
Dirk Fieml, Geschäftsführer von tktVivax, glaubt nicht daran, dass sich die Glasfaserbranche auf eine gemeinsame Methode zur Erhebung von Netzentgelten einigen kann. Die Folge: regulierte Entgelte durch die Bundesnetzagentur. (Foto: Marc Hankmann)
Fiberdays 24
BREKO soll drohender Regulierung vorbeugen
Auf den Fiberdays 24 forderte Dirk Fieml, Geschäftsführer der tktVivax, den veranstaltenden Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) auf, eine Methode zu entwickeln, nach der die Glasfasernetzbetreiber auf Basis einheitlicher Kriterien Netzentgelte für Diensteanbieter erheben können, die sie im Rahmen von Open Access auf ihre Netze lassen wollen. Andernfalls drohe laut Fieml eine Regulierung der Netzentgelte durch die Bundesnetzagentur (BNetzA).
Kosten für Vertrieb und Netz entkoppeln
Dabei stünden die Glasfasernetzbetreiber laut Fieml vor einem erheblichen Problem: Sie nutzen meistens Mischkalkulationen, mit denen sich allerdings die tatsächlichen Netzkosten nicht exakt ermitteln lassen. Es gäbe zahlreiche Aspekte etwa zur Marktdynamik, die in die Berechnung mit einfließen müssen. "Wir erhalten immer öfter die Anfrage, was man ansetzen und berechnen muss", sprach Fieml aus dem Beratungsalltag. Die Netzbetreiber müssten Vertrieb und Netz entkoppeln, um ein diskriminierungsfreien Open Access anbieten zu können. "Man kann dem eigenen Vertrieb keine anderen Entgelte berechnen als dem Open-Access-Partner", warnte Fieml auf den Fiberdays vor einem nicht diskriminierungsfreien Handeln.
Erste Netzentgelte festgelegt
Das gelte vor allem dann, wenn es dazu käme, dass die BNetzA Netzentgelte festlege. Das hat sie im Streitfall zwischen Vodafone und M-net bereits für ein gefördertes Glasfasernetz im Main-Kinzig-Kreis gemacht, allerdings basierend auf Tarifen, also auf Bandbreiten. Wenn jedoch der Open-Access-Partner nur einen 100-Mbit/s-Tarif anböte, bekäme der Netzbetreiber auch nur dafür das Entgelt, obwohl die Kosten für den Kundenanschluss gleichbleiben und er eventuell auch mit Entgelten für höhere Bandbreiten kalkuliert hat.
Eine exakte Bestimmung der Netzkosten und Netzentgelte sei jetzt notwendig, sagte Fieml, weil viele Glasfasernetzbetreiber Open-Access-Partner für die Auslastung und Refinanzierung ihrer Netze benötigen und weil etwaige regulierte Entgelte dann auch kostenbezogen wären. "Wenn der BREKO hier vorlegt, könnte man die BNetzA ausblenden", sagte der tktVivax-Chef auf den Fiberdays in Wiesbaden. Guter Dinge ist er hinsichtlich einer Regulierung allerdings nicht, war Fieml doch jahrelang im Strom- und Gasmarkt aktiv – und dort gibt es regulierte Netzentgelte. "Das war absolut kein Spaß, sich damit auseinandersetzen zu müssen", sagte Fieml.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 29.02.2024

