
Netzbetreiber wie Westconnect erlassen in der Vorvermarktung die Anschlusskosten. Dass ein späterer Anschluss mehrere hundert Euro kosten kann, ist vielen Verbrauchern nicht klar. Die Netzbetreiber müssen besser informieren. (Symbolbild: Arbeit am Verteilerkasten; Foto: Westconnect)
Take-up-Rate
Glasfaserausbau aus Sicht des Verbrauchers
Glasfaser ist die überlegene Technologie. Das weiß jeder und trotzdem wechseln nur wenige Haushalte auf den neuen Glasfaseranschluss, wenn er angeboten wird. Dafür gibt es mehrere Gründe. Glasfaser ausbauende Unternehmen können die Vorbehalte abbauen. Der Artikel von Marc Hankmann in unserer aktuellen Ausgabe 3/2024 gibt einen Überblick über die Marktsituation und Gründe für die Zurückhaltung der Kunden.
Datenvolumen im Netz wächst rasant
Wenn es nach den Marktdaten ginge, müssten die Verbraucher den Netzbetreibern eigentlich die Glasfaser aus den Händen reißen. Das Gesamtdatenvolumen im deutschen Festnetz stieg innerhalb der vergangenen zehn Jahre um das 14-fache. Pro Anschluss und Monat hat sich das Volumen verzehnfacht. Laut Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) lag das monatliche Anschlussvolumen 2022 bei 305 GB. Bis Ende des nächsten Jahres soll es sich mit 717 GB mehr als verdoppeln.
Trend geht zur Buchung höherer Bandbreiten
Entsprechend erhöhen sich die von den Konsumenten gebuchten Bandbreiten. Von 2019 bis Mitte 2023 stieg die Zahl der gebuchten Tarife mit Bandbreiten zwischen 100 und 1.000 Mbit/s von 9,1 auf 15,8 Millionen an. Im gleichen Zeitraum halbierte sich die Zahl der gebuchten Internettarife mit Bandbreiten unterhalb von 10 Mbit/s. In fast jedem zweiten deutschen Haushalt sind mehr als vier Geräte mit dem Internet verbunden, in knapp einem Viertel sind es sogar mehr als sieben. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des eco – Verbands der Internetwirtschaft e.V. vom Anfang diesen Jahres.
Parallel zu diesem dokumentierten "Datenhunger" klagt laut dem "European Broadband Consumer Survey 2024" von Deloitte knapp ein Drittel (31 Prozent) der deutschen Haushalte über ein- oder mehrmals im Monat auftretende Verbindungsprobleme mit ihrem Internetanschluss. Damit ist Deutschland laut Deloitte im europäischen Vergleich Spitzenreiter bei stotternden Internetverbindungen.
Die Zahlen legen den Schluss nahe, dass der Vertrieb von Glasfaseranschlüssen eigentlich ein Selbstläufer sein müsste. Dem ist aber nicht so. Zwar liegt Deutschland beim Glasfaserausbau über dem EU-Durchschnitt, allerdings bezieht sich dieser Wert auf den Ausbau der "Homes passed". Das jährliche Wachstum beträgt hierzulande 25 Prozent. EU-weit sind es 17,5 Prozent. Doch bereits bei "Homes Connected" fällt das Wachstum mit nur noch 3 Prozent recht spärlich aus.
(…)
Was könnte ein Hebel für Glasfasernetzbetreiber für die Kundenakquise sein?
Intensive Informationskampagnen, die den Fokus auf die Vorteile der Glasfaser legen. Geringe Latenzen sind besonders für den prosperierenden Gaming-Sektor wichtig. Viele Umfragen kommen zu dem Ergebnis, dass die Verbraucher stabile Verbindungen gegenüber hohen Bandbreiten bevorzugen.
Und nicht zuletzt können die Glasfasernetzbetreiber mit der umweltfreundlichsten aller Festnetztechnologien punkten. Auch ist den meisten Konsumenten nicht bewusst, dass aufgrund der garantierten Bandbreite eines Glasfaseranschlusses dort das Megabit günstiger ist als bei einem DSL- oder Kabelanschluss mit "Bis-zu"- Bandbreiten. Darüber hinaus konnten neue Verbraucherprodukte wie Tarife mit symmetrischen Bandbreiten – die technische Umsetzung durfte nicht schwierig sein – oder die Erweiterung auf In-Home-Lösungen eine deutlichere Abgrenzung zu DSL und Kabel bewirken.
Schließlich erwarten Experten auch von Wholesale- Produkten einen Impuls für die Glasfaser. Zwar ist der Markt in Deutschland wenig ausgeprägt und wurde zu mehr Wettbewerb und damit zu sinkenden Preisen fuhren, aber die Konsequenz wäre auch, dass der Glasfaseranschluss für den Verbraucher attraktiver wird, wovon alle profitieren können. Letztlich bleibt es dabei, dass der Preis entscheidend ist.
(...)
Den vollständigen Artikel von Marc Hankmann lesen Sie in unserer aktuellen Printausgabe 3/2024.
Claudia Boss-Teichmann 23.05.2024

