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Die Expertenrunde auf dem FRK-Breitbandkongress rät dem Mittelstand, selbstbewusster aufzutreten und nicht darauf zu warten, dass die Politik oder Behörden das Überbauproblem lösen (Foto: Marc Hankmann)

FRK-Breitbandkongress 2023

Experten warnen: Überbau belastet den Steuerzahler

Auf dem diesjährigen Breitbandkongress des Fachverbands Rundfunk und BreitbandKommunikation (FRK) erging aus der Expertenrunde, die am 7. September über den strategischen Glasfaserüberbau diskutierte, zugleich eine Warnung und Aufforderung: die Warnung davor, dass der Überbau zu mehr Förderung und somit zu einer höheren Steuerlast führen könne und die Aufforderung an den Mittelstand, im Wettbewerb mit der Telekom mehr Selbstbewusstsein zu zeigen.

Erste Meldungen bei der Monitoringstelle eingegangen

Der Monitoringstelle bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) liegen inzwischen 250 Meldungen vor, bei denen es um einen strategischen Überbau von Glasfasernetzen geht wie Bernd Sörries, Leiter der Abteilung Regulierung und Wettbewerb bei WIK-Consult, erklärte. Angesichts der Zahl an Ausbauprojekten ist das zwar eine überschaubare Zahl, aber sie könnte weiter steigen. Die Diskussionsrunde war sich darin einig, dass alle Marktteilnehmer, auch die oft gescholtene Telekom, rational handeln. "Und wenn sie den gleichen adressierbaren Markt haben, dann gehen diese Fälle nach oben", sagte Sörries auf dem Breitbandkongress in Leipzig.
 
Unter den Experten geht die Sorge um, dass das politische Ziel, Deutschland bis 2030 flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen, nicht oder nur mit einer enormen Förderung erreicht wird. "Eigentlich kann ich gar nichts dagegen haben, wenn tatsächlich gebaut wird und wenn dann am Ende alles erschlossen ist", sagte atene-KOM-Geschäftsführer Tim Brauckmüller zum Doppelausbau. Ein Problem hat er allerdings damit, wenn nur von einem Telekommunikationsunternehmen der Kernort erschlossen wird, die kleinen und mittelständischen Netzbetreiber bankrottgehen und Glasfaser in den Außenbezirken nur mit Fördermitteln verlegt werden kann. "Was in der Folge passiert: Wir brauchen noch mehr Fördermittel und haben immer weniger, die noch bauen können", erklärte Brauckmüller auf dem FRK-Breitbandkongress.

Goliath gegen den pfiffigen David

Einig war sich die Expertenrunde darin, dass es schwierig ist, strategischen Überbau zum Zwecke der Wettbewerbsverdrängung zum Beispiel von aggressivem Marketing zu unterscheiden. "Das ist hier natürlich ein Kampf David gegen Goliath", sagte Brauckmüller, "aber ich glaube, dass die Investoren und Mittelständler auch ganz schön pfiffig sein können." Sein Rat an die Zuhörer: nicht auf den Gesetzgeber oder die Wettbewerbsbehörden warten, sondern um die Ausbaugebiete kämpfen.
 
"Wir müssen uns bei den kommunalen Entscheidungsträgern als die erweisen, die tatsächlich vor Ort ausbauen", ergänzte Wolfgang Heer, Geschäftsführer des Bundesverbands Glasfaseranschluss (BUGLAS). "Wir müssen durchziehen, auch wenn der Überbau angedroht wird."
 
Damit sich die Netzinvestitionen rentieren und um die Probleme im Markt zu lösen, verwies Heer auf Open Access. "Das Problem ist erkannt und es gibt ein paar Sachen, die auf verschiedenen Ebenen umgesetzt werden", sagte Brauckmüller, "aber aus meiner Sicht ist das auf Zeit zu wenig, wenn ich als Mittelständler dagegenhalten will." Deswegen ruft er zu mehr Selbstbewusstsein auf. "Es ist nicht immer so, dass alles, was angekündigt wird, auch passiert."
 
Autor: Marc Hankmann
 
 

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