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Welche TV-Empfangswege und -Anbieter werden die Mieter nach dem Ende des Sammelinkassos am 30. Juni 2024 wählen? Die großen Konzerne schauen nicht in die Glaskugel, sondern betreiben Marktforschung, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu abzubekommen. Die Verbraucher scheinen noch unentschlossen. (Abbildung: erstellt mit KI Image Creator from Microsoft Designer)

Ende des Sammelinkassos

TV-Markt: Wer gewinnt den Wettlauf um die Kunden?

Für welchen TV-Anbieter und Empfangsweg werden sich Mieter nach dem  Wegfall des sogenannten Nebenkostenprivilegs am am 30. Juni 2024 entscheiden? Darüber diskutierten Branchenexperten beim Online-Talk "Media Tasting" am 19. Januar 2024.
 
Die Zuschauer am Freitagnachmittag waren sich da noch nicht einig. Lediglich 30 Prozent gingen vor dem Talk davon aus, dass es strukturelle Veränderungen im Markt geben würde, während 25 Prozent noch unsicher über die grundsätzlichen Konsequenzen der gesetzlichen Änderung waren. 45 Prozent gingen von eher überschaubaren Auswirkungen auf die Branche aus.
 
Als Start in die Diskussion führte Jean Pierre Crapet (Strategy & Business Development MagentaTV, Deutsche Telekom) in die Thematik ein. Komplettiert wurde die anschließende Diskussionsrunde um Moderator Dr. Jörn Krieger von Dr. Niklas Brambring (CEO, Zattoo) und Michael Gundall (Fachbereich Digitales & Verbraucherrecht, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz). Die Aussagen der Experten im Überblick:

Telekom will "relevanten Anteil" der 12,5 Millionen Haushalte gewinnen

Jean Pierre Crapet, Strategy & Business Development MagentaTV bei Deutsche Telekom, sieht im Wegfall des Nebenkostenprivileg eine "Once-in-a-Lifetime"-Chance für TV-Anbieter. Er weist darauf hin, dass etwa 12,5 Millionen Haushalte Kabelfernsehen über das Nebenkostenprivileg nutzen und nun frei werden. Besonders in Ballungszentren im Westen des Landes ergeben sich daher große Vertriebschancen für die Anbieter. "Die Herausforderung liegt in der Aktivierung" dieser Haushalte, sagte er und stellt klar: "Der Kampf um das große Potential hat gestartet – wir und andere sind da schon aktiv".
 
Als primäre Zielgruppe hat die Telekom die "Aktiven" ausgemacht. Laut eigener Marktforschung sollen diese etwa 70 Prozent der betroffenen Haushalte ausmachen. Es gehe dabei um die Kundengruppe, die bereits jetzt schon neben dem Kabel-TV auch Streamingdienste nutzte. Die Telekom ist zuversichtlich und hofft "einen relevanten Anteil" der 12,5 Millionen Haushalte für sich gewinnen zu können.

Fehlende Cross-Selling-Möglichkeiten als Nachteil

Dr. Niklas Brambring, CEO bei Zattoo, rechnet nicht mit "Millionen neuer Nutzer für unser eigenes Produkt". Daher sei der Wegfall des Nebenkostenprivilegs, im Gegensatz zu Telekom und Vodafone, für Zattoo nicht "so handlungsrelevant". "Wir versuchen einfach bei der Bewegung, die wir mit Sicherheit voraussehen, ein kleines Stück von dem Kuchen abzubekommen". Das gelinge bisher sogar besser als geplant, man wolle aber abwarten, wie sich die Zahlen entwickeln. "Die Stunde der Wahrheit kommt in der zweiten Jahreshälfte, wo wir sehen, was dabei rumkommt", dämpfte er direkt die eigene Euphorie.
 
Im Wettstreit mit den großen Playern macht er fehlende Cross-Selling-Optionen als Nachteil für Zattoo aus. Während "TV für die Telekom auch ein Vehikel ist, Internetkunden zu halten und zu gewinnen", müsse man bei Zattoo das Geld "mit TV selbst" verdienen.
 
Anders als die Telekom wolle man bei Zattoo dabei auch ältere Menschen überzeugen: "Mit über 50 hat man wahrscheinlich eine WhatsApp-Nutzung, hat schon mal bei YouTube was gesehen und im Zweifel auch schon mal bei Netflix reingeschaut. Wenn man das hinbekommt, dann bekommt man auch Zattoo oder die Angebote andere TV-Dienste hin".

Verbraucher haben noch viel Informationsbedarf

Michael Gundall, Fachbereich Digitales & Verbraucherrecht in der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, blickt aus Sicht der Verbraucher auf das Ende des Nebenkostenprivilegs. Er berichtete von immer mehr Beratungsgesprächen zu dem Thema, vielen unentschlossenen Verbrauchern und vielen offenen Fragen in der Bevölkerung. Die Verbraucherzentrale selbst klärt in Webinaren über die Veränderung auf und beobachtet den Wettbewerb genau: "Was wir durch Verbraucher leider wahrnehmen, ist dass der Vertrieb schon ordentlich angekurbelt wird." Da wird dann auch mal zu fragwürdigen Mitteln gegriffen: "Uns sind Fälle bekannt, in denen Medienberater durch die Wohnungen gehen und schon mal Verträge auf Vorrat verkaufen – obwohl der Sammelvertrag noch gar nicht gekündigt ist."
 
Mit Blick auf mögliche Fernsehpiraterie hat Gundall auch einen wichtigen Hinweis für Mieter parat: "Wenn man Kabelfernsehen nicht nutzt, muss man ein einziges Mal jemanden in die Wohnung lassen, um die Buchse zu verplomben." Weitere Kontrollen der Plombe seien dagegen vorrausichtlich nicht rechtens – allerdings ebenso wenig das Entfernen der Plombe. Dieses "kann Konsequenzen haben", da es sich um den Tatbestand "Siegelbruch" handeln könnte.
 

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