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Die Zahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse (Homes Passed) stieg von 2022 auf 2023 auf 16,2 Millionen und damit um rund 3 Millionen (Grafik: Dialog Consult/VATM)

Marktstudie

Dialog Consult und VATM stellen Marktanalyse 2023 vor

Ein geringes Wachstum bei den Investitionen und weitgehend gleich gebliebene Umsätze im Vergleich zum Vorjahr ergab die Marktanalyse des Telekommunikationsmarkts, die von Dialog Consult und VATM Ende November in Berlin vorgestellt wurde. 3 Millionen Glasfaseranschlüsse wurden 2023 gebaut, die Zahl der von den Kunden genutzten Anschlüsse stieg auf 4,2 Millionen. Die Gigabit-Versorgungsquote liegt jetzt bei 75 Prozent, wobei 60 Prozent davon HFC-Kabelnetzen zu verdanken sind.

Wachstum bie Investitionen, Umsätze nicht gestiegen

Im Jahr 2023 werden voraussichtlich 13,6 Milliarden Euro in den deutschen Telekommunikationsmarkt investiert werden. Im Vorjahr waren es 13,1 Milliarden gewesen. Die Summe stellt wieder einen Investitionsrekord dar, jedoch hat sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgeflacht, deutlicher bei den Wettbewerbern als bei der Telekom. Sie investierten 8,9 Milliarden, 2022 waren es 8,4 Milliarden gewesen.

Die Umsätze im deutschen Telekommunikationsmarkt blieben mit 60,2 Milliarden Euro gegenüber 60,1 Milliarden Euro im Vorjahr weitgehend unverändert, wobei das leichte Umsatzwachstum der vom Mobilfunk getragen wird. Der Umsatz im Festnetzbereich legte also nicht zu.

Mehr gigabitfähige Anschlüsse

Die Anzahl der verfügbaren Gigabit-Anschlüsse* (Homes Passed) steigt auf 42,7 Millionen  (2022: 38,9 Mio.) und damit um fast 10 Prozent. Darin sind mehrfach versorgte Haushalte eingerechnet. Zieht man diese ab, so sind für insgesamt 34,3 Millionen Privathaushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen Gigabit-Anschlüsse verfügbar (2022: 32,2 Millionen). Damit wächst die Gigabit-Versorgungsquote auf 75 Prozent im Vergleich zu 70,4 Millionen im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 7 Prozent zum Vorjahr. 

Über 60 Prozent der gigabitfähigen Anschlüsse liegen auf den HFC-Kabel-Netzen (DOCSIS 3.1), die damit noch immer den größten Anteil der Gigabitfähigkeit Deutschlands tragen. 16,2 Millionen der verfügbaren Gigabitanschlüsse sind Glasfaseranschlüsse, im Vorjahr waren es 13 Millionen. Das heißt, es wurden innerhalb eines Jahres rund 3 Millionen Homes-Passed-Anschlüsse in Deutschland errichtet. Die „Glasfaserversorgungsquote“ ist damit auf 35,4 Prozent gestiegen.

Anteil an Homes Activated steigt

Die Zahl der Homes activated, also der gebuchten Glasfaseranschlüsse, wuchs um 23,5 Prozent von 3,4 auf 4,2 Millionen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse (Homes Passed) blieb mit rund 26 Prozent weitgehend gleich.

Dabei liegt die Take-Up-Rate bei den Wettbewerbern bei 35,6 Prozent und damit zwei Drittel mal so hoch wie bei der Deutschen Telekom (13,9 Prozent). Die Take-up-Rate wird in der Studie als Verhältnis zwischen Homes Passed und Homes Activated definiert. Die Wettbewerber stellen damit den Großteil der aktiven Glasfaseranschlüsse zur Verfügung, betonen VATM und Dialog Consult: 3,2 Millionen im Vergleich zu den 1,0 Millionen der Telekom. Bei den Homes passed hat die Telekom allerdings Tempo gemacht: Die Anzahl stieg von 5,4 Millionen (2022) auf 7,2 Millionen 2023.

Mit 13,6 Milliarden Euro wird erneut ein Rekord an Investitionen im TK-Markt erzielt. Allerdings hat sich das Wachstum im Vergleich 2021 auf 2022 abgeflacht (Grafik: Dialog Consult/VATM)

Telekom dominiert den Markt auch weiterhin

"Die aktuelle Analyse verdeutlicht die ungebrochene Marktdominanz der Deutschen Telekom", kommentiert Studienleiter Andreas Walter, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsinstituts Dialog Consult GmbH, die Ergebnisse. "Die Telekom erzielt 50,6 Prozent der Umsätze im Festnetzmarkt, zwei Drittel aller Breitbandanschlüsse werden über das Telekom-Netz realisiert und mit 100.000 neuen DSL-Kunden gewinnt sie sogar noch Marktanteile im DSL-Teilmarkt zurück. Gleichzeitig können die Nachfrager bei den FTTH-Anschlüssen der Telekom aufgrund des unregulierten Zugangs keine nennenswerten Marktanteile gewinnen und mit einer Steigerung der Homes Passed um 33 Prozent sucht die Deutsche Telekom ihre Marktdominanz auch im Glasfasermarkt zu manifestieren."

Wachstum bei Datenvolumen abgeflacht

2023 steigt das genutzte Datenvolumen im Festnetz auf 142,1 Milliarden Gigabyte und mit einer Steigerung um 16,5 Prozent auf monatlich durchschnittlich 320 Gigabyte pro Breitbandanschluss allerdings nicht mehr ganz so rasant wie in den Jahren zuvor. Eine ähnliche Entwicklungskurve sehen wir beim Datenverkehr im Mobilfunk. Mit einem Wachstum des Gesamtvolumens um über 20 Prozent auf 8,3 Mrd. Gigabyte wächst das durchschnittliche mobile Datenvolumen pro Nutzer 2023 weiter auf 6,6 Gigabyte pro Monat und pro aktiver persönlicher SIM-Karte.

VATM: Marktmacht behindert Glasfaserausbau

Mit einem Plus von 12,9 Millionen neuen SIM-Karten auf insgesamt 181,9 Millionen wächst der Mobilfunkmarkt weiter stark. Vor allem steigt der Einsatz von SIM-Karten zur Vernetzung von Maschinen und erreicht einen Anteil von fast 38 Prozent, was einem erneuten Anstieg um 5 Prozentpunkte entspricht.

Anlässlich der Vorstellung der Marktstudie erklärt VATM-Präsident David Zimmer: "Die Marktmacht der Telekom behindert den Glasfaserausbau und den zukünftig auch für die Wirtschaft Deutschlands so wichtigen Wettbewerb auf den Netzen. Nicht Regulierungsabbau, sondern ein klares und für unsere Volkswirtschaft zielführendes Leitbild ist von allergrößter Bedeutung für unser Land, wenn wir nicht immer weiter bei der Digitalisierung zurückfallen wollen. Wir bauen die Nervenstränge für die digitale Gesellschaft und werden dabei durch Scheininfrastrukturwettbewerb und Marktverdrängung vom Ex-Monopolisten behindert. Die Politik schaut konzeptlos zu und in Brüssel kümmert man sich um die Entwicklung der EU-Länder, die uns um Jahre voraus sind. Die angespannte Lage auf den Finanzmärkten, Fachkräftemangel und begrenzte Tiefbaukapazitäten verschärfen die Situation. Vor allem aber stellen die lähmende Förderpolitik und der anhaltende strategische Überbau durch die Deutsche Telekom eine enorme Bedrohung für den flächendeckenden Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur dar."

Fußnote

*Gigabitfähige Anschlüsse können technisch Downlink-Bandbreiten von mindestens 1 Gbit/s bieten – Dazu zählen HFC-Anschlüsse mit DOCSIS 3.1-Standard und FTTB/H-Anschlüsse, nicht jedoch (V)DSL- und Mobilfunkanschlüsse - maßgeblich für die Berücksichtigung als gigabitfähiger Anschluss ist, dass mindestens 1 Gbit/s geboten werden kann.

Informationen zur Studiengrundlage

Die Analyse beruht laut VATM auf der Auswertung folgender Quellen:

  • Schriftliche Befragung von VATM-Mitgliedsunternehmen von August bis September 2023 

  • Unternehmenspublikationen, Finanzberichte und Pressemitteilungen 

  • Öffentlich zugängliche Studien (z.B. FTTH-Council Europe, Bundesnetzagentur, ANGA) Presseartikel und Experteninterviews 

Im deutschen Telekommunikationsmarkt stellen die Mitgliedsunternehmen des VATM mehr als 85 Prozent der Festnetzanschlüsse und sämtliche Mobilfunkanschlüsse aller Wettbewerbsunternehmen bereit, und von den Mitgliedsunternehmen des VATM werden über 97 Prozent der Mobilfunkumsätze und über 90 Prozent der Festnetzumsätze aller Wettbewerbsunternehmen erwirtschaftet. 

In den Umsätzen der Unternehmen sind sowohl Service-Umsätze, Inter-Carrier-Umsätze als auch Umsätze mit Hardware und Inhalten enthalten. 

 

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