
Der FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte sagt: "Das Glasfaserbereitstellungsentgelt und die Modernisierungsumlage haben sich für den NE4-Glasfaserausbau als wahre Rohrkrepierer erwiesen.“ (Foto: FRK)
FRK Breitbandkongress 2024
Glasfaserausbau und Verbandskonsolidierung
Am 11. September startet der Breitbandkongress des FRK in Leipzig. Der FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte gibt im Interview Einblicke in die Herausforderungen und Zukunftschancen mittelständischer Kabelnetzbetreiber. Wie hat sich die Situation im Laufe der Jahre verändert? Und welche Maßnahmen sind nötig, um den Wettbewerb zu sichern? Lesen Sie hier Auszüge des Interviews und den gesamten Artikel in der aktuellen Ausgabe von Cable!vision 4/2024.
Cable!vision Europe: Über den Wegfall des Sammelinkassos zum 1. Juli 2024 wurde viel diskutiert. Hat sich nach Auskunft Ihrer Mitglieder seither Gravierendes geändert – gibt es die in einer Umfrage vom Anfang des Jahres prognostizierte Abwanderung vom Kabel von rund der Hälfte der Mieter oder ist die Mehrheit schon auf einen Einzelnutzervertrag umgestiegen?
Heinz-Peter Labonte: Wir sind auf einem guten Weg. Die Klärung Ihrer Frage wird eines der zentralen Themen des FRK-Breitbandkongresses im September in Leipzig sein. Bislang sind mir jedenfalls keine Abweichungen von meinen damals genannten Trends bekannt. Ich sehe vielmehr sogar eine steigende Chance für das Zusatzgeschäft durch IT-Produkte und verstärkte Kooperationen zwischen unseren Mitglieds- und großen TK-Unternehmen. Letztere lernen nämlich zurzeit in den Kooperationsverhandlungen u. a. die Vertriebsstärken der lokalen und regionalen TKU zu schätzen.
Cable!vision Europe: Wird es in einem Jahr weniger kleine Kabelnetzbetreiber geben, da ein Kundenschwund vor allem kleinere Unternehmen härter treffen wird?
Heinz-Peter Labonte: Diese von Marktteilnehmern mit entsprechenden Interessen gestreuten Spekulationen überzeugen mich kein bisschen. Die FRK-Mitglieder pflegen seit vielen Jahren einen ausgezeichneten Kontakt zu ihren Endkunden sowie den lokalen und regionalen Wohnungsunternehmen. Mit ihnen errichten sie nun Glasfasernetze. Dabei entwickeln sie auch betriebswirtschaftlich sinnvolle und mieterorientierte Migrationskonzepte von Kupfer- auf Glasfaserinfrastrukturen.
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Cable!vision Europe: Ein Diskussionspunkt auf dem FRK-Breitbandkongress wird sein, ob eine Konsolidierung der Branchenverbände notwendig ist. Wie sehen Sie das: Wäre dies eine sinnvolle Maßnahme, um das Gewicht der Wettbewerber der Telekom gegenüber der marktmächtigen Unternehmen zu vergrößern?
Heinz-Peter Labonte: Ich halte die Verbandskonsolidierung für einen unerlässlichen Schritt. Der FRK hat durch seine Kooperation mit dem VATM und dem BUGLAS bereits Zeichen gesetzt. Dazu muss aber auf persönliche Eitelkeiten und Egoshooting verzichtet werden. Auch die Beherrschung von Verbänden durch einzelne große Beitragszahler wird eine Rolle spielen. Wenn Verbände durch die Interessen eines großen Mitglieds dominiert werden, kann das dazu führen, dass sich die betroffenen Verbände mit Stellungnahmen zurückhalten, die aber für die Mehrheit der Verbandsmitglieder wichtig wären.
Cable!vision Europe: Oder ist die Interessenlage der einzelnen Verbände zu divergent für ein Zusammengehen?
Heinz-Peter Labonte: Genau das wäre eben in einem offenen Diskussionsprozess zu klären. Das ist aber nur dann zielführend, wenn zuvor über persönliche Funktionärsinteressen und Eitelkeiten hinweg die wechselseitige Interessenlage in den integrationswilligen Verbänden mehrheitsfähig definiert wird. Ich bin immer optimistisch und denke, dass das gelingen kann. Derzeit sehe ich die Chance für eine Annäherung des FRK mit einem Verband, dessen Mitglieder ebenfalls in ihren unternehmerischen Aktivitäten lokal bzw. regional orientiert sind.
Claudia Boss-Teichmann 21.08.2024

