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CEO Jens Prautzsch (li.) und CCO Jörn Schoof informierten beim Pressegespräch am 27. Juni in München über Erreichtes und weitere Pläne von Unsere Grüne Glasfaser (Foto: Unsere Grüne Glasfaser)

Glasfaserausbau

UGG: "Sind mit langfristiger Investition unterwegs"

Mit 75 Prozent mit Glasfaseranschlüssen unversorgten Haushalten ist Deutschland im europäischen Vergleich zwar immer noch im Rückstand, doch in den letzten Jahren hat sich viel getan. So Jens Prautzsch, CEO von Unsere Grüne Glasfaser (UGG), anlässlich des Jahrespressegesprächs des Unternehmens am 27. Juni 2023 in München.

"Keine Goldgräber"

Der Markt hat sich stark gewandelt. Vor zehn Jahren bauten nur ein wenige, kleinere Unternehmen in Deutschland Glasfaser aus, vor allem Stadtwerke und regionale Anbieter wie M-net oder NetCologne, so der CEO. "Man musste Kommunen, Politik und Bürger damals von der Glasfaser überzeugen, die Politik verhielt sich technologieneutral." Inzwischen sei es politischer und gesellschaftlicher Konsens, auf Glasfaser zu setzen.
 
Ein zweiter wesentlicher Unterschied: Seit drei bis vier Jahren sind Investoren stark in den Markt eingestiegen, eine Goldgräberstimmung sei entstanden. Prautzsch betonte: "Wir sind keine Goldgräber, wir sind mit einer langfristigen Investition unterwegs." UGG, ein Joint Venture zwischen Telefónica und Allianz, war 2020 mit der Zielsetzung angetreten, mit einem Investment von 5 Milliarden Euro rund 2 Millionen Haushalte mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus (FTTH) zu versorgen. An diesem Ziel halte man nach wie vor fest. Auch daran, dass UGG ohne Vorvermarktungsquote ausbaue.

300.000 Homes passed

Mittlerweile habe UGG mit rund 350 Kommunen Ausbauvereinbarungen geschlossen, dadurch könnten rund 1 Millionen Haushalte angeschlossen werden, so Jörn Schoof, seit April vergangenen Jahres Chief Commercial Officer (CCO) bei UGG. Innerhalb der nächsten Wochen könnten 300.000 Haushalte auf die Anschlüsse von UGG zugreifen (Homes passed).
 
Die Mitarbeiterzahl hat sich innerhalb von zwei Jahren von 50 auf rund 200 erhöht. Ein zweiter Unternehmensstandort in Leipzig wurde gegründet, Vertriebsniederlassungen in den acht Bundesländern, in denen UGG aktiv ist, sind geplant. Die Take-up-Rate beträgt nach wie vor 30 bis 40 Prozent, womit man zufrieden sei. In ländlichen Regionen, die bisher nicht mit Breitbandanschlüssen versorgt seien, könne diese auch höher liegen.
 
Als überregionaler Anbieter auf dem Netz von UGG ist O2 vom Mutterkonzern Telefónica verfügbar, dazu die regionalen Anbieter Stiegeler IT, Eifel DSL, Thüringer Netcom und empera. Prautzsch rechnet damit, dass in den nächsten 12 bis 18 Monaten noch ein überregionaler und weitere regionale Diensteanbieter dazukommen werden.

Zusammenarbeit mit Wohnungswirtschaft intensiviert

UGG nimmt jetzt auch stärker die Mehrfamilienhäuser im Fokus. "Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, diese zu erschließen", sagte Schoof. Daher biete UGG Eigentümern von Mehrfamilienhäusern an, die Inhausverkabelung zu übernehmen und habe dazu ein strukturiertes Vorgehen entwickelt. "Wir haben erste Verträge mit Wohnungsbaugesellschaften schließen können." Generell würden alle Wohnungen mit einem Glasfaseranschluss versorgt, auch wenn z. B. Mieter diesen nicht nutzen möchten.
 
Eine Konkurrenz beispielsweise zur Deutschen Telekom, die kürzlich ein Positionspapier mit dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW zum Inhausausbau veröffentlicht hat, sieht UGG nicht. Zwar habe UGG es vor allem in den ostdeutschen Bundesländern auch mit größeren Wohnungswirtschaften zu tun, doch in den ländlichen Regionen seien es überwiegend kleinere Einheiten bzw. Eigentümergemeinschaften, so Schoof. Vor allem aber sei die Zusammenarbeit mit Wohnungswirtschaften generell ein eher kleinteiliges Geschäft, bei dem individuelle Verträge abgeschlossen werden müssten.

Ausbau- und Kommunikationsstandards weiterentwickelt

UGG legt Wert darauf, die Baumaßnahmen im Vorfeld detailliert mit den Kommunen zu planen. Schoof: „Wir besprechen vor dem Abschluss der Absichtserklärung, wo wir bauen und was wir bauen.“ Die Kommunen seien sehr unterstützend, auch die Wohnbaugesellschaften haben die Bedeutung der Glasfaser erkannt und hätten jetzt einen anderen Drive.
 
Ist das Konzept aufgegangen, Baufirmen aus Spanien beim Glasfaserausbau einzusetzen, die dort bereits im Auftrag von Telefónica gearbeitet haben? Medienberichten zufolge gab es Probleme auf Baustellen von UGG. Prautzsch auf dem Pressegespräch: Durch den Zugriff auf die spanischen Unternehmen habe UGG sofort Kapazitäten am Start gehabt, "da geht leider mal etwas schief." Es handle sich aber um Einzelfälle. Mittlerweile arbeite UGG mit Baufirmen aus unterschiedlichen europäischen Ländern zusammen. UGG habe außerdem seine Ausbaustandards weiterentwickelt und würde deren Einhaltung kontrollieren. Wichtig sei auch, dass es auf jeder Baustelle ein deutschsprachiger Vorarbeiter als Ansprechpartner zur Verfügung stehe.
 
Auch die Kommunikation habe man verbessert: Für die Vertreter der Kommunen habe man eine Bürgermeisterhotline eingerichtet. Auch auf Fragen von Endkunden aufgestellt werde über Callcenter und E-Mail schnell reagiert. Schoof: In den Kommunen herrsche Verständnis dafür, dass es bei großen Bauvorhaben Probleme gebe, doch entscheidend sei die Reaktionszeit.

"Gigabitziele in Gefahr"

Wie steht UGG zur Branchendiskussion um einen möglichen wettbewerbsbehindernden Ausbau der Deutschen Telekom? Prautzsch: "Wettbewerb sehen wir grundsätzlich nicht negativ, auch wenn wir teilweise Wettbewerb sehen, der übers Ziel hinausschießt." Für problematisch hält er vor allem die Praxis der Deutschen Telekom, einen Ausbau dort anzukündigen, wo bereits ein anderes Unternehmen einen flächendeckenden Ausbau mit der Gemeinde geplant habe. Die Folge: "Viele Unternehmen ziehen sich zurück Gemeinden werden nur teilweise oder gar nicht entschlossen. Der Rest muss über Förderung erschlossen werden oder bleibt unerschlossen."
 
Für sein Unternehmen gelte: "Wir gehen nicht in ein Gebiet hinein, in dem ein anderes Unternehmen einen Ausbau geplant hat."
 
Prautzsch traut der Branche zu, dieses Problem selbst zu lösen, es sei aber wohl nötig, dass der Dialog moderiert werde, z. B. durch die Bundesregierung. Der Branchendialog - ein Instrument, das vom Gigabitbüro des Bundes eingeführt wurde, um Ausbauvorhaben in den Kommunen auf kartellrechtlich zulässige Weise untereinander abzustimmen - brächte bisher wenig konkrete Ergebnisse.
 
Das Argument der Deutschen Telekom, beim Doppelausbau von Glasfaser handle es sich um Infrastrukturwettbewerb, hält er nicht für stichhaltig: "Wir brauchen, analog zu den Stromnetzen, keine doppelte Glasfaser-Infrastruktur."
 
Zusammenfassend meint der CEO von UGG zur Überbau-Thematik: "Wir wünschen uns, dass sich die Branche dazu verpflichtet, den flächendeckenden Ausbau zu schaffen. Wenn die bisherige Praxis noch Monate weitergeht, sehen wir die Gigabitziele in Gefahr."
 

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