
Die Quote der Homes Passed stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozentpunkte auf 35,8 Prozent (Grafik: BREKO Marktanalyse 2023)
Marktanaylse
BREKO: Rund ein Drittel Homes Passed
Der Glasfaserausbau hat in den letzten zwei bis drei Jahren an Fahrt gewonnen, wir "haben ein extrem hohes Ausbautempo in Deutschland gesehen", sagte BREKO-Präsident Norbert Westfal am 30. August 2023 bei der Vorstellung der BREKO Marktanalyse 2023. Damit hat der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) den Stand des Glasfaserausbaus bis zum 30. Juni 2023 erhoben.*
Ein Drittel aller Haushalte und Unternehmen (35,8 Prozent) hat heute demzufolge Zugang zu einem Glasfaseranschluss (Homes passed). Damit sind laut BREKO Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude oder die Wohnung für 17,3 Millionen Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen verfügbar.
13 Mrd. Euro haben die Netzbetreiber im Jahr 2022 insgesamt in den Ausbau investiert, davon entfallen 8,4 Mrd. Euro auf die Wettbewerber der Telekom.
Zuversicht für das Erreichen des Gigabitziels 2023
Das in der Gigabitstrategie der Bundesregierung definierte Zwischenziel von 50 Prozent Homes Passed bis 2025 wird vom BREKO als erreichbar bewertet: "Wir prognostizieren 46 bis 60 Prozent", so Westfal. Dafür seien aber die richtigen Rahmenbedingungen nötig: die Akzeptanz moderner Verlegemethoden müsse in den Behörden wachsen, digitale Genehmigungsverfahren müssten mehr genutzt werden. Zuversichtlich hinsichtlich der Erreichung der Gigabitziele zeigte sich auch Studienautor Prof. Dr. Jens Böcker: "Wenn sich jetzt nicht das Tempo reduziert, werden wir das Ziel erreichen."
Take-up-Rate wächst nur langsam
Die Zahl der Homes Connected beträgt jetzt 8,9 Millionen, die Zahl der aktiv genutzten Anschlüsse (Homes Activated) bei 4,4 Millionen. Die Take-up-Rate liegt damit bei 49 Prozent und stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozentpunkte. Können die Netzbetreiber mit dieser Quote zufrieden sein? "Wir wünschen uns mehr", sagte Westfal dazu auf Nachfrage. Der BREKO sei überzeugt, dass die Rate deutlich wachsen werde. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht dramatisch ändern würden, würde allerdings auch diese Wachstumsquote genügen, um die Business Cases zu erfüllen.
45 Prozent aller gebuchten Anschlüsse haben inzwischen über 100 Mbit/s. 5 Prozent aller Vertragskunden buchten 1 Gbit/s und mehr.
Große Unterschiede bei den Fortschritten der Bundesländer
Die Marktstudie hat auch die Entwicklung in den Bundesländern beleuchtet. Schleswig-Holstein liegt mit einer Glasfaserabdeckung von 82 Prozent weiter vorne, gefolgt von Hamburg mit 72 Prozent und Brandenburg mit 54 Prozent. Letzteres ist auch das Bundesland mit dem größten Zuwachs an verfügbaren Glasfaseranschlüssen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Anzahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse in Brandenburg mehr als verdoppelt. Baden-Württemberg hat sich hingegen nur um sechs Prozentpunkte verbessert und liegt mit einer Glasfaserabdeckung von 23 Prozent im Vergleich der Flächenländer weiter auf dem letzten Platz.
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren, die den Erfolg des Glasfaserausbaus gefährden können, nennt die Studie an vor allem den Fachkräftemangel, gestiegene Ausbaukosten, Kaufzurückhalten aufgrund der weiter hohen Inflation und den Doppelausbau von Glasfaserinfrastruktur. BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers sagte: "Die 223 von den Kommunen gemeldeten Fälle von Doppelausbau sind nicht mehr nur bedauerliche Einzelfälle. Der BREKO steht für Wettbewerb, aber wir stehen für fairen Wettbewerb." Er appellierte an die Deutsche Telekom, sich stärker an Open Access zu beteiligen.
Nach Erkenntnissen des BREKO waren vom Überbau bis Juli 2023 alle Flächenländer betroffen, die meisten Kommunen liegen in Nordrhein-Westfalen und Bayern, sowie 74 Wettbewerber der Telekom. In zwölf Prozent der Fälle hat ein Wettbewerber sein Ausbauvorhaben bereits teilweise oder vollständig zurückgezogen. In jedem zehnten Fall wird sogar ein Glasfasernetz überbaut, das mit staatlichen Fördermitteln finanziert wurde.
Böcker sagte, die Diskussion um Doppelausbau sei wichtig, weil sie zu einer stärkeren Sensibilisierung und mehr Druck auf Open Access führe. Es seien auch mehr Open-Access-Projekte von seiten der Deutschen Telekom in den letzten Monaten zu beobachten.
Die Ergebnisse der im Juli eingerichtete Monitoringstelle der Bundesnetzagentur zur Meldung von Überbau werden mit Spannung erwartet.
* Die Datenbasis der BREKO Marktanalyse: Befragung von 184 Netzbetreibern in Deutschland im Mai und Juni 2023. Befragt wurden Führungskräfte (z.B. Geschäftsführer). Validierung der Befragungsergebnisse durch Hinzunahme weiterer Quellen, z. B. Expertengespräche (weitere Informationen dazu in der Marktanalyse). Die Ausbauzahlen geben den Stand Ende Juni 2023 wieder.
Claudia Boss-Teichmann 31.08.2023

