
Johannes Gungl, Geschäftsführer der Alpen Glasfaser, rechnet mit zunehmendem Infrastrukturwettbewerb, Überbauung und einer Konsolidierungwelle auf dem österreichischen Breitbandmarkt (Foto: CBT)
Cable Days 2023
Österreich: Steht eine Konsolidierungswelle bevor?
Der Breitbandausbau war ein weiterer Programmschwerpunkt bei den Cable Days (24.-25. Oktober) in Linz. Fjodor Gütermann, Leiter des Breitbandbüros im Bundesministerium der Finanzen, gab einen Überblick über den aktuellen Stand des Ausbaus und der Gigabitförderung.
"Fast kein Unternehmen baut flächendeckend aus"
Gütermann stellte fest, dass entgegen der Versprechen kaum ein Unternehmen flächendeckend ausbaue. Er erwartet, dass das Thema Überbau in den nächsten Jahren sowohl Österreich als auch Deutschland stark beschäftigen wird. Bei der A1 Telekom Austria hat ein Strategiewechsel hin zum Glasfaserausbau stattgefunden. Beim Mobilfunkausbau ist der Incumbent der größte Fördernehmer, er habe sich "beim 5G-Ausbau einen Wettbewerbsvorteil erfördert", so Gütermann.
Derzeit sind rund 60 Prozent der geförderten Ausbauprojekte abgeschlossen, während 29 Prozent noch nicht fertiggestellt sind. Dies stelle eine große Herausforderung dar. 70 Prozent der Haushalte sind bereits gigabitfähig, und laut den Telekom-Unternehmen haben 95 Prozent der Haushalte Zugang zu 5G. Die Breitbandverfügbarkeit ist in Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten am schlechtesten.
"Die Konsolidierungswelle wird rollen"
Johannes Gungl, Geschäftsführer der Alpen Glasfaser, präsentierte einen Überblick über den Ausbau in Österreich. Er kritisierte den späten Strategiewechsel des Incumbents A1, in Glasfaser zu investieren, hier wäre der Staat als Anteilseigner gefordert gewesen, entsprechende Vorgaben zu machen. Neben A1 haben auch andere große Unternehmen mit finanzkräftigen Investoren den Glasfasermarkt betreten. Gungl prognostiziert daher einen zunehmenden Infrastrukturwettbewerb und Überbauung in Österreich, sowohl bei DOCSIS- und HFC-Netzen als auch bei Glasfasernetzen. Und: "Die Konsolidierungswelle wird rollen." Neben mehr Wettbewerb auf der Infrastrukturebene erwartet Gungl diesen auch auf der Ebene der Diensteanbieter – über Endkundenpreise.
Gungl rechnet damit, dass die Kabelnetzbetreiber intensiv über die Zukunft ihrer Netze diskutieren werden: ob sie investieren, Kooperationen eingehen, eine Überbauung riskieren oder das Netz verkaufen sollen.
An der Sinnhaftigkeit des neuen Förderaufrufs in Höhe von 400 Mio. Euro zweifelt der Chef von Alpen Glasfaser: er glaube nicht, dass dadurch der Glasfaserausbau beschleunigt werde. Er argumentierte, dass es wenig sinnvoll sei, in einen überhitzten Markt mehr Geld hineinzupumpen, da erst 60 Prozent der Projekte aus der BBA 2020 abgeschlossen sind. Das Hauptproblem liegt seiner Meinung nach in der Ressourcenknappheit, die sich von der Regulierungsbehörde RTR über die Gemeinden bis hin zu fehlenden Planungsleistungen erstrecke. Als Beispiel für die Bürokratie führte er an: "Allein für unseren Ausbau im Bezirk Lietzen müssen wir mehr als 100 Brücken queren, beim Land ist eine Person für die Genehmigung zuständig und die will jeden Meter persönlich zu Fuß abgehen."
Claudia Boss-Teichmann 02.11.2023

