
ANGA-Verbandspräsident Thomas Braun sagte bei der Jubiläumsveranstaltung in Berlin: "Das Aus der Ampel-Koalition darf nicht dazu führen, dass kritische Entscheidungen in der Digitalpolitik verschleppt werden. Wir brauchen jetzt ein starkes Bekenntnis der Politik zum Wettbewerb." (Foto: ANGA)
50 Jahre ANGA
ANGA feiert 50-jähriges Bestehen in Berlin
Am 6. November zerbrach die Ampelkoalition, am 7. November fand in Berlin die Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen von ANGA Der Breitbandverband e.V. statt. Mahnungen an die Politik, dass dadurch Vorhaben zur Beschleunigung der Digitalisierung nicht verzögert werden dürften, standen daher im Mittelpunkt. Knapp 250 Gäste nahmen an der Feier im Berliner Telegraphenamt teil. ANGA-Verbandspräsident Thomas Braun sagte: "Das Aus der Ampel-Koalition darf nicht dazu führen, dass kritische Entscheidungen in der Digitalpolitik verschleppt werden. Wir brauchen jetzt ein starkes Bekenntnis der Politik zum Wettbewerb."
Der Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Stefan Schnorr, zeigte sich hingegen zuversichtlich mit Blick auf die parlamentarische Beratung und Verabschiedung des sog. Telekommunikations-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetzes (siehe dazu unsere Meldung: Staatssekretär Schnorr warnt vor Scheitern des TK-NABEG, 11.11.2024).
Prognose: Mittelfristige Steigerung der Nachfrage nach Glasfaser-Anschlüssen
Im Rahmen der Veranstaltung stellte Professor Klaus Goldhammer vom Beratungsunternehmen Goldmedia GmbH die im Auftrag der ANGA erstellte "Marktstudie 2030 – Glasfaserausbau auf dem Prüfstand: Trends, Wettbewerbsentwicklung, Herausforderungen" vor. Laut der Studie soll die durchschnittliche Anschlussdatenlast bis 2030 um den Faktor 2,4 bis 3,7 ansteigen. Dabei könnten die Anforderungen von KI-gestützten Videodiensten und Cloud-Gaming-Anwendungen nicht mehr von bestehenden DSL-Anschlüssen abgebildet werden. Dies werde mittelfristig die Nachfrage nach leistungsfähigen Gigabitanschlüssen und insbesondere Glasfaser stärken. Aktuell seien allerdings geschätzt erst ein Drittel der Wohngebäude in Deutschland mit Glasfasernetzen erschlossen. Unter der Annahme eines gleichbleibenden Ausbautempos werde eine Versorgung aller Wohngebäude in Deutschland frühestens 2034 erreicht – und damit das Glasfaserziel der Bundesregierung verfehlt. Aktuell sei zudem unklar, ob das Ausbautempo der Wettbewerbsunternehmen aufrechterhalten werde.
Dies hänge u. a. von der Auslastungsperspektive für die errichteten Glasfasernetze ab. Voraussetzung für eine gute Auslastung der Glasfasernetze ist, dass die Deutsche Telekom ihr Kupfernetz abschaltet. Allerdings gebe es für die Telekom in Ausbaugebieten von Wettbewerbern hohe wirtschaftliche Anreize, das Kupfernetz weiter zu betreiben und auch weiter zu vermarkten. Dies reduziere die Kundenzahlen auf den Glasfasernetzen und damit die Impulse für den weiteren Ausbau der Wettbewerbsunternehmen in Deutschland.
Schnell Rahmenbedingungen für Kupfernetz-Abschaltung festlegen
Die teilnehmenden CEOs großer deutscher Netzbetreiber, darunter Marcel de Groot, Vodafone Deutschland, Andreas Pfisterer, Deutsche Glasfaser, Markus Oswald, Tele Columbus, und Bernd Thielk, willy.tel, leiteten daraus ab, dass dringender politischer und regulatorischer Handlungsbedarf bestehe. Die Bundesnetzagentur müsse ihre Aufgabe ernst nehmen, und schnell die Rahmenbedingungen für die Kupfernetz-Abschaltung festlegen, damit diese wettbewerbsneutral und diskriminierungsfrei erfolge. Der Telekom das Heft des Handelns allein zu überlassen, sei fatal für Deutschland. Es drohe eine Re-Monopolisierung im Glasfaserbereich, die dem Wettbewerb, den Verbraucherinteressen und letztendlich dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden werde.
Ein Executive Summary der Studie kann auf der Website der ANGA heruntergeladen werden: Executive Summary zur Marktstudie 2030: Glasfaserausbau auf dem Prüfstand - ANGA Der Breitbandverband e.V.
Claudia Boss-Teichmann 10.11.2024

