
In der Diskussionsrunde "Streamflation" diskutierten Marktteilnehmer mit Moderator Dr. Jörn Krieger über Strategien für einen umkämpften Markt (Screenshot: Marc Hankmann)
TV-Verbreitung
"Kabelnetzbetreiber müssen sich neu definieren"
Schwere Zeiten für die Kleinen in der Medienbranche: Sowohl Spartensender als auch Kabelnetzbetreiber sind mit einer Reihe an Herausforderungen konfrontiert, wie gestern auf dem Medientage-Special "Future Video" im Haus der Kommunikation in München deutlich wurde. Kabelnetzbetreiber müssen nicht nur den Wegfall der Betriebskostenumlage kompensieren, sondern auch die Transformation von DVB-C zu IP bewerkstelligen. "TV im Kabel nimmt viel Bandbreite weg, die man lieber dem Internet zur Verfügung stellen möchte", erklärte Marco Hellberg, Geschäftsführer bei der CANAL+-Tochter M7 Deutschland, die in Deutschland knapp 150 Netzbetreiber betreut.
Das Dilemma: Die Margen im DVB-C-Bereich sind hoch, denn die Rechte sind günstig und die Infrastruktur abgeschrieben. "Im IPTV-Bereich müssen sie neue Plattformen aufbauen und die Rechte sind teurer, weil die Broadcaster Lizenzen für zusätzliche Funktionen haben wollen", sagte Hellberg in München. Während das DVB-C-Geschäft jedoch schrumpft, steckt im IP-Segment das Wachstum. "Die Kabelnetzbetreiber müssen ihre Rolle neu definieren", sagte Hellberg. Anstelle der Wohnungswirtschaft müssen sie ihre Produkte vermehrt an Einzelnutzer verkaufen und zusätzliche Add-ons entwickeln. "Das ist gerade für kleine Netzbetreiber eine hohe Herausforderung", erklärte Hellberg auf der Veranstaltung in München.
FAST bedroht Spartensender
Das Wachstum im IP-Bereich bedroht aber nicht nur Netzbetreiber. Die steigende Verbreitung von "Free Ad Supported Streaming Television" (FAST) gefährdet auch am Geschäftsmodell der Spartensender. Besonders gut funktionieren Serien, die als FAST Channels ausgestrahlt werden. Allerdings werden sie deshalb auch nicht mehr im Pay-TV ausgewertet. "Da frisst sich FAST von der Z-Library langsam nach vorne", sagte Hellberg. "Die Frage ist nur, wie weit nach vorne, wie weit reicht die Monetarisierung."
Des einen Leid ist des anderen Freud, denn für Kabelnetzbetreiber sind FAST Channels ein neues Geschäftsmodell. Bislang mussten sie an Sender zahlen, um die Programme in ihre Netz einspeisen zu dürfen. Jetzt bekommen Netzbetreiber über einen Revenue Share Geld vom FAST-Channel-Anbieter, der sich wiederum durch Werbung finanziert.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 03.04.2025

