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Auf dem Podium zum NE4-Ausbau (v.l.) Jan Georg Budden (Geschäftsführer, Deutsche GigaNetz GmbH), Ministerialdirektorin Gertrud Husch (Abteilungsleiterin Digitale Konnektivität, BMDV), Prof. Dr. Kristina Sinemus (Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation), Ilka Groenewold (Moderatorin), Klaus Müller (SVP Fiber Tribe, Telekom Deutschland GmbH), Michael Jungwirth (Mitglied der Geschäftsleitung, Vodafone Deutschland) (Foto: cbt)

Gigabitgipfel Hessen 2024

Hat der Glasfaserausbau ein Imageproblem?

Eine Bilanz des Glasfaser- und Mobilfunkausbaus zog Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus zur Eröffnung des Gigabitgipfels Hessen am 27. Juni 2024 in Wiesbaden. Hessen belegt bei der gigabitfähigen Versorgung mit knapp 73 Prozent aller Haushalte Platz 4 im Flächenländervergleich. Im Vergleich zu Ende 2018 habe sich so die Anzahl der gigabitfähigen Haushalte in Hessen von 600.000 auf über 2,2 Mio. in der vergangenen Legislatur nahezu vervierfacht (Stand Ende 2023).
 
Die Glasfaserquote, der Anteil der mit FTTB/H-versorgten Haushalte, wurde um 10 Prozentpunkte von Ende 2022 gegenüber Ende 2023 gesteigert und liegt bei 26 Prozent. Damit liegt Hessen allerdings auf dem fünftletzten Platz der Bundesländer.
 
Den vor gut zwei Jahren geschlossenen Mobilfunkpakt des Landes Hessen mit den drei Mobilfunkanbietern wertete die Ministerin als vollen Erfolg. Bereits im April diesen Jahres sei das Ziel erreicht worden, 4.000 Mobilfunkstandorte neu zu errichten oder zu modernisieren. 

Neue Online-Angebote Hessens für Kommunen

Es gehe aber weiter: Um die Kommunen zu motivieren, mögliche Mobilfunkstandorte zu melden, hat das Ministerium am 14. Juni ein Standorterfassungstool online gestellt. Bisher wurden aus allen Landkreisen 277 mögliche Standorte gemeldet. "Das Tool wird von den Kommunen angenommen", so Sinemus. Zudem sei heute eine Mobilfunkakademie zur Schulung lokaler Entscheidungsträger online gegangen.
 
Für die Zukunft sei es unter anderem wichtig, die Genehmigungsverfahren weiter zu erleichtern. Dazu wurde bereits die Hessische Bauordnung angepasst, durch die Einführung einer Genehmigungsfiktion will das Land den Weg der Vereinfachung fortsetzen.

Kommt das "übergeordnete öffentliche Interesse"?

"Ich bin der Meinung, dass wir das kleine, aber wichtige Wort, das 'übergeordnet' auch wirklich benötigen, damit wir schneller vorankommen“, so Sinemus zum Abschluss.
 
Die Ministerin bezog sich damit auf das TK-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz (TK-NABeG), zu dem das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) Ende August 2023 einen Entwurf vorgelegt hatte. Wie der Name sagt, soll durch das Gesetz der Glasfaser- und Mobilfunkausbau beschleunigt werden. TK-Branchenverbände monierten (siehe unsere Meldung vom 13.06.2024), dass das Thema regelmäßig von der Agenda des Bundeskabinetts gestrichen werde, da das BMDV und das Bundesministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sich nicht einigen könnten.
 
Ministerialdirektorin Gertrud Husch, Abteilungsleiterin Digitale Konnektivität im BMDV sagte dazu in ihrer Keynote: Ihr Ministerium bedauere sehr, dass das Gesetz noch nicht verabschiedet sei und sie sei optimistisch, dass die Formulierung "überragendes öffentliches Interesse" Eingang ins Gesetz finde.
 
Zur Gigabitstrategie der der Bundesregierung zog Husch Zwischenbilanz: 75 Prozent der Maßnahmen seien bereits erreicht oder im Gange. Sie nannte das Gigabitgrundbuch, die Potenzialanalyse und die nach zähem Ringen beschlossene DIN-Norm für mindertiefe Verlegeverfahren. "Wir können noch besser werden bei Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und der Fachkräftegewinnung."
 
Die Kupfer-Glasfaser-Migration sei "unglaublich schwierig", werde aber angestrebt. Mit Verweis auf Pilotprojekte der Bundesnetzagentur sagte sie: "Wir freuen uns, dass sich Unternehmen, auch das marktbeherrschende, daran beteiligen."

Umgang mit KI: Der Mensch ist entscheidend

Themenwechsel in der nächsten Keynote: Claudia Nemat, Vorstandmitglied für Technologie und Innovation, Deutsche Telekom AG, sprach über die "KI-Chancen-Republik": Das bedeute, wir sollten die Chancen umarmen, ohne naiv in Bezug auf die Risiken sein.
 
Trotz aller guter Ansätze, die sie in Deutschland sehe: "Wir müssen mehr Gas geben. Wir haben ein pragmatisches Machen-Problem in Deutschland." Laut einer Studie von Mc-Kinsey werde 30 Prozent des Arbeitsvolumens durch KI ersetzt werden.
 
Wichtig sei ein ethischer Umgang mit KI. Mit Verweis auf Artikel 1 des Grundgesetzes sagte Nemat: "Auch die digitale Würde des Menschen ist unantastbar." Digitale Selbstbestimmung bedeute: Jeder habe das Recht, dass ihn betreffende Algorithmen transparent gemacht werden und dass er nicht manipuliert werde. Vor allem Algorithmen, die Engagement erzeugen, würden diesen Ansprüchen nicht gerecht. 
 
Kaum eine Technologie fordere und so heraus wie KI, so Nemat abschließend. Sie zeige uns unsere Grenzen, aber auch, was uns als Menschen ausmache: empathisches Verbundensein mit anderen, Urteilskraft, ethischer Kompass.

Gemeinsame Image-Kampagne für den Glasfaserausbau angeregt

Bei den anschließenden Podiumsdiskussionen standen die Bedeutung der Frequenzvergabe für den Mobilfunkausbau und aktuelle Herausforderungen für den Glasfaserausbau im Mittelpunkt. Zur angekündigten Fragestellung: "Wie neben der letzten Meile auch die Inhaus-Verkabelung" gelingt, war beim Podium zum Festnetz mit Vertretern von Politik und Deutscher Telekom, Deutsche GigaNetz und Vodafone nicht viel Neues zu hören. 
 
Die wie auf einer Mallorca-Liege ausgeworfenen Handtücher bremsen und blockieren den Glasfaserausbau, sagte Michael Jungwirth Mitglied der Geschäftsleitung Vodafone Deutschland mit Blick auf den Mitbewerber Telekom.
 
Klaus Müller, SVP Fiber Tribe, Telekom Deutschland hielt dagegen: "Wir nehmen die Bohrer in die Hand und werfen keine Handtücher." Er plädierte für Wettbewerb. Und die gemeinsame Herausforderung für die Branche sei es, den Kunden von Glasfaser zu überzeugen.
 
In diesem Punkt waren sich alle Diskutanten einig. Jan Georg Budden, Geschäftsführer, Deutsche GigaNetz GmbH beklagte, dass in Medienberichten meist negativ über den Glasfaserausbau berichtet wurde. Eine übergeordnete Kommunikationsinitiative von Wirtschaft und Politik unter dem Motto "Deutschland braucht Glasfaser" wurde von den Podiumsteilnehmern begrüßt. Man darf gespannt sein, ob auf die Ankündigung Aktionen folgen werden.
 

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