
Ließen auch ihrem Frust über eine passive Politik freien Lauf: Ruben Queimano (Deutsche Glasfaser), Jens Prautzsch (UGG), Nelson Kilius (M-net), Thorsten Fellmann (GVG Glasfaser), Dalibor Dreznjak (WOBCOM) und Jan Georg Budden (Deutsche GigaNetz) (Foto: Marc Hankmann)
Fiberdays 25
Glasfaserausbau "kommt wie eine Ketchup-Flasche"
Auf den Fiberdays 25 in Frankfurt am Main stellt die Glasfaserbranche ihre Forderungen an die Politik für eine Beschleunigung des Glasfaserausbaus auf. "Der Markt wird um den Faktor 10 wachsen bei einer EBITDA-Marge von 60 Prozent", war sich an Jan Georg Budden, Mitbegründer und CEO der Deutschen GigaNetz, auf dem Strategie-Panel am 2.04.2025 der Digital- und Glasfasermesser sicher.
Aber es ist noch viel zu tun, denn laut aktueller Marktdaten des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) liegt die "Homes Passed"-Versorgung erst bei 48,8 Prozent. "Es fehlen noch 150 Milliarden Euro", erklärte Budden in Frankfurt am Main.
Damit die investiert werden, um aus den "Homes Passed" "Homes Connected" zu machen und auch die andere Hälfte der Republik mit Glasfaser zu versorgen, muss aus Sicht der Branche die neue Bundesregierung abliefern. "Die alte Regierung glänzte durch Passivität", kritisierte Jens Prautzsch, CEO von Unsere Grüne Glasfaser (UGG). Budden ergänzte, dass Investoren das größte Risiko für ihre Investments beim Regulierer sehen. Deshalb braucht es stabile Rahmenbedingungen.
"Lasst uns den Quatsch mit dem Kupfer beerdigen"
Prautzsch sprach sich zudem für eine aktivere Rolle der Bundesnetzagentur (BNetzA) aus. Immer noch wartet die Glasfaserbranche auf das fürs erste Quartal 2025 angekündigte Konzept der BNetzA zur Kupfer-Glas-Migration. Auch beim Thema Überbau von Glasfasernetzen tut sich nichts, die Monitoring-Stelle der BNetzA sammelt lediglich weiter Daten. "Die unsägliche Überbau-Diskussion ist unerträglich", ärgerte sich Dalibor Dreznjak, Geschäftsführer der WOBCOM und Leiter der Unternehmensentwicklung und Kommunikation bei den Stadtwerken Wolfsburg.
Aber es ist vor allem das Fehlen eines Fahrplans für den Übergang von Kupfer- zu Glasfasernetzen, das die Branche in Wallung bringt. "Lasst uns den Quatsch mit dem Kupfer beerdigen", wetterte Nelson Kilius, Sprecher der M-net-Geschäftsführung. Ein Abschaltdatum für Kupfernetze im Jahr 2030, wie es etwa auch die EU-Kommission postuliert, hält Kilius für umsetzbar, wenn eine ausreichende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen gewährleistet ist.
Daran muss die Branche in den kommenden Jahren arbeiten. Dass der Boom aber kommen wird, davon ist Deutsche-GigaNetz-CEO Budden überzeugt: "Das kommt wie eine Ketchup-Flasche", sagte er auf den Fiberdays 25 in Frankfurt am Main. "In ein bis zwei Jahren kloppen sich alle um Glasfaseranschlüsse."
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 03.04.2025

