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Die Deutsche Telekom plant den Bau eines FTTH-Glasfasernetz bis Ende 2032 für insgesamt rund 674.000 Haushalte und Unternehmen in München. Grund ist laut der Telekom, dass die Verhandlungen mit M-net über einen kooperativen Ausbau nicht zum Erfolg geführt hätten. (Foto: Alexa auf Pixabay)

Deutsche Telekom will in München flächendeckend FTTH bauen

Die Telekom kündigte jetzt eine Ausweitung ihres Glasfaserausbau im Stadtgebiet von München und damit einen flächendeckenden Glasfaserausbau an. Baute die Telekom bisher bereits seit 2021 außerhalb des Stadtzentrums, will der Magenta-Konzern nun auch im Innenstadtbereich ein Glasfasernetz für insgesamt rund 674.000 Haushalte und Unternehmen bis Ende 2032 ausbauen und mit den Arbeiten in Kürze starten. Insgesamt plant die Telekom, rund eine Million Münchner Haushalte mit Glasfaser bis in die Wohnung (FTTH) zu versorgen.
 
Pro Jahr sollen 80.000 bis 110.000 Haushalte angeschlossen werden und neben dem Glasfaser-Portfolio der Telekom dann auch auf die Angebote von Netzpartnern (z.B. Vodafone, 1&1, Telefónica) zugreifen können.

Status quo der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen in München

Der gesamte Innenstadtbereich der Stadt München ist laut dem regionalen Telekommunikationsanbieter M-net durch die Stadtwerke München (SWM) und M-net mit Glasfaser bis in die einzelnen Gebäude erschlossen. Insgesamt seien rund 640.000 Haushalte und somit mehr als zwei Drittel der Münchner Bürgerinnen und Bürger angebunden.
 
Das macht die Stadt mit einer Glasfaserquote von rund 68 Prozent laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox zu einer der bestversorgten Großstädte in Deutschland.1 Dabei werden die Glasfaserleitungen in vielen Fällen bis direkt in die Wohnungen und Büros (FTTH - Fiber to the Home) verlegt. Etwa 52 Prozent der Anschlüsse entfallen auf FTTB (Fiber to the Building), bei dem die Glasfaserleitung nur bis in das Gebäude, nicht aber bis in die einzelnen Wohnungen geführt wird. Jörg Schamberg von Verivox merkt allerdings an: "In München ist bisher der FTTB- deutlich höher als der FTTH-Wert (52 Prozent gegenüber 18 Prozent). Hier gibt es noch Luft nach oben".
 
Die Deutsche Telekom teilte auf Anfrage von Cable!vision Europe zum geplanten flächendeckenden Ausbau in München mit: Es sei ein (auch von der EU angestrebter) Infrastrukturwettbewerb. "Bei der Infrastruktur der M-net handelt es sich zu rund 90 Prozent um FTTB. Die Telekom setzt aber auf FTTH. Hier wollen wir weiterkommen", so ein Unternehmenssprecher. Das Qualitätsversprechen, dass die Telekom ihren Kunden gebe, müsse auch ein Partner liefern können, "etwa mit FTTH statt mit FTTB", so die Telekom.
 
Nicht nur M-net und die Telekom bauen in München: PŸUR hat sein bestehendes Netz aufgerüstet und im November letzten Jahres eine Werbeoffensive für Gigabit-Internetanschlüsse in München gestarte (siehe unsere Meldung vom 06.11.2023). Laut PŸUR haben 270.000 Haushalte in der bayerischen Landeshauptstadt Zugang zum Netz von Tele Columbus. Auch Vodafone ist in München aktiv.

Kooperation zwischen M-net und der Deutschen Telekom seit 2021

Im Jahr 2021 wurde eine gemeinsame Absichtserklärung der Deutschen Telekom mit der Stadt München sowie mit den SWM und M-net veröffentlicht. Diese sieht vor, dass M-net seine Netze für die Nutzung durch die Deutsche Telekom öffnet – und die Deutsche Telekom die verbleibenden, noch nicht ausgebauten Bereiche der Stadt mit Glasfaser erschließt, zu denen wiederum M-net per Open Access Zugang erhalten soll.
 
Bisher wurden laut M-net die technischen Voraussetzungen für diese Kooperation geschaffen und erste Tests durchgeführt. Die Schaltung der ersten Telekom-Kunden über das M-net-Glasfasernetz soll in Kürze erfolgen.
M-net merkt zu Kooperation außerdem an: "Gleichzeitig konnte bisher in den seit Monaten laufenden Gesprächen noch keine Open-Access-Vereinbarung mit der Deutschen Telekom geschlossen werden, um künftig Kunden in den noch nicht durch M-net erschlossenen Gebieten in München über das geplante Glasfaser-Netz der Deutschen Telekom zu versorgen."
 
Die Deutsche Telekom äußerte sich auf Anfrage von Cable!vision Europe kritisch über den Verlauf der Zusammenarbeit: "Wir haben eine Wholebuy-Vereinbarung mit der M-Net, die aber nie eine Wholebuy-Abhängigkeit sein sollte. Unser - und wir dachten gemeinsames - Ziel war immer der kooperative Ausbau in München. Dies war über jahrelange intensive Gespräche auch der M-Net und den Stadtwerken klar und transparent. An vielen Kooperationen wie zuletzt in Regensburg (Anmerkung der Redaktion: siehe dazu unsere Meldung vom 02.08.2024) sieht man: Die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern und Stadtwerken ist möglich. Das wäre auch in München ein Weg gewesen. Unsere Verhandlungen dazu waren jedoch nicht erfolgreich. Für uns gilt jetzt aber: Wir schauen nun in die Zukunft und bauen mehr FTTH in München."
 
Zum Ausbauvorhaben der Telekom sagte ein M-net-Unternehmenssprecher auf unsere Anfrage: "Der Überbau bestehender Glasfasernetze ist volkswirtschaftlicher Unsinn und sorgt nur für unnötige Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger. Auch Nachhaltigkeitsaspekten wird dieses Vorgehen nicht gerecht". Und weiter: "Die Deutsche Telekom hat sich nun vorgenommen, die am besten ausgebaute Glasfaser-Stadt Deutschlands zu überbauen, obwohl bereits eine Zugangsvereinbarung und Zugang zu fairen und marktgerechten Konditionen auf das Glasfasernetz von M-net besteht. Wir sehen die Deutsche Telekom zuallererst als Partner für gemeinsamen Open Access (also gegenseitigen Netzzugang), fürchten aber auch den Wettbewerb nicht."

1 Die von Verivox verwendeten Daten basieren auf dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur (letzte Aktualisierung Juni 2024, Datenstand Dezember 2023). Die Abdeckungsrate basiert auf dem prozentualen Anteil der Haushalte, die Gigabit-fähige Anschlüsse erhalten könnten. Berücksichtigt ist Glasfaser über die Anschlusstechniken Fiber to the Building (FTTB) und Fiber to the Home (FTTH). Im Vergleich betrachtet wurden neben den Münchner Stadtbezirken auch die zehn größten deutschen Städte. 

 

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