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Klaus Merkel (rbb) beschreibt DVB-I und das Pilotprojekt in seinem Vortrag auf den Lokalrundfunktagen 2023 in Nürnberg (Foto: Jörn Krieger)

Verbindung von TV und IP

DVB-I-Pilotprojekt geht im September in zweite Phase

Das deutsche Pilotprojekt rund um den neuen DVB-I-Standard startet zur Technik-Fachmesse IBC im September 2023 in die zweite Phase. Das bestätigten Projektbeteiligte am 5. Juli 2023 in einer Masterclass zu DVB-I auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg.

DVB-I verbindet TV-Angebote der klassischen Verbreitungswege Kabel, Satellit und Terrestrik mit TV-Angeboten, die via Internet (IP) übertragen werden, in einer einheitlichen Senderliste, bei der der Verbreitungsweg für die Zuschauer keine Rolle mehr spielt. Zudem entfällt die Suche nach linearen TV-Streams in Apps oder Mediatheken, denn die Streams werden direkt in die Senderliste eingereiht.

TV-Senderliste auch bei reiner IP-Nutzung

DVB-I trägt dem Übergang zu internetbasierter Rundfunkübertragung Rechnung, wie Moderator Thomas Schierbaum, Business Development- und Marketing-Manager bei Bayerische Medien Technik (bmt), in seiner Einführung erläuterte. Veit Olischläger, Leiter Technik, Medienwirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), schilderte den Nutzen von DVB-I anhand eines Beispiels: Wer seinen neu gekauften Fernseher mit dem Kabelanschluss, der Satellitenschüssel oder DVB-T2-Antenne verbinde, erhalte nach dem Suchlauf bei der Erstinstallation eine Senderliste und könne sofort fernsehen. Wenn man den Fernseher ans Internet anschließe, etwa per WLAN, "passiert nichts", brachte Olischläger das Problem auf den Punkt. Mit DVB-I hätten die Zuschauer auch hier sofort eine Senderliste.

DVB-I sorgt zudem dafür, dass das Fernsehen weiterhin eine direkt nutzbare, native Gerätefunktion bleibt, wie Klaus Merkel, Referent Distribution/Distribution Strategy beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), unterstrich. Gleichzeitig wird durch die zentrale Senderliste vermieden, dass die Zuschauer zwischen verschiedenen Apps und deren Angeboten hin- und herwechseln müssen, wenn sie lineare TV-Streams empfangen wollen.

Regionalisierung, DRM und Radio kommen

In der ersten Phase des DVB-I-Pilotprojekts von September 2022 bis März 2023 wurde ein Proof-of-Concept erstellt, um eine gemeinsame Sichtweise auf die technischen Funktionen des DVB-I-Standards und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für den deutschen TV-Markt zu entwickeln. Der kürzlich erschienene Bericht fasst die Ergebnisse zusammen und enthält Empfehlungen für die Phase 2.

In der zweiten Phase sollen unter anderem auf Wunsch der Privatsender Verschlüsselungen (DRM) sowie die Regionalisierung der Senderliste, etwa über die Eingabe der Postleitzahl, getestet werden, wie Merkel erläuterte. Außerdem kommen mit den ARD-Radiosendern erstmals Hörfunkangebote dazu.

Mit der Regionalisierung der Senderliste soll sichergestellt werden, dass die Zuschauer die lokalen Medien ihrer jeweiligen Region empfangen, erklärte Rainer Biehn, Technischer Leiter und stellvertretender Geschäftsführer der bmt. Gleichzeitig werde verhindert, dass Lokalsender auf den hinteren Plätzen der Senderlisten erscheinen und damit schwer auffindbar seien.

Marc Hoffrichter, Technischer Projektleiter in der Hauptredaktion Digitale Medien des ZDF, nannte Beispiele für neue Möglichkeiten, die DVB-I Programmanbietern ermögliche, etwa Popup- oder Event-Kanäle, die zu sportlichen Großereignissen wie den Olympischen Spielen oder bei besonderen Nachrichtenlagen vorübergehend dazugeschaltet werden. Ein weiteres Beispiel sind Boxsets, die Serien oder Inhalte thematisch bündeln, etwa bekannte Kinderprogramme wie die "Biene Maja", und sich dann direkt aufrufen lassen.

Beteiligte des Pilotprojekts

Am deutschen DVB-I-Piloten beteiligen sich ARD, bmt, Dolby, DVB, EBU, Fraunhofer FOKUS, LG, Media Broadcast, MIT-xperts, OnScreen Publishing, ProSiebenSat.1 Media, rbb, RTL Deutschland, SES, Sofia Digital, Sony, TARA Systems, TP Vision, Vestel, WDR und ZDF.

Autor: Dr. Jörn Krieger

 

 

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