
BREKO-Präsident Norbert Westfal begrüßte bei der Eröffnung im Estrel Hotel in Berlin rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Foto: BREKO e.V.)
BREKO Jahrestagung 2023
"Bei Ausbaugeschwindigkeit enorm aufgeholt"
800 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft trafen sich am 30. November zum Jahreskongress des Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) in Berlin.
Licht und Schatten
BREKO-Präsident Norbert Westfal sagte bei der Eröffnung des Kongresses, auf dem Glasfasermarkt gebe es Licht und Schatten. Es gebe Spitzenwerte bei den Investitionen 2022 - "der Breibandausbau rollt" - dem stünden Inflation insbesondere bei den Baupreisen und der Fachkräftemangel gegenüber.
Prof. Dr. Jens Böcker, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, stellte Zahlen aus der BREKO-Marktanalyse vom August 2023 vor. So stieg die Glasfaserquote auf 35,6 Prozent (Stand: 6/2023). Darunter wird der Anteil der Haushalte, Unternehmen und Behörden verstanden, die einen Zugang zu Glasfaseranschlüssen haben (Homes Passed). Die Take-up-Rate ist je nach Unternehmen sehr unterschiedlich und liegt bei durchschnittlich 49 Prozent.* Es bleibe aber eine Herausforderung, die Kunden von Glasfaser zu überzeugen, so Böcker.
Dr. Stefan Albers, Geschäftsführer des BREKO, lobte die Ausbauleistung der 250 in Verband organisierten Netzbetreiber. "In der Ausbaugeschwindigkeit haben wir enorm aufgeholt." Dies zeigten die über 9 Prozent Wachstum im Homes-Passed-Bereich.
Der Glasfaserausbau sei ein regionales Projektgeschäft, sagte Albers weiter. "Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die BREKO-Mitglieder ist ihre Nähe zu den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen." Open Access sei wichtig, um die Netzauslastung zu verbessern und eine wichtige Prophylaxe, um für zukünftige Regulierung gewappnet zu sein.
"Taktisch-strategischen Überbau lehnen wir ab"
Zum Thema Doppelausbau betonte er: "Taktisch-strategischen Überbau lehnen wir ab." Als Lösungsmöglichkeit habe der BREKO vorgeschlagen, dass die Telekom ihre Ausbauplanung mit einer Vorlauffrist von neun Monaten der Bundesnetzagentur (BNA) mitteilen solle, die diese Informationen aber vertraulich halten müsse.
Es sei eine Aufgabe der Branche, die potenziellen Kunden von Glasfaser zu überzeugen. Dafür sei auch ein guter Haustürvertrieb notwendig sagte er mit Verweis auf den kürzlich verabschiedeten Branchenkodex. "Wir sollten den Haustürvertrieb nicht per se schlechtreden, sondern diejenigen abstrafen, die ihn schlecht machen."
Der BREKO hatte auch eine Nachricht in eigener Sache zu verkünden: Matthias Groß, seit Mai dieses Jahres CEO der NetCom BW, wurde neu in den BREKO-Vorstand aufgenommen.
Als Ausblick auf 2024 erwartet Albers: "Wir werde in einem Jahr eine Regelung zum Doppelausbau haben. Die Kupfer-Glas-Migration ist großes Thema. Jetzt brauchen wir vernünftige Regelung: Die Bundesnetzagentur muss aus ihrer Moderatorenrolle herausgehen."
Bundesminister Wissing: Glasfaserausbau soll "im überragenden öffentlichen Interesse" sein
Dr. Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr zeigte sich in seiner Keynote mit dem Titel "Gigabitausbau und digitale Transformation beschleunigen" optimistisch, dass der Glasfaser- und Mobilfunkausbau die ambitionierten Ziele der Gigabitstrategie des Bundes durch gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Branche erfüllen wird.
Das Netzausbau-Beschleunigungsgesetz soll noch in diesem Jahr beschlossen werden, die Branche habe sich intensiv eingebracht. Er setzte sich dafür ein, dass für den Ausbau digitaler Infrastrukturen ein "überragendes öffentliches Interesse" festgestellt werde. Darüber hinaus seien im Gesetz Anpassungen bei Wegerechten und Mitnutzung vorgesehen, z. B. sollen die Fristen für wegerechtliche Zustimmung verkürzt werden.
Zum Thema Doppelausbau sagte er: "Zusammen mit den Wettbewerbsbehörden erarbeiten wir Handlungsoptionen." Entscheidend sei herauszufinden, ob missbräuchliche oder unlautere Methoden zur Anwendung kämen. "Wir werden den Glasfaserdoppelausbau intensiv begleiten und wenn nötig Maßnahmen ergreifen", bekräftigte er.
Die Haushaltssperre wirke sich nicht auf die Gigabitförderung aus, sagte der Minister weiter.
Frequenz-Verlängerung und Kupfer-Abschaltung
Der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller ging in seiner per Video zugeschalteten Keynote ebenfalls auf die 340 Meldungen zu 290 Fällen zum Doppelausbau bei der Monitoringstelle ein: "Wir sind gerade in der Phase der Auswertung. Wir wollen die Ergebnisse dann 2024 zügig mit der Branche diskutieren."
Der Schwerpunkt seiner Keynote lag auf der künftigen Vergabe von Mobilfunkfrequenzen und der Migration von Kupfer zu Glas. Der Vorschlag der BNA sei, die Frequenzen im 800 MHz-Bereich ohne Auktion zu verlängern, es seien Meinungen der Anbieter dazu eingeholt worden.
Im bei der BNA angesiedelten Gigabitforum, in dem unter anderem die Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze besprochen wird, hätten sich bei dieser Frage "einige Akteure positiver verhalten, als das vor ein paar Monaten zu erwarten gewesen wäre." Zu diesem Thema würden erste Pilotprojekte vorbereitet. Klar sei: "Je weniger Endkunden auf der alten Infrastruktur sitzen, desto einfacher wird es eines Tages sein. Ich glaube, Deutschland würde davon profitieren."
Glasfasermarkt: Lage ist besser als die Stimmung
Einen Einblick in die Sicht der ausbauenden Unternehmen auf die aktuelle Marktlage gaben Kurzinterviews. Wolfram Rinner, Geschäftsführer GasLINE: "Der Markt ist nervös – es wird länger überlegt, ob ausgebaut werden soll." Aber generell rechne er damit, dass die Anbindungsquote mit Glasfaser in den nächsten Jahren stark nach oben gehen werde, Glasfaser werde verstärkt für die Anbindung von Rechenzentren benötigt.
Auch Ralph Steffens, Co-Chief Executive Officer DNS:NET, beurteilte die Stimmungslage momentan als eher negativ. Aber: "Wir haben in der Vergangenheit Infrastrukturprojekte mit höherem Zinsniveau durchgeführt. Heute sind Zeiten bei weitem nicht so schlecht, wie sie dargestellt werden."
Soeren Wendler, Chief Sales Officer Deutsche GigaNetz, sagte, die Signale, die von negativer Berichterstattung auf die Investoren ausgehen würden, seien "nicht positiv". Aber es gäbe auch Lösungen für das Problem des strategischen Überbaus.
Zur Vermarktung von Glasfaseranschlüssen betonte Wendler: Zur Vermarktung von Glasfaseranschlüssen betonte Wendler: Man müsse deutlich intensiver anhand von Fallbeispielen aufzeigen, welche Vorteile Glasfaser für alle Generationen habe, vom Gaming bis zur Telemedizin.
Steffens regte dafür "Education Kampagnen" an, gemeinsam von Industrie und Regierung entwickelte Programme, welche die Vorteile der Glasfaser vermitteln: das seien Zukunftssicherheit, Verfügbarkeit, Energieeffizienz.
Er schlug außerdem einen konkreten Termin vor, an dem Kupfer abgeschaltet werden solle: das Jahr 2032.
*Die BREKO-Marktanalyse berechnet die Take-up-Rate als Verhältnis von Homes Activated zu Homes Connected – also als den Anteil der Kunden, die einen im Haus verfügbaren Glasfaseranschluss auch nutzen.
Claudia Boss-Teichmann 01.12.2023

