
VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner wies bei der Vorstellung der Studie darauf hin, wie wichtig es sei, den eigenwirtschaftlichen Ausbau mit der Förderung kleiner Restgebiete zu verzahnen (Foto: VATM)
Digitalisierungsstudie
773 Mrd. Euro Wertschöpfung durch Digitalisierung
Ein beschleunigter Breitbandausbau als Katalysator der Digitalisierung birgt ein Wachstumspotential von 773 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung bzw. 9.065 Euro BIP pro Kopf. Dies ist die Kernausssage der Kurzstudie "Wachstumspotentiale einer beschleunigten Digitalisierung in Deutschland", die das DIW econ auf Einladung des VATM Verband für Telekommunikation und Mehrwertdienste e.V. im Rahmen der ANGA COM vorgestellt hat. DIW econ ist das Beratungsunternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.
Digitalisierung von Verwaltung und bürgernahen Diensten
Fortschritt und Wohlstand sind demzufolge unmittelbar abhängig von einer schneller fortschreitenden Digitalisierung. Ohne intelligente, digitale Stromversorgung, ohne 5G und Glasfaserausbau sei die Energiewende nicht zu packen. Bei der Verkehrswende setze die Bahn auf die "Digitale Schiene“ und sei dabei von einem flächendeckend ausgebauten Glasfasernetz abhängig. Der Digitalisierung im Gesundheitssystem allein berge ein Potential von bis zu 42 Mrd. Euro, basierend auf der elektronischen Patientenakte und dem Einsatz von E-Rezepten. Von ganz besonderer Bedeutung sei der schnelle Aufbau einer Digitalisierung der Verwaltung und bürgernaher Dienste.
Welche konkreten Vorteile Digitalisierung für die Bürgerinnen und Bürger hat, diskutierten im Anschluss Staatssekretär Stefan Schnorr (BMDV) und Nordrhein-Westfalens Chief Information Officer, Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke. Die Ausbaugeschwindigkeit nicht zu hemmen, sei wichtigstes Ziel, um eine beschleunigte Digitalisierung voranzutreiben, da Deutschland im europäischen Vergleich einen der hintersten Plätze belegt, betonte Stefan Gorgels von DIW ECON. Die enormen Steigerungsraten sind einerseits erfreulich, erklären sich aber aus dem enormen Nachholbedarf.
Europäische Verordnung an deutschen Markt anpassen
Die neue europäische Verordnung, mit der der Glasfaserausbau zusätzlich beschleunigt werden soll, müsse auch auf die Besonderheiten des deutschen Marktes passen. Sonst würde der Ausbau eher gebremst als beschleunigt, stellte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner als These zur Diskussion. Das BMDV werde die Vorbehalte der Branche sorgsam prüfen, versprach Schnorr. Meyer Falke zeigte sich überzeugt, dass die Digitalisierung vor allem der Verwaltung jetzt deshalb schneller vorankomme, da es bereits zahlreiche Basisdienste gebe, die nun genutzt werden könnten, um konkrete Bürgerdienste zu implementieren.
Zum Abschluss wies Grützner darauf hin, wie wichtig es sei, den schnellen eigenwirtschaftlichen Ausbau mit der Förderung kleiner Restgebiete zu verzahnen. Damit diese nicht unversorgt blieben und die Bagger aus dem Ort verschwänden, müsse hier die Förderung auf der "Fast Lane" funktionieren. Die Förderrichtlinie der Bundesregierung müsse hier schnell angepasst werden. Noch wichtiger sei es, den strategischen Überbau der Telekom in zahlreichen Gemeinden in den Griff zu bekommen, um die Kommunen zu entlasten und die Investoren für den Glasfaserausbau nicht zu verlieren, so Grützner.
Claudia Boss-Teichmann 27.05.2023

