
Die Auffindbarkeit der Sender auf neuen Plattformen sicherzustellen, ist ein zentrales Anliegen der Radiomacher (Foto: Jörn Krieger)
Rundfunk
Lokalrundfunktage 2024: Relevanz entscheidet
Die Medienbranche steht unter Druck: Die Kosten steigen, der Wettbewerb wird härter, Social-Media-Player wie TikTok und Instagram kämpfen mit klassischen Medien um Aufmerksamkeit. Wie sich lokale TV- und Radiosender behaupten können, diskutierten Medienmacher am 25. Juni 2024 auf dem Kongress der Lokalrundfunktage in Nürnberg.
In seiner Keynote betonte Dennis Clark Vice President of Talent Development des US-Radioanbieters iHeartRadio, die wichtige Rolle von Personalities, die vielen Hörern einen Einschaltgrund lieferten, und riet zur "Geheimwaffe" der stärkeren Einbindung der Hörer, etwa über Anrufer, die direkt on air genommen werden. Radiomoderatoren seien letztlich die "ultimativen Influencer" und "Storyteller", sagte Clark mit Blick auf die Social-Media-Konkurrenz.
Moderatoren als Personalities
Die Erfahrung machte auch Carolin Häublein, Geschäftsführerin von JAM FM, RTL Audio Center Berlin/Skyline Medien, die in einem Panel von Erfolgen berichtete, nachdem man die Moderatoren stärker als Personalities aufbaute. Fehler gehörten dabei dazu, denn "Radio sollte menschlich bleiben". Patzer sieht Annika Sesterhenn, Programm-Managerin beim Berliner Rundfunk 91.4, sogar als Vorteil: Ein Moderator dürfe auch mal den Faden verlieren oder sich versprechen. Das sei "in Zeiten von KI nicht zu unterschätzen".
Das beste Programm nützt aber nichts, wenn es nicht gefunden wird. Till Coenen Geschäftsführer von Radio Arabella und 95.5 Charivari in München (im Bild s.o. Zweiter von links), nannte in einem Panel dann auch die Auffindbarkeit der Sender als zentrale Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg, die sicherzustellen sei, auch in neuen Bereichen wie den In-Car-Entertainment-Systemen von Autos.
IP kein Ersatz für klassische Verbreitungswege
Rückgrat des Radios seien nach wie vor UKW und DAB+, unterstrich Coenen. Mit großer Sorge blicke er darauf, wenn es darum gehe, tragfähige Geschäftsmodelle über IP, also das Internet als Verbreitungsweg, zu entwickeln. "Wir müssen die traditionellen Verbreitungswege UKW und DAB+ so lange wie möglich am Leben halten, denn sie liefern uns vermarktungsfähige Reichweite", sagte Coenen hinsichtlich der Werbeeinnahmen.
Bei den Inhalten kommt es nach wie vor darauf an, ein Gespür für die Themen zu entwickeln, die das Publikum interessieren. "Entscheidend ist: Welche Relevanz hat das Thema?", sagte Markus Kaiser, Professor für digitalen Journalismus, Medieninnovationen und Change Management an der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm in Nürnberg. Wenn man hier zu keinem Ergebnis komme, solle man das Thema lieber nicht bringen. Immer wichtiger würden Erklärungen, Hintergründe und Einordnungen, die die klassischen Nachrichtensendungen ergänzen.
Autor: Dr. Jörn Krieger
Claudia Boss-Teichmann 26.06.2024

