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Professor Dr. Jens Böcker (l.) verdeutlichte mit seinen Zahlen einen Trend hin zu Homes connected und weg von Homes passed. BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers forderte einen politischen Kurswechsel. (Screenshot: Marc Hankmann)

Marktanaylse

Glasfaserausbau verlangsamt sich

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) schlägt Alarm: Seinen aktuellen Marktdaten zufolge verliert der Glasfaserausbau in Deutschland an Fahrt. Wenn politisch nicht gegengesteuert werde, sieht der BREKO keine Chance, die politische Vorgabe einer flächendeckenden Glasfaserversorgung im Jahr 2030 zu erreichen.
 
In seiner aktuellen Marktanalyse stieg der Anteil der Gebäude, an denen eine Glasfaserleitung entlangläuft (Homes passed), von Mitte 2023 bis Mitte 2024 zwar von 35,6 auf 43,2 Prozent, aber das Wachstum sinkt im Jahresvergleich von 36 auf 15 Prozent. Die Gründe dafür liegen in einer Verschiebung der Ausbautätigkeiten. Laut BREKO legten insbesondere die Wettbewerber der Deutschen Telekom den Fokus auf den Bau von Hausanschlüssen (Homes connected). Während von Mitte 2022 bis Mitte 2023 die Zahl der Homes connected nur um 3,5 Prozent stieg, wuchs sie von Juni 2023 bis Juni 2024 um 18 Prozent auf 10,5 Millionen Haushalte. Die Versorgungsquote mit Homes connected liegt damit bei 22,8 Prozent.

"Offenbar das Interesse am Glasfaserausbau verloren"

Der BREKO geht davon aus, dass das Etappenziel für Ende 2025, die Hälfte aller Haushalte mit Glasfaser zu versorgen, erreicht und eventuell sogar mit 54 Prozent übertroffen werde. Allerdings prognostiziert der Verband für 2030 eine Versorgungsquote mit Homes passed zwischen 76 und 86 Prozent. Um die Glasfaser-Vollversorgung zu erreichen, fordert der BREKO eine politische Kurskorrektur. "Leider wurde in den letzten Monaten zunehmend deutlich, dass die Ampel-Koalition offenbar das Interesse am Glasfaserausbau verloren hat", stellte BREKO-Präsident Norbert Westphal bei der Präsentation der Marktanalyse fest.
 
Eine der Gefahren, deretwegen das 2030er-Ziel verpasst werden könnte, ist laut BREKO der strategische Doppelausbau. "Dieses volkswirtschaftlich widersinnige Verhalten verhindert den Ausbau ganzer Kommunen, schreckt Investoren ab und ist eine Belastung für die Bürgerinnen und Bürger", ärgerte sich BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers und kritisierte: "Seit Veröffentlichung des Monitoringberichts der Bundesnetzagentur im April ist nichts passiert. Das Thema auszusitzen, nützt einzig und allein der Telekom."

Bayern und Baden-Württemberg hinken hinterher

Um bis 2030 eine flächendeckende Glasfaserversorgung zu erreichen, fordert der BREKO neben dem Vorgehen gegen den strategischen Doppelausbau, ein Konzept zur Kupfer-Glasfaser-Migration, eine Überarbeitung des Telekommunikations-Netzausbau-Beschleunigungsgesetzes (TK-NABEG), eine Dienstanbieterverpflichtung im Mobilfunk sowie eine zielgerichtetere Gigabitförderung.
 


Die Glasfaseranschlussquote liegt im Bundesdurchschnitt bei 22,8 Prozent

 
Deren Auswüchse könne man laut Albers im Süden der Republik beobachten. Sowohl Baden-Württemberg als auch Bayern hätten zu viele Förderanträge gestellt, von denen folglich viele abgelehnt worden seien. Die Konsequenz: Zwei der wirtschaftlich stärksten Bundesländer liegen mit einer Glasfaseranschlussquote von 13,1 (Baden-Württemberg) und 19,2 Prozent (Bayern) weit hinter den Spitzenreitern Hamburg (39,4 Prozent), Brandenburg (42,6 Prozent) und Schleswig-Holstein (52,2 Prozent) zurück. "Um den Ausbau in den Ländern zu beschleunigen, braucht es endlich schnellere Genehmigungsverfahren", sagte Albers und forderte, den Glasfaserausbau im TK-NABEG ebenfalls in den Rang des überragenden öffentlichen Interesses zu stellen. "Bundestag und Bundesrat sind hier in der Pflicht, grundlegend nachzubessern, um doch noch Rahmenbedingungen für eine Beschleunigung des Glasfaserausbaus zu schaffen", sagte der BREKO-Geschäftsführer bei der Präsentation der Marktanalyse.
 
Autor: Marc Hankmann
 

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