
Beim Stufenschleifverfahren wird ein schmaler Stufenschlitz in der Asphaltschicht mit einer Breite von 3 bis 11 Zentimetern und einer Tiefe von ca. 7 bis 11 Zentimetern ausgehoben (Foto: Fiber Europe/ BBV Deutschland)
Glasfaserausbau
BBV setzt auf alternative Verlegemethode für schnelleren Ausbau
Die Breitbandversorgung Deutschland GmbH (BBV) setzt beim Glasfaserausbau im Ausbaugebiet Dahner Felsenland in Rheinland-Pfalz erstmals das Stufenschleifverfahren ein, um schneller voranzukommen. Es handelt sich dabei laut BBV um den größten flächendeckenden Einsatz der Verlegemethode in Deutschland.
Bei dem neuen Verfahren wird kein ganzer Graben für die Verlegung eines Glasfaserkabels ausgehoben, sondern nur ein schmaler Stufenschlitz in der Asphaltschicht mit einer Breite von 3 bis 11 Zentimetern und einer Tiefe von ca. 7 bis 11 Zentimetern. Im Gegensatz dazu ist ein Graben in konventioneller Bauweise ca. 60 bis 80 cm tief und 30 cm breit.
"7- bis 10-mal schneller als der konventionelle Bau"
Diese minimalinvasive Methode ermöglicht eine deutlich höhere Geschwindigkeit beim Ausbau, erklärt Konrad Matheis, Chief Operation Officer der Fiber Europe, die das Verfahren entwickelt und patentiert hat. "Die Methode ist 7- bis 10-mal schneller als der konventionelle Bau", sagt Matheis. Während herkömmlicher Bau ca. 60 – 80 Meter pro Tag schaffe, erreiche das Stufenschleifverfahren bis zu 600 Meter, im Idealfall mit großen Teams sogar 1.200 Meter pro Tag.
Nach dem Aufschleifen folgt die Verlegung der Leerrohre und das Verfüllen des Schlitzes mit bitumenfreiem Asphaltmörtel. Es sind lediglich zwei Baumaschinen im Einsatz, eine Stufenschleifmaschine und eine Verlege- und Verfüllmaschine. "Eine Straße, in der wir verlegt haben, ist nach zwei Tagen wieder befahrbar", so Matheis. Dieser Vorteil sei dort besonders wirksam, wo wichtiger innerörtlicher Verkehr verläuft, zum Beispiel Buslinien, vor Schulen und öffentlichen Einrichtungen sowie in Industriegebieten und Einkaufsstraßen.
Der zweite große Vorteil liegt laut Matheis in der deutlich geringeren Belastung für die Anwohner und für die Umwelt. "Indem wir deutlich weniger Material wie zum Beispiel Erdaushub bewegen müssen, entfällt ein Großteil des Baustellenverkehrs", erklärt er. An- und Abfahrten und die damit verbundenen Belastungen durch Lärm, Schmutz und Verkehr würden deutlich reduziert. Auch die klimaschädlichen CO2-Emissionen könnten durch dieses Verfahren um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.
Für ländliche Regionen besonders geeignet
Das Ausbaugebiet der BBV in der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland in Rheinland-Pfalz umfasst 14 Ortsgemeinden sowie die Stadt Dahn und erstreckt sich über eine Fläche von rund 215 Quadratkilometern. "Gerade in diesen ländlichen Regionen zeigen sich die Vorteile des Stufenschleifverfahrens besonders deutlich", erklärt Jens Schwenker. Er ist Leiter Construction bei der BBV-Schwestergesellschaft Infrafibre Networks, die den Bau der Glasfaserinfrastrukturen verantwortet. "Es ermöglicht einen ökonomisch vertretbaren Ausbau auch dort, wo sonst nur die Ortskerne ausgebaut würden."
Michael Zwick, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland beurteilt die neue Methode aus Sicht seiner Gemeinde so: "Wir sehen, dass der Ausbau zügig vorankommt. Wir registrieren auch, dass die Belastung durch die Bauarbeiten sehr überschaubar ist, für uns eindeutig ein Qualitätsmerkmal."
Nach DIN 18220 als Verlegemethode zugelassen
Das Stufenschleifverfahren entspricht den anerkannten Regeln der Technik und wurde zusammen mit anderen Verfahren zur Legung von Leerrohrinfrastrukturen und Glasfaserkabeln für Kommunikationsnetze in der DIN 18220 zugelassen und dokumentiert. "Damit ist es im Regelausbau des Telekommunikationsgesetzes zugelassen" betont Matheis.
Schwenker kündigt an: "Wir werden das Stufenschleifverfahren in weiteren Projekten einsetzen und aktiv dafür werben. Wir wollen die lokalen Entscheidungsträger gern überzeugen, dass mit dieser Methode Vorteile für alle Beteiligten verbunden sind. Von einem beschleunigten Glasfaserausbau profitieren alle in einer Gemeinde: Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltung. Auch für die ausbauenden Unternehmen werden Projekte damit leichter handhabbar. Nicht zuletzt profitiert die Umwelt."
Claudia Boss-Teichmann 05.09.2024

