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Immer mehr Kinder und Jugendliche zeigen laut DAK-Suchtstudie beim Video-Streaming ein riskantes oder pathologisches Nutzungsmuster (Foto: Vidmir Raic auf Pixabay)

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Wenn Netflix krank macht

Über 900.000 Kinder und Jugendliche zeigen ein riskantes oder bereits pathologisches Nutzungsmuster in Bezug auf Video-Streaming-Dienste. Zum Vergleich: Im Bereich Gaming sind es 700.000 10- bis 17-Jährige. Das sind Ergebnisse der DAK-Suchtstudie, die diese Woche vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr lag die Nutzungszeit von Streaming-Diensten bei Kindern und Jugendlichen werktags mit 93 und am Wochenende mit 145 Minuten leicht unter den Zeiten aus dem Jahr 2023 (98 bzw. 155 Minuten). Dennoch sprechen die Wissenschaftler der Studie von einer besorgniserregenden Entwicklung, denn die Prävalenz, also die Häufigkeit eines Krankheitsbildes, hat sich verdoppelt und liegt bei 2,6 Prozent. Mädchen und Jungen sind gleichermaßen betroffen.

Mediensucht weiter verbreitet als vor Corona

Insgesamt sehen die Wissenschaftler bei 1,3 Millionen Kindern und Jugendlichen eine problematische Nutzung beim Streaming, Gaming und den sozialen Medien. "Wenn junge Menschen ohne Ende online sind, dann schadet das häufig der Gesundheit und führt zu sozialen Konflikten", sagte Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, bei der Vorstellung der Studie, der zufolge sich die Problematik der Mediensucht auf hohem Niveau eingependelt hat. Sie liegt deutlich höher als noch vor fünf Jahren, also höher als in Vor-Corona-Zeiten.
 
Darin sehen die Wissenschaftler auch einen Beleg dafür, dass die während der Pandemie entstandenen Nutzungsmuster bei vielen jungen Menschen weiterhin bestehen. Zu dem laut Studie "anhaltend hohen Suchtpotenzial" des Video-Streamings trügen auch die kontinuierliche Optimierung und Integration von KI-gestützten Empfehlungssystemen bei, die darauf abzielen, das User Engagement zu maximieren.
 
Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in der Studie der Streaming-Konsum nicht nach Plattformen, sondern der Art der Nutzung unterschieden wird. Der passive Videokonsum wird dem Video-Streaming zugerechnet. Der aktive Videokonsum zeichnet sich durch Interaktionen wie Chatten, Liken oder Kommentieren aus und zählt in der Studie zur Nutzung sozialer Medien. So betrachtet die Studie nicht nur Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime Video, sondern auch Plattformen wie TikTok, Twitch oder YouTube.

Pathologische Videokonsum-Nutzung als Störung anerkennen

Es ist jedoch vor allem der Anstieg von 117 Prozent im pathologischen Video-Streaming, der den Wissenschaftlern Sorgen bereitet. Deshalb fordern die Autoren der Studie, die bereits anerkannte Computerspielstörung auch auf die Social-Media- und Video-Streaming-Nutzung auszuweiten. "Im Kampf gegen die Mediensucht brauchen wir den Schulterschluss mit den Schulen", ergänzt DAK-Chef Storm mit Blick auf die derzeit tagenden Kultusminister der Bundesländer. "Uns hilft jetzt keine kontroverse Diskussion über ein Handyverbot für Schülerinnen und Schüler. Wir sollten offen über ein neues Schulfach Gesundheit diskutieren", betont Storm.
 
Autor: Marc Hankmann
 

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