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Diskutierten über die Folgen der Umstellung auf Einzelinkasso für die kleinen und mittelständischen Netzbetreiber: (v.l.) Detlef Wendling, Lotenik media; Rolf Hoffmann, Kabel + Sat Bergen; Moderator Andreas Bätz-Hammer, homeway; Dr. Claus Wedemeier, GdW; Uwe Rehnig, Rehnig BAK; Maik Heile, RFT Brandenburg (Foto: cbt)

FRK-Breitbandkongress 2024

"Den Kunden ein Stück näher gekommen"

Die erste Bilanz des Diskussionspanels kleiner und mittelständischer Netzbetreiber zum Ende der Umlagefähigkeit der Kosten für das Kabelfernsehen auf die Mietnebenkosten war zwiegespalten. Einem immensen organisatorischen Aufwand und Verlusten von Kunden stehen ein besserer Kundenkontakt und dadurch das Potenzial des besseren Erkennens von Kundenbedürfnissen und des "Upsellings" gegenüber.

Finanzierungsinstrument für Netzausbau verloren gegangen

Dr. Dr. Claus Wedemeier, GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. sagte zum Ende des Sammelinkassos: Die wohnungswirtschaftlichen Verbände hätten für den Erhalt der Umlagefähigkeit gekämpft und gegen die hervorragende Lobbyarbeit der Telekom verloren. Am meisten bedauere er,  dass ein  hervorragendes Finanzierungsinstrument für neue Glasfasenetze verloren gegangen sei.
 
Uwe Rehnig, Rehnig BAK sagte: "Von unseren 65.000 Haushalten sind 35.000 von Sammel- auf Einzelinkasso umgestellt." Das Verständnis für das Thema sei bei den Kunden nach wie vor gering. Detlef Wendling, Geschäftsführer von Lotenik media: "Der Endkunde tut sich extrem schwer zu verstehen, was wir von ihm wollen."

Anschlüsse abklemmen

Wie viele Kunden im Einzelinkasso künftig noch hinzukommen werden, ist noch nicht entschieden. Relativ viele Mieter scheinen - ob aus Unwissenheit oder aus der Hoffnung, damit "durchzukommen" - ihren bisherigen Anschluss weiternutzen, ohne einen Einzelvertrag abgeschlossen zu haben. So bei Lotenik media. Wendling sagte: "Wir müssen irgendwann mit der Drohung ernst machen, den Anschluss abzuklemmen. Sonst fühlen sich 40 bis 50 Prozent der Kunden nicht genötigt, mit uns einen Vertrag abzuschließen." Konkret erwartet er in Zukunft noch einen Zuwachs von 10 Prozent der Kunden, die wohl erst reagieren würden, wenn der Bildschirm schwarz sei.
 
Rehnig machte in diesem Zusammenhang auf die Problematik der Baumnetze aufmerksam. Hier sei es schwierig, einen einzelnen Kunden abzuschalten. Einigkeit herrschte darüber, dass die Abschaltung technisch möglich sei, aber nur, wenn das Netz mit hohem Aufwand umgebaut würde.
 
Überrascht wurden die Netzbetreiber beim Umstellungsprozesses von der Beharrungskraft des Mediums Papier: So haben beispielsweise 50 Prozent der Kunden von Rehnig ihre Verträge in Papierform abgeschlossen, was für das Unternehmen mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden ist, als Vertragsabschlüsse über das Online-Portal abzuwickeln.

Näher am Kunden

Durch die Einzelverträge haben die Netzbetreiber nun allerdings den Vorteil des direkten Kontakts zu den Kunden, können mehr über deren Bedürfnisse erfahren und ihnen gezielter Produkte anbieten. Bei Rolf Hoffmann, Inhaber und Geschäftsführer von Kabel + Sat Bergen, scheint das bereits gelungen: "Wir sind den Kunden ein Stück näher gekommen. Wir haben unterm Strich 30 Prozent Haushalte weniger, aber der Umsatz ist gestiegen", sagte er auf dem Panel.
 
Positiv äußerten sich die Netzbetreiber über die Fortführung der Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft. So beispielsweise Maik Heile, Geschäftsführer von RFT Brandenburg: "Wir haben keine einzige Wohnungswirtschaft verloren und konnten einen Großteil der Verträge verlängern."
 
Wie könnten Geschäftsmodelle und TV-Empfang der Zukunft aussehen? Hoffmann meinte: "Wir müssen uns dem Wettbewerb stellen, denn ich glaube nicht, dass es in zehn Jahren das Fernsehen in seiner heutigen Form noch geben wird." Heile sagte: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Kunden werblich anzusprechen und Zusatzprodukte anzubieten."
 
Mehr Kooperationen wurden einhellig als Weg für die kleineren Netzbetreiber genannt, um in Zukunft am Markt zu bestehen. Rehnig: "Wir haben Kooperationen mit mehreren Stadtwerken, das zu verstärken sollte unser Ziel sein." Diese seien auch die Voraussetzung für mehr Open Access. Wendling plädierte dafür, "echten Open Access" mit unterschiedlichen Produkten anzubieten, der die Erwartungen der Kunden abbilde. Dafür sei ein langer Atem nötig. 
 

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