
David Zimmer, Präsident des VATM, CEO von Discovergy und Aufsichtsrat der Deutsche Glasfaser, sagte auf der Jubiläumsfeier des VATM in Berlin: "Wir brauchen die Politik als Partner, den Regulierer als fairen Schiedsrichter und die Telekom als wichtigsten Mitspieler im Markt.." (Foto: VATM)
25 Jahre VATM
"Wir stehen am Anfang unendlicher Möglichkeiten"
Die "Telekommunikationsfamilie" traf sich am vergangenen Mittwoch in Berlin zum 25. Geburtstag des VATM. Der Name des Veranstaltungsorts war Programm: im "Futurium" ging der Blick zwar auch zurück auf die Anfänge des liberalisierten Telekommunikationsmarktes. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussionen nahmen aber vor allem eine Standortbestimmung vor und warfen den Blick in die Zukunft. David Zimmer, Präsident des VATM, CEO von Discovergy und Aufsichtsrat der Deutsche Glasfaser: "Die Digitalisierung ist ein Muss und alternativlos!"
Verhalten der Deutschen Telekom "schadet der Volkswirtschaft"
Einigkeit bestand darin, dass die Liberalisierung vor 25 Jahren zu den größten Wirtschaftsreformen seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland zählt. Nötig seien jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und ein Ende des Überbaus sowie Open Access. Jan Budden, CEO der Deutsche Giganetz, kritisierte die Deutsche Telekom mit deutlichen Worten. Mit ihrem Verhalten im Markt "schade sie der Volkswirtschaft". Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, merkte an, dass das Überbau-Thema auch schwer greifbar sei, weil "bereits eine doppelte Ausbauankündigung Probleme schaffen könne."
Markus Hendrich, CEO der ecotel communication, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Wettbewerb bereits vor dem Ausbau beginne. Die Deutsche Telekom sei nach wie vor Monopolist. Kooperationen im Markt brauchten gemeinsame Standards. Sören Trebst, CEO von 1&1 Versatel, forderte ein Zukunftsbild 2030. Es gehe auch darum, wie der Markt nach dem Ausbau aussehen werde. Stephan Drescher, Geschäftsführer der E.ON, war zuversichtlich angesichts des Wachstumsmarktes Telekommunikation. Dies schaffe Möglichkeiten. Einigkeit herrschte auch, dass es weitere Konsolidierung geben werde, Partnerschaften wichtiger würden, aber die Rahmenbedingungen noch zu schaffen seien.
Warnung vor Selbstzufriedenheit und "geschönten" Ausbauzahlen
Valentina Daiber, Vizepräsidentin des VATM und Vorstand bei Telefónica Deutschland, beschrieb den Markt als "so dynamisch wie nie zuvor": "Wir befinden uns nicht am Ende einer Entwicklung, sondern am Anfang unendlicher Möglichkeiten." Verlässliche Rahmenbedingungen für Investoren und Partnerschaften blieben jedoch eine zentrale Voraussetzung für den weiteren Erfolg, waren sich die Panel-Teilnehmer einig. Jürgen Grützner, seit 25 Jahren VATM-Geschäftsführer und scherzhaft als "Duracell-Hase der Telekommunikation" betitelt, forderte die Politik auf, Realitäten anzuerkennen. Der Überbau mache Geschäftsmodelle kaputt. Jan Budden warnte vor Selbstzufriedenheit und verwies auf eine "geschönte" Glasfaserquote durch Vermischung von Homes Passed und Homes Activated. Der ausländische Wettbewerb würde Deutschland links und rechts überholen, mahnte Markus Haas, CEO Telefónica Deutschland.
Professor Jürgen Kühling, Präsident der Monopolkommission, kritisierte das "paradoxe Verhalten der Bevölkerung". Die "Not-in-my-backyard"-Haltung werfe die Frage auf, ob die Gesellschaft bereit und schnell genug für die Digitalisierung sei.
Zum Thema "Nachhaltigkeit" stellten Stephan Drescher und Wolfgang Rinner, Geschäftsführer von Gasline, ihre Infrastrukturangebote vor. E.ON beispielsweise habe mehr als 100.000 Hochspannungsmasten und zahlreiche Grundstücke, so Drescher, die sich für Telekommunikation ertüchtigen und nutzen ließen. Jochen Busch, CCO von Tele Columbus, sah auch Nachhaltigkeitspotenziale in der Wohnungswirtschaft, für die neue Ideen entwickelt werden müssten.
Eigenwirtschaftlicher Ausbau muss konsequenter unterstützt werden
In seinem Schlusswort fasste David Zimmer die Ergebnisse der Diskussionen zusammen: "Wir werden es nur gemeinsam mit der Telekom schaffen, die höchst ambitionierten Versorgungsziele der Bundesregierung zu stemmen, und dank innovativer Dienste auf den Netzen die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Der schnelle eigenwirtschaftliche Ausbau muss konsequenter unterstützt werden, die notwendige Förderung deutlich besser mit diesem verzahnt werden, wettbewerbssichernde Regulierungsverfahren schneller die nötige Planungssicherheit für die Unternehmen gewährleisten und überbordende Bürokratie konsequenter bekämpfen. Wir brauchen die Politik als Partner, den Regulierer als fairen Schiedsrichter und die Telekom als wichtigsten Mitspieler im Markt. Daher ist das Bekenntnis des VATM seit 25 Jahren so aktuell wie selten zuvor: Wettbewerb verbindet."
Claudia Boss-Teichmann 08.09.2023

