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Gerhard Haidvogel, Obmann des Fachverbands der Telekommunikations- und Rundfunkunternehmungen, Wirtschaftskammer Österreich, kündigt an, dass sich das Konferenzprogramm mit der volkwirtschaftlichen Bedeutung der Branche beschäftigen wird. Erstmals lägen umfassende Kennzahlen zur Wertschöpfung der Telekom- & Rundfunkbranche vor. (Foto: Daniela Matejschek)

Cable Days 2023

Vom Bewegtbild bis zum Gigabit Infrastructure Act

Am 24. Oktober 2023 starten die Cable Days in Linz. Gerhard Haidvogel, Obmann des Fachverbands der Telekommunikations- und Rundfunkunternehmungen, Wirtschaftskammer Österreich, gibt im Interview einen Überblick über das Programm der Cable Days 2023 und aktuelle Entwicklungen auf dem österreichischen Telekommunikationsmarkt.

Cable!vision Europe: Welches sind die Schwerpunktthemen der diesjährigen Cable Days?
Gerhard Haidvogel: Die Cable Days 2023 sind über die Jahre zum Branchenevent für alle Themen zu Netzen, Plattformen und Kommunikation avanciert. Hier treffen sich Netzbetreiber, Inhalteanbieter und technische Dienstleister aus Österreich und anderen europäischen Ländern. Wir sind stolz auf diese Entwicklung und werden auch heuer wieder viele aktuelle Themen aus dem Bereich Telekom und Rundfunk adressieren.
 
Im heurigen Jahr stehen u. a. die Entwicklungen im Bewegtbild auf dem Programm und wir stellen die Frage, wie die Jugend für das Fernsehen zu gewinnen ist und welchen Trends und Herausforderungen sich Rundfunkanbieter stellen müssen. Wir beschäftigen uns auch mit europäischen und nationalen Entwicklungen im Telekommunikationssektor wie dem Gigabit Infrastructure Act oder der NIS21, Herausforderungen im Infrastrukturausbau oder rechtlichen Fragen wie Netzsperren.
 
Und vor allem werden wir uns mit der volkwirtschaftlichen Bedeutung unserer Branche beschäftigen. Erstmals liegen umfassende Kennzahlen zur Wertschöpfung der Telekom- & Rundfunkbranche vor. Wir zeigen auf, wieviel die Telekom und Rundfunk-Branchen neben dem demokratie- und infrastrukturpolitischen Beitrag auf wirtschaftlicher Ebene leistet und wie sie damit zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Stabilität des Landes beiträgt.
 
Welches sind die größten aktuellen Herausforderungen für Netzbetreiber in Österreich?
Die Entwicklung der Endkundenpreise blieb auch im letzten Jahr deutlich hinter der allgemeinen Preisentwicklung zurück. Während der Verbraucherpreisindex von 2015 bis heute im Durchschnitt um über 20 Prozent gestiegen ist, sind die Kosten für Nachrichtenübermittlung, worunter die Telekommunikationsdienste fallen, um fast 15 Prozent zurückgegangen. Dies ist ein Ergebnis des intensiven Wettbewerbs der Anbieter. Die Telekombranche ist – wie fast immer in den letzten 20 Jahren – die Inflationsbremse im Land. Auf der anderen Seite sieht die Branche sich mit steigenden Kosten für den Netzausbau (Tiefbau, Energie, Material, Löhne) konfrontiert bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Kosten für die Kapitalbeschaffung durch die wiederholten Leitzinserhöhungen seit letztem Sommer.
 
Fachkräftemangel, Inflation und damit einhergehende steigende Baukosten – wie wirkt sich das aktuell auf ihre Mitgliedsunternehmen aus? 
Die enormen Preissteigerungen, Lieferkettenprobleme und Materialverknappungen, etwa in der Bauwirtschaft, bei den Komponenten und Rohstoffen machen der Branche aktuell sehr zu schaffen. Ich gehe aber davon aus, dass die Branche mit großem Engagement sicherstellen wird, dass es dennoch zu keinen Verwerfungen kommt. Doch die hohe Inflation und die sinkende Kaufkraft ist auch beim Kunden angekommen und kann sich langfristig negativ auf das Geschäft auswirken.
 
Wie viele andere kämpft auch unsere Branche mit dem Fachkräftemangel und dem Zugang zu qualifiziertem Personal. Es gibt zwar einige gute Initiativen, etwa für die Qualifizierung von Personal im Breitbandausbau, aber es braucht noch viel mehr Anstrengungen, damit heimischen Unternehmen ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.
 
Welche Auswirkungen auf den Breitbandausbau in Österreich erwarten Sie von zukünftigen rechtlichen Rahmenbedingungen wie beispielsweise dem Gigabit Infrastructure Act der EU?
Grundsätzlich, dass die Regelungen der geplanten EU-Verordnung – die ja unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gilt – nicht nachteilig hinter den aktuellen Rechtsbestand des TKG zurückfällt. Generell braucht es Augenmaß und hinreichend Gestaltungsspielraum, weil die Landschaften beim Netzausbau in den Mitgliedstaaten doch sehr unterschiedlich sind. Daher ist es zweifelhaft, ob eine EU-Verordnung ein sinnvolles Rechtsinstrument ist und nicht eine Richtlinie mit entsprechendem Spielraum der Mitgliedstaaten besser wäre.
 
Inhaltlich wird noch einiges in den Ratsarbeitsgruppen passieren. Bei den Cable Days werden wir einen Überblick über den aktuellen Stand auf EU-Ebene geben.
 
In Österreich sollen in den nächsten Jahren große Investitionen in den Glasfaserausbau fließen. Der erste Call aus dem neuen Förderprogramm „BBA 2030“ brachte Zuschläge für neue Förderprojekte über rund 900 Millionen Euro. Neben den etablierten Unternehmen im Glasfaserausbau zeigen auch neu in den Markt eintretende Unternehmen Interesse am Glasfaserausbau. Dazu verstärken auch die A1 Telekom und Magenta ihr Engagement und kündigen größere Investitionen an. Wie schätzen Sie die Marktentwicklung ein?
Was tatsächlich realisiert wird, ist mangels Glaskugel schwer zu beantworten. Tatsache ist, dass es eine Reihe von Hemmnissen im Ausbau gibt: steigende Kosten, teurere Kapitalbeschaffung, mangelnde Verfügbarkeiten im Tiefbau und möglicherwiese irgendwann die Realität in Form von Take Up-Raten, die hinter den Erwartungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zurückbleiben. All das erschwert den Ausbau.
 
Es ist derzeit viel Kapital im Markt und in den Presseankündigungen, sodass allein dadurch eine gewisse Gefahr der Überhitzung des Marktes nicht auszuschließen ist. Es wird abzuwarten sein, welche Projekte wie schnell realisiert werden können.
 
Grundsätzlich ist es aber positiv, dass viel ausgebaut wird und eine große Dynamik im Markt ist.
 
Sicherheit und Resilienz der Netze wird angesichts wachsender Bedrohungen durch Cyberangriffe immer wichtiger. Welche Lösungen bieten Ihre Mitgliedsunternehmen an? 
Wir haben in Österreich ein sehr hohes Sicherheitsniveau in der Praxis. Die Mitgliedsunternehmen sind seit Jahrzehnten in der Pflicht und kommen dieser lückenlos nach, die Netzintegrität und Datensicherheit sicherzustellen. Das sind dynamische Prozesse, weil sich sowohl die Netzarchitektur, die eingesetzte Hard- und Software, aber auch die Bedrohungsszenarien ändern.
 
Der Gesetzgeber hat u.a. mit den Bestimmungen im TKG – insbesondere §§ 44 ff und 160ff TKG 2021 – einen Rahmen gesetzt, um höchstmögliche Sicherheitsstandards einzuziehen und zu kontrollieren.
 
Es ist nicht zuletzt Teil des Kerngeschäfts der TK-Branche, die Sicherheit der Kunden- und Kommunikationsdaten und die Integrität ihrer Kommunikationsnetze zu gewährleisten. Das Netzinfrastruktursicherheitsgesetz (NIS-G) stellt hohe Ansprüche an die Branche und schafft Standardisierung für Prozesse, Dokumentation und Überprüfung.
 
Darüber hinaus gibt es eine Reihe von technischen Lösungen für Kunden, etwa „managed firewalls“ oder Schulungen für Privat- und Businesskunden zum Thema Cybersecurity und damit verbundenen Resilienz-Themen.
 
Ist der Überbau von Kabelnetzen durch Wettbewerber mit FTTH-Netzen oder die Ankündigung von Doppelausbau von FTTH-Netzen in Gebieten, in denen bereits ein Anbieter mit seiner Vorvermarktung gestartet hat, in Österreich ein Thema?
Doppelausbau und Überbauung von Kabelnetzen finden auch in Österreich statt. Klarerweise erfreut es keinen Netzbetreiber, wenn er überbaut wird, aber es ist die Realität. Der Infrastrukturwettbewerb ist ein erklärtes Ziel der EU und wird durch den europäischen Rechtsrahmen gefördert. Daher sind Überbauungen grundsätzlich nicht zu beanstanden, solange sie unter marktkonformen Wettbewerbsbedingungen passieren. So darf etwa die Überbauung von gigabitfähigen Netzen nicht durch Ausbau- und/oder Nachfrageförderung gefördert werden.
 
1 Die NIS-2-Richtlinie („The Network and Information Security (NIS) Directive“) regelt die Cyber- und Informationssicherheit von Unternehmen und Institutionen. Sie muss von den EU-Mitgliedsstaaten bis September 2024 in nationales Recht umgesetzt werden.
 
 

Cable Days 2023

Die zweitägige Konferenz mit begleitender Fachausstellung findet heuer am 24. und 25.10.2023 im Designcenter Linz statt. Der erste Veranstaltungstag klingt bei dem Abendevent Cable Night aus. Am 25.10. endet die Konferenz mittags. Das Branchenevent bietet Fachvorträge und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen rund um Netze, Plattformen und Kommunikation. Hier treffen sich Netzbetreiber, Inhalteanbieter und technische Dienstleister aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern.
 
Diesen Artikel lesen Sie auch in der aktuellen Printausgabe 4/2023 von Cable!vision Europe.
 

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