
Ungewöhnlich einig: Weder BR-Intendantin Katja Wildermuth (2. v. r.) noch ProSiebenSat.1-Vorstand Markus Breitenecker (r.) glauben an eine gemeinsame Plattform der deutschen TV-Sender (Foto: Marc Hankmann)
Medientage München
Söder will gemeinsame Plattform – die Sender aber nicht
Zum Auftakt der Medientage München sprach sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Gespräch mit Eva Schulz, Moderatorin des Mediengipfels, für eine gemeinsame Plattform von ARD und ZDF aus, um sich im Wettbewerb behaupten zu können. Zwar haben beide öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihre Mediatheken in der Vergangenheit stärker miteinander verzahnt, aber ob eine gemeinsame Plattform, auch eine mit öffentlich-rechtlichen wie privaten TV-Angeboten, die Zukunft ist, wurde auf dem Mediengipfel von Sendervertretern doch stark bezweifelt.
Dass sich deutsche Medienhäuser der Konkurrenz aus den USA und China erwehren muss, ist auch an Katja Wildermuth nicht vorübergegangen. "Wir hatten Pole Positions auf der Fernbedienung und bei UKW", sagte die Intendantin des Bayerischen Rundfunks auf dem Mediengipfel. "Das wird weniger." Wildermuth bezweifelte allerdings, ob eine gemeinsame Plattform die Lösung ist. "Wenn in Zukunft zum Beispiel alles sprachgesteuert ist, spielt die Plattform dahinter keine Rolle mehr", sagte die BR-Intendantin in München.
Kooperatives Rundfunksystem
Hier stimmte ihr sogar Markus Breitenecker zu, obwohl der Chief Operating Officer der ProSiebenSat.1 Media SE eigentlich der natürliche Gegenspieler Wildermuths im dualen Rundfunksystem ist. Von diesem Konkurrenzdenken hält Breitenecker jedoch wenig. "Wir sollten zu einem kooperativen Rundfunksystem kommen", sagte der ProSiebenSat.1-Vorstand auf den Medientagen.
Gefahr von "Einheitsbrei"
Eine gemeinsame Plattform zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten deutschen Medienhäusern, hält Breitenecker aber ebenso wie BR-Intendantin Wildermuth nicht für realistisch "Das wäre zu weitgehend", sagte Breitenecker. Es bestünde die Gefahr von "Einheitsbrei" und des Verlusts der eigenen Identität. Einen Austausch auf journalistischer Ebene oder von Content können sich aber beide vorstellen.
Text: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 23.10.2024

