
Mikael Häussling Löwgren (Schwedische Glasfaser-Allianz) erläutert Vorteile des Open-Access-Modells nach schwedischem Vorbild (Foto: tktVivax Group)
Open Access
FIBER4: Open Access nach schwedischem Vorbild
Die Beratungs- und Planungsgesellschaft tktVivax hat zusammen mit Partnern das Plattformmodell FIBER4 vorgestellt. Die Plattform bietet ein genossenschaftliches Modell an, das es den Mitgliedern ermöglichen soll, auf ihren Netzen diskriminierungsfreien Open Access zu realisieren.
Die Ausgestaltung des Projekts wird von den deutschen und schwedischen Projektpartnern sowie ersten teilnehmenden Netzbetreibern und Internetdienstanbietern (ISP) erarbeitet:
- Die tktVivax Group fungiert in koordinierender Funktion und übernimmt Aufgaben in der Kommunikation und im Marketing.
- Vinnergi aus Schweden mit seiner Software-Tochter Maintrac ist für den Aufbau der notwendigen Systeme und den Know-how-Transfer zuständig.
- Mit dem von Maintrac entwickelten Operations & Business Support System (OSS/BSS) ‚FLOW‘ stellt das Unternehmen zudem die Software zur Verfügung, über die sämtliche Prozesse – vom Monitoring über den Service bis zur Abrechnung – zentral für alle Netzbetreiber koordiniert werden können.
- Rechtliche Fragen zu Verträgen, Satzungen und Co. werden von der Hamburger Kanzlei Wirtschaftrat Recht geklärt, der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) engagiert sich ebenfalls im Projekt.
Sieben Unternehmen, die Telekommunikationsnetze betreiben, hätten ihre Projektteilnahme erklärt und weitere bereits Interesse angemeldet, so tktVivax. Sie arbeiten im Rahmen der AG Open Access 2.0 des Arbeitskreis Glasfaserausbau Deutschland (siehe dazu die Meldung: Arbeitskreis Glasfaserausbau Deutschland wählt neuen Beirat) in verschiedenen Teilprojekten zusammen.
Von Schweden lernen: Kunden haben Auswahl zwischen mehr als zehn Anbietern
Für Mikael Häussling Löwgren von der Schwedischen Glasfaser-Allianz ist eine Plattform wie FIBER4 der passende Ansatz zur Verwirklichung von Open Access. In seinem Vortrag erläuterte er, wie in Schweden durch die Umsetzung eines ähnlichen Open-Access-Modells die Dominanz des größten nationalen Marktakteurs aufgehoben werden konnte. Als 'Gamechanger' für den Glasfaserausbau sieht Häussling Löwgren dabei vor allem die gewachsene Auswahl für Endkunden: "Bei über 75 Prozent der schwedischen Netzbetreiber haben die Kunden die Wahl zwischen mehr als zehn verschiedenen Anbietern. So ist für jeden das passende Produkt zu guten Konditionen dabei. Das steigert selbstverständlich die Attraktivität eines Glasfaseranschlusses – bereits im letzten Jahr hatten so 95 Prozent der schwedischen Haushalte einen FTTB- bzw. FTTH-Anschluss."
Über FIBER4
Die Plattform soll ihren Mitgliedern ermöglichen, auf ihren Netzen diskriminierungsfreien Open-Access zu realisieren und gleichzeitig hohe Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Im Zentrum des Modells steht eine Genossenschaft, deren Mitglieder Telekommunikationsnetzbetreiber wie Stadtwerke, reine TK-Unternehmen oder kommunale Zweckverbände sind. Internetdienstanbieter erhalten über diese den gleichberechtigten Zugang zu den Netzen der involvierten Netzbetreiber und können deren Kunden Angebote unterbreiten und sie mit verschiedenen Diensten versorgen.
Unter anderem steige durch eine hohe Netzauslastung und selbst festgelegte Netzentgelte die Rentabilität für die Netzbetreiber, ISPs könnten ihre Produkte wesentlich einfacher überregional vermarkten und Endkunden profitierten von einer großen Auswahl, sind laut tktVivax die Vorteile.
"Es gibt in Deutschland mehr als 700 Netzbetreiber, wovon die meisten kleinere Kommunalbetriebe sind. Durch FIBER4 bekommen sie die Möglichkeit, ihre Netze einfach und wirtschaftlich für alle Anbieter zu öffnen", so tktVivax CEO Dirk Fieml.
Claudia Boss-Teichmann 05.10.2023

