
Wolfgang Metze, Privatkundenchef der Deutschen Telekom, war neben dem Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller der zweite Keynote Speaker beim Sommerfest des BUGLAS. Er betonte die Wichtigkeit von Kooperationen, aber: "Doch nicht jede Kooperation passt. Die Ziele und das Geschäftsmodell müssen zusammenpassen." (Foto: cbt)
BUGLAS Sommerfest
Glasfaserbranche diskutiert in Norderstedt
Im schleswig-holsteinischen Norderstedt, am Gründungsplatz des BUGLAS – Bundesverband Glasfaseranschluss e.V., fand am 11. Juni 2024 das BUGLAS Sommerfest statt. Anlässlich des 15. Jubiläums des 2009 gegründeten Glasfaserverbands stellte Präsident Theo Weirich fest: "Heute sind Glasfaser-Bauer keine Exoten mehr", der Wettbewerb sei in diesem Markt angekommen.
Und es gibt viele Teilnehmer: Den Wettbewerb zwischen 1.080 Unternehmen in einem der am stärksten fragmentierten Märkte in Europa sieht Weirich als Vorteil, da das Infrastrukturmanagement in mittelständischer und kommunaler Hand sei.
Auf der Agenda des Konferenzprogramms standen aktuelle Branchenthemen, wie Geschäftsführer Wolfgang Heer ankündigte. Dazu gehörten Panels zu Digitalisierung, Energiewende und Netzausbau, zu Erfahrungen mit Kooperationen mit der Deutschen Telekom sowie zum Ausbau der Netzebene 4 vor dem Hintergrund des in Kürze bevorstehenden Ende des Sammelinkassos.
Keynote-Sprecher und das "Ü*-Wort"
Nicht zu den prominenten Themen gehörte das bei den letzten Branchenveranstaltungen ausführlich diskutierte Überbau-Thema. Seit der Veröffentlichung des Zwischenberichts der Monitoringstelle der Bundesnetzagentur (BNA) zum Doppelausbau von Glasfasernetzen im April 2024 wurde von der BNA dazu nichts neues bekannt gegeben – es sollen weitere Informationen besonders über die Aktivitäten der Telekom erhoben werden, ein Zeitrahmen wurde nicht mitgeteilt.
Klaus Müller, Präsident BNA und erster Keynote Speaker, ging in zunächst auf sechs Dimensionen ein, die seiner Ansicht nach für den Zustand der Infrastruktur entscheidend sind: Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Geschwindigkeit, Digitalisierung, Sicherheit und Verbraucherinteressen. Er sah bei allen Dimensionen positive Veränderungen in Deutschland.
Zum Glasfaserausbau stellte er die Frage: "Welches Bild hat ein Verbraucher, wenn er dem Wort Glasfaserausbau begegnet?" Es sei wichtig, dass der Sprung in eine neue Technologie, der für die Menschen mit einer Anstrengung verbunden sei, positiv besetzt sei. Der Begriff "Überbau" sage 99,9 Prozent der Kunden nichts. Dieser dürfte nicht die dominierende Assoziation für Verbraucher beim Thema Glasfaserausbau sein.
Das Gigabitforum sei unter anderem eingerichtet worden, um Themen wie die Kupfer-Glas-Migration zu diskutieren, die Frage könne aber nicht nur theoretisch und abstrakt geklärt werden, daher seien die Pilotprojekte wichtig, so Müller. Da aber auch von der Seite der EU drängender danach gefragt werde, sei es nötig, hier noch besser zu werden - also schneller voranzukommen.
Wolfgang Metze, Privatkundenchef der Telekom, hob in seiner Keynote in Analogie zum Fußball auf den Teamgedanken ab, der sowohl im Sport als auch beim Glasfaserausbau entscheidend sei. "Digitalisierung ist Teamsport – wir messen dem Thema Kooperationen großen Stellenwert bei", sagte er. Jeder dritte Glasfaseranschluss, den die Deutsche Telekom baue, entstehe in Kooperationen, Gemeinschaftsunternehmen oder Joint Ventures, von denen es mittlerweile 40 gebe, mit steigender Tendenz. Als Beispiele nannte er die Zusammenarbeit mit Wilhelm.tel in Hamburg oder den Stadtwerken Bochum. "Doch nicht jede Kooperation passt. Die Ziele und das Geschäftsmodell müssen zusammenpassen." Kommerzielle Attraktivität, Prozesse und Technik seien die entscheidenden Faktoren.
Wie Müller betonte der Telekom-Manager, dass es wichtig sei, das Thema Glasfaserausbau positiv zu besetzen: "Wir sollten als Branche über die tollen Möglichkeiten sprechen, die Glasfaser bietet. Und wir sollten darüber in der Öffentlichkeit reden, wie wir den Ausbau beschleunigen können: durch mindertiefe Verlegemethoden, Bürokratieabbau, digitale Prozesse."
Claudia Boss-Teichmann 14.06.2024

