus für sein Unternehmen sieht er darin, dass willy.tel konsequent FTTH ausgebaut habe: "Dadurch können wir TV direkt beim Kunden freischalten."
HbbTV ist wichtige Brückentechnologie
Wie wird sich die TV-Nutzung der Zukunft entwickeln? Hüther sagte, laut einer Studie von Samsung würden 50 Prozent der Nutzung auf Samsung-TVs auf Streaming entfallen. Die Nutzerwelten des Linear-TVs und des Streamings seien völlig unterschiedlich. Daher sei HbbTV als zentrale Brückentechnologie wichtig: 25 Prozent der Nutzer der ARD-Mediatheken kämen über HbbTV.
Für Schauer ist die kostenpflichtige App RTL+ "das Zukunftsprodukt" seines Senders. Nutzerzahlen dazu konnte er nicht nennen. Eine Integration der App in die Plattform von ocilion sei perspektivisch denkbar.
Für Thielk ist die entscheidende Zukunftsfrage: "Wie können wir die jüngeren Zuschauer gewinnen?". Seine Vision ist eine Plattform, auf der alle Angebote zentral gebündelt werden, wo eventuell auch andere Angebote zugebucht und abgerechnet werden können, denn: "Der Kunde will es einfach haben."
Große Content-Anbieter auf die Plattform von ocilion zu bringen, nannte Bichlmeier "durchaus eine Challenge". Ein entscheidender Gesichtspunkt dabei sei, wie viele potenzielle Endkunden die Anbieter durch den Partner erreichen könnten.
Wird es mehr Einfachheit durch senderübergreifende Suchmöglichkeiten geben? Bichlmeier hält dies für realistisch, da die Voraussetzung dafür - gute Metadaten - existieren würden und auch von den Sendern, allerdings kostenpflichtig, zur Verfügung gestellt würden.
Claudia Boss-Teichmann 24.05.2023

